Historische Entwicklung und Konsequenzen

Seit wann spricht man von der "Globalisierung", wie ist sie gewachsen, was sind ihre aktuellen und künftigen Folgen.

Der Globalisierungsbegriff seit 1990

Wie Ernst Ulrich von Weizsäcker ausführt, hielt der Begriff "Globalisierung" erst in den 1990er Jahren verstärkt Einzug in die Sprache. Die Ursache dafür sieht er in dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems in Osteuropa und dem damit einhergehenden Siegeszug der Marktwirtschaft in diesen Ländern sowie der zeitgleichen rasanten Entwicklung der Computer- und Informationstechnik. Diese ermöglichen nun eine "neuartige weltweit verflochtene Produktionstechnik und Logistik, sekundenschnelle weltweite Finanztransaktionen und Instant-Preisvergleiche mit der Folge eines dramatisch intensivierten Kostenwettbewerbs."

Der Umbruch in der Struktur des Welthandels

Veränderte Anteile und wachsende Bedeutung des Exports

Die Struktur des Welthandels hat sich, so der Schlussbericht der Enquête-Kommission des Bundestages, in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Während der Industriegüter- und Dienstleistungshandel anstiegt, sank der Handel mit Agrarprodukten von 47 Prozent (1950) auf nur noch neun Prozent des Welthandels (2000). Zugleich wurde der Export immer wichtiger: Nach Angaben der "International trade statistics 2005" der "World Trade Organization" (WTO) ist der Warenexport von 1950 bis 2004 um den Faktor 27,5 und die Weltwarenproduktion allerdings nur um den Faktor 7,8 gestiegen. Der Export wuchs damit durchschnittlich um 6,2 Prozent, die Weltwarenproduktion dagegen um 3,8 Prozent pro Jahr. Dieses stetige Wachstum des weltweiten Exports hatte zur Folge, dass der Anteil der exportierten Waren und Dienstleistungen am Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1948 und 2004 von acht auf über 27 Prozent gestiegen ist.

Steigende Außenhandelsquoten

Der Export entwickelte sich in den Zeiträumen von 1950 bis 1960 und von 1960 bis 1970 besonders stark, sein Anteil im Vergleich zu den insgesamt hergestellten Waren war jedoch noch relativ gering. Bedeutender für den Prozess der Globalisierung ist, dass der Warenexport in den Jahren 1990 bis 2000 um knapp 87 Prozent gestiegen ist. Bereits 1990 war die ökonomische Verflechtung hoch und der Warenexport hatte einen Wert von knapp 3,5 Billionen US-Dollar erreicht. Für die einzelnen Volkswirtschaften wuchs die Bedeutung des Außenhandels. Der Anteil der Warenexporte und -importe am weltweiten BIP stieg von 28 Prozent (1970) auf 44,5 Prozent im Jahr 2004. Die deutsche Wirtschaft ist besonders vom Export abhängig: Als "Exportweltmeister" hatte Deutschland im Jahr 2005 mit 62,8 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Außenhandelsquote.

Negative Folgen der Globalisierung

Wachsender Konkurrenzdruck

Die weltweite Vernetzung der Märkte hat ihre Schattenseiten: Durch die zunehmende internationale Konkurrenz hat sich der Druck auf die einzelnen Unternehmen in den letzten Jahren massiv erhöht. Um auf dem inzwischen weltweiten Markt bestehen zu können, müssen sie ihre Waren möglichst kostengünstig produzieren. Das hat zu einem harten Wettbewerb zwischen den Ländern um die günstigsten Bedingungen für Unternehmen geführt. Vor allem die weltweit agierenden Großkonzerne, die sogenannten "Global Player", haben die Möglichkeit, Arbeitsplätze und Standorte in jedes Land der Welt zu verlagern. Das heißt, sie können sich den für sie günstigsten Standort frei aussuchen.

 

 

Fiskalische Umverteilung

Dieser Standortwettbewerb gebe allen Staaten ein kräftiges Signal, die Steuern für Unternehmen und für Gutverdienende zu senken. Denn es ist deren gewachsene Mobilität und wählerisches Verhalten, die den Wettbewerb wesentlich mitbestimmen, so Ernst Ulrich von Weizsäcker. Während die Steuerlast der Unternehmen und Gutverdienenden abnimmt, zeigen die Mehrwertsteuersätze sowie die von allen Bürgern zu bezahlenden kommunalen Abgaben einen gegenläufigen Trend. Es scheint eine fiskalische Umverteilung von unten nach oben stattzufinden, kritisiert von Weizsäcker.

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