Herausforderung Schulschließungen – Ist Homeschooling die Antwort?

Die aktuellen Ausnahmeregelungen mit geschlossenen Schulen stellen besonders die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern vor akute Herausforderungen. Vielerorts denkt man über Homeschooling nach oder setzt einzelne Maßnahmen um. Frau Dr. Henkelmann von Federal Advocate bei SMART Technologies erklärt im Interview, wie sich Online-Unterricht und das virtuelle Klassenzimmer einfach und schnell umsetzen lassen.

Frau Dr. Henkelmann, was verstehen Sie unter Homeschooling? In Deutschland spricht die Rechtslage ja dagegen.

Wir beobachten, dass diese Begrifflichkeit inzwischen neu gedacht wird. Es geht nicht darum, dass Eltern jetzt in Zeiten von Schulschließungen im Zuge der Corona-Pandemie ihre Kinder selbst daheim unterrichten – so wie Homeschooling ja in anderen Ländern verstanden wird. Wir denken bei Homeschooling an Unterricht in digitaler Form, in virtuellen Klassenzimmern und mit Unterstützung moderner Technik. Die Lehrkraft bleibt dabei den Schülerinnen und Schülern im Lehr-Lernprozess erhalten.

Ist Homeschooling in der Form, wie Sie es beschreiben, in Deutschland aktuell möglich?

Es ist in der Regel eine gute Internetabdeckung zu Hause vorhanden, anders als in den Schulen. Es gibt Webseiten, wo Lernende und Lehrende Inhalte abfragen können – warum sollte man in besonderen Zeiten wie diesen solche Werkzeuge nicht nutzen, um die Bildungsvermittlung aufrecht zu erhalten? Es entsteht ein virtuelles Klassenzimmer, in dem Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler zeit-und ortsunabhängig unterrichten. Mit der entsprechenden Technik ist das möglich.

Aber, nur weil etwas technisch möglich ist, heißt es nicht, dass es heute schon organisatorisch flächendeckend möglich ist, Schülerinnen und Schüler im virtuellen Klassenzimmer ortsunabhängig zu unterrichten. Denn man muss sicherstellen, dass die jungen Leute erstens an selbsttätiges Lernen gewöhnt sind und die Disziplin mitbringen, virtuell zu lernen. Zweitens haben wir das große Thema Teilhabe: Man muss sicherstellen, dass der technische Zugang für alle, auch für Kinder, deren Eltern finanziell nicht so gut ausgestattet sind, funktioniert, um nur ein Beispiel zu nennen. Deutschland hat noch Nachholbedarf in Sachen digitaler Unterricht, aber die Aktualität spricht für sich.

Können Lehrkräfte trotzdem jetzt schon etwas tun, gerade auch im Hinblick auf Methoden und Umsetzung – Wie verändert sich Unterricht durch digitale Möglichkeiten?

Lehrkräfte können sich mit den neuen Möglichkeiten proaktiv beschäftigen, schauen, was für sie sinnvoll ist und wie neue Entwicklungen vielleicht sogar kreative neue Wege ermöglichen und ungeahnte pädagogische Möglichkeiten bieten. Und dafür muss man keine IT-Fachkraft sein. Zum Beispiel gibt es virtuelle Lehrerfortbildungen, die tolle Wege aufzeigen – und man bewegt sich während der Schulung gleich in der neuen Online-Welt. Wir alle sollten über die digitalen Möglichkeiten in der Bildungsvermittlung in Diskussion treten und in Verbindung bleiben – in Corona-Zeiten eben virtuell. Die technischen Möglichkeiten unterstützen Lehrkräfte ganz pragmatisch, aber ersetzen keine gute Pädagogik. Es ist eine Ergänzung – die Lehrpersönlichkeit bleibt das Zentrum, auch virtuell.

Was können Kommunen, Bildungsträger und Beschaffungsverantwortliche konkret tun, und wie sollten sie sich für die Zukunft wappnen?

Man sollte den DigitalPakt Schule schneller vorantreiben als bisher. Die jetzige Lage in ganz Europa zeigt die Dringlichkeit von Umsetzungen digitaler Bildung und sie zeigt, wie wichtig ein pädagogisches Konzept, aber vor allem auch die pädagogische Software ist.

Es ist jetzt an der Zeit, konsequent auf Interaktivität und Online im Bereich Digitalisierung der Bildung zu setzen. Und das ginge bereits mit den vorhandenen Mitteln. Viele Schulbuchverlage stellen Inhalte beispielsweise als PDF über die Cloud zur Verfügung. Das ist eine praktikable und schnelle Möglichkeit zur Digitalisierung, ein erster Schritt. Mithilfe einer guten pädagogischen Software lassen sich zum Beispiel analoge und digitale Angebote wunderbar zum Wohle der Lernenden verschränken. Ein Beispiel dafür ist die SMART Learning Suite Online, mit der ein spielerischer und interaktiver Bildungsdialog möglich ist. Gerade für das Lernen daheim in Zeiten von Schulschließungen ist das eine echte Hilfe, da man damit online Schulstoff aufbereiten, zur Verfügung stellen und kollaborativ bearbeiten kann.

Bietet SMART in dieser Richtung auch Informationen oder Beratung an?

Wir  bieten auf unserer Homepage aktuelle Infos, welche Bundesländer im Zuge des DigitalPakts Schule derzeit wie gefördert werden. Dort kann man sich auch über entsprechende pädagogische Rahmenkonzepte und die Möglichkeiten der Virtualisierung informieren. Viele Schulen müssen aber auch erst einmal in die technische Ausstattung investieren, bevor ein rein virtuelles Klassenzimmer möglich wird. Da sollten Beschaffungsverantwortliche heute schon in die Zukunft gerichtet, vernünftige Entscheidungen treffen. Also nicht nur auf die zunächst günstigste Lösung setzen, sondern Betriebs-, Wartungs- und Energiekosten für die nächsten Jahre mit bedenken. Dennoch darf die Technik nicht zum Selbstzweck werden, denn die Pädagogik und die sinnvolle Einbettung in Didaktik stehen im Vordergrund.

Ein Interview mit

Dr. Sarah Henkelmann

Als Federal Advocate bei SMART Technologies ermutigt Dr. Sarah Henkelmann verschiedene Akteure in Schule, Politik und Verwaltung, das Thema Digitale Bildung optimistisch anzugehen und sich gegenüber innovativen pädagogischen Konzepten zu öffnen. Dr. Henkelmann berät auf Anfrage Ministerien, Schulen und Hochschulen zum Einsatz interaktiver Medien und Technologien. Seit 2016 ist sie Sprecherin des Netzwerks Digitale Bildung. Als ehemalige Leiterin eines internationalen Masterstudiengangs hat sie viel Unterrichts- und Lehrerfahrung gesammelt. 

SMART Technologies

Dieser Beitrag ist ein Angebot von SMART Technologies (Germany) GmbH. Seit über 30 Jahren entwickelt SMART Technologies digitale Lernwerkzeuge für Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen. Dabei arbeitet der Erfinder der SMART Boards eng mit Bildungsexperten zusammen, um das Lernen interaktiver, spannender, und effektiver zu gestalten. Wie die Bildungstechnologie von Dozenten, Lehrkräften, Studierenden und Lernenden angenommen wird, lässt das Unternehmen regelmäßig wissenschaftlich untersuchen und stimmt die Entwicklung seiner Bildungswerkzeuge genau auf ihre Bedürfnisse ab. Fast 70 Millionen Lehrende weltweit nutzen SMARTs Lösungen für Bildung.