Apps für den Chemieunterricht

In diesem Fachartikel werden verschiedene Apps für den Chemieunterricht vorgestellt und hinsichtlich wichtiger Kriterien für den Einsatz im Unterricht beurteilt.

Jeder kennt und nutzt sie. Apps sind aus unserem digitalisierten Alltag nicht mehr wegzudenken. In der aktuellen Bildungsdiskussion dominiert ein Thema besonders: Die Implementierung von Apps in den Unterricht als Ergänzung und Unterstützung von Lerninhalten. Wer aktuell einen zeitgemäßen Unterricht anbieten möchte, sieht sich mit einer Vielzahl von potenziell geeigneten Apps konfrontiert. Sowohl für Android- und iOS-Geräte oder für den PC gibt es ein riesiges Angebot unterschiedlicher Applikationen. Dabei stellen sich automatisch viele Fragen: Was bietet die App? Wie einfach und intuitiv ist die App zu nutzen? Wie sieht es mit einer geräteübergreifenden Nutzung aus? Und letztlich: Läuft die App in der täglichen Lernumgebung meiner Schülerinnen und Schüler überhaupt flüssig?

All dies sind Fragen, mit denen man sich bei der Wahl passender Apps für den Unterricht als Lehrkraft auseinandersetzen muss. Schaut man in die Fachliteratur, wird dort zwar der Einsatz von Apps, Smartphones, Tablets und Whiteboards angepriesen, Anwendungsempfehlungen fehlen jedoch. Diese Lücke schließt der Bericht von Maurice Gangl und Prof. Dr. Amitabh Banerji.

Der Bericht bietet einen Einblick in drei Anwendungsbereiche für den Chemieunterricht:

  • Erstellen von chemischen Formeln
  • Erstellen von Versuchsaufbauten
  • Erstellen von chemischen Animationen
Bericht "Apps für den Chemieunterricht" zum Download

Die Kriterienkataloge

Die Kriterienkataloge umfassen drei große Bereiche: Content, Usability und Performance.

Content

Dieser Testabschnitt wurde individuell für die unterschiedlichen Anforderungsbereiche zugeschnitten. Hier soll vor allem der Inhalt der jeweiligen Anwendung dargestellt werden. Ist der zuvor festgelegte Inhalt abrufbar, wird dies mit einem "Ja" bewertet.

Usability

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Nutzerfreundlichkeit der Anwendung. Eine intuitive Bedienung und ein "roter Faden" sind hier genauso wichtig wie gut leserliche Textpassagen und optimal positionierte Auswahlfelder.

Performance

Hier steht die Frage im Vordergrund, ob die Anwendung flüssig in der täglichen Lernumgebung der Lernenden läuft. Sofern nicht anders angegeben, wurde die jeweilige Anwendung für alle Betriebssysteme getestet.

Anwendungsbereich: Erstellen von chemischen Formeln

Content-Empfehlung

Wenn man nur den Inhalt betrachtet, liegt das kostenlose Windows Programm ChemSketch sehr gut im Rennen. Es bietet eine 3D-Ansicht des dargestellten Moleküls und kann zudem ganze Reaktionsgleichungen und -mechanismen erstellen. Darüber hinaus besitzt es eine Vielzahl von bereits vorgefertigten Strukturen.

Usability-Empfehlung

Insgesamt schnitten drei Anwendungen mit 5 von 5 Sternen ab. KingDraw Chemical Structure Editor bekam 5 Sterne und schneidet vor allem wegen der intuitiv-selbsterklärenden Bedienung und des hervorragenden Einführungstutorials gut ab. Ebenso sind alle Textpassagen sehr gut lesbar und die Auswahlfelder sind gut positioniert.

Performance-Empfehlung

Während der Untersuchung zeigten nahezu alle Anwendungen Werte im 5-Sterne-Bereich. Daher ist hier keine klare Empfehlung auszusprechen.

Anwendungsbereich: Erstellen von Versuchsaufbauten

Content-Empfehlung

Insgesamt schlossen sowohl ChemSketch als auch Edraw mit 4 von 5 Sternen ab. Das Visualisierungsprogramm Edraw zeigt seine Stärken in einer sehr ansprechenden Darstellung der einzelnen Gefäße und Apparaturen. ChemSketch hingegen ist kostenlos, bietet nahezu den gleichen Inhaltsumfang, ist jedoch nur auf Windows-Rechnern nutzbar.

Usability-Empfehlung

Insgesamt schlossen sowohl Chemix als auch Edraw mit 5 Sternen ab. Chemix zeigte sich hier von seiner besten Seite. Es bietet nicht nur eine einfache und intuitive Nutzung, sondern auch nahezu perfekt platzierte Auswahlfelder und Inhalte. Pluspunkte bringt auch die plattformübergreifende Anwendung dieses kleinen Tools.

Performance-Empfehlung

Alle drei untersuchten Programme schlossen mit 5 Sternen ab. Sie sind einfach und intuitiv zu nutzen und die Inhalte und Auswahlfelder sind sehr übersichtlich platziert.

Anwendungsbereich: Erstellen von chemischen Animationen

Sehr gut abgeschnitten in dieser Kategorie hat FlipaClip. Unterschiedliche Hintergründe und Grundformen können eingefügt beziehungsweise nachgezeichnet werden. Die Schülerinnen und Schüler können eine Art digitales Daumenkino erstellen. Dabei können Formen bunt eingefärbt werden und es können unterschiedliche Schichten erstellt werden, sodass auch Formen in Bewegung leicht darstellbar sind.

Usability-Empfehlung

Im Test schnitten zwei Anwendungen mit 5 Sternen ab: zum einen FlipaClip und zum anderen Stop Motion Studio. Diese App stellt eine Erweiterung der bereits im Smartphone verbauten Kamera dar und ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, mithilfe von selbst gebastelten oder ausgeschnittenen Abbildungen eigene Videos zu erstellen.

Performance-Empfehlung

Auch in diesem Test schneidet FlipaClip sehr gut ab. Ebenso überzeugen konnte FlipPad. Beide Programme decken die gängigen Auflösungen von SD(480p) bis FHD (1080p) ab. Auch die Framerate ist mit 1 bis 30 Frames pro Sekunde sehr gut.

In Kooperation mit

Fonds der Chemischen Industrie

Dieser Inhalt wird in Zusammenarbeit mit dem Fonds der Chemischen Industrie (dem Förderwerk des Verbandes der Chemischen Industrie e. V.) angeboten.

Autorenteam
Portrait von Maurice Gangl und Prof. Amitabh Banerji Maurice Gangl und Prof. Amitabh Banerji

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