Deeper Learning als pädagogischer Ansatz

Fachartikel

Deeper Learning – Was steckt hinter diesem pädagogischen Ansatz? In diesem Artikel erfahren Sie mehr über das Konzept dieses Lehr- und Lernmodells. Außerdem stellen wir Ihnen ein Handbuch für Lehrkräfte vor, das Sie beim Gestalten von Deeper Learning in Ihrem Unterricht unterstützt.

Schule muss sich grundlegend verändern – diese Forderung hört und liest man heute überall. Doch wie kann solch ein Change-Prozess gelingen? Ein Ansatz kann "Deeper Learning" sein. Die pädagogische Herangehensweise stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten und hat sich dort, wie auch in anderen angelsächsischen Ländern, bereits stark verbreitet. Hierzulande ist das Lehr- und Lernmodell hingegen noch weitgehend unbekannt. Dabei zielt Deeper Learning darauf ab, Schülerinnen und Schülern nicht nur fachliches Wissen zu vermitteln, sondern sie auch bestmöglich auf die großen Herausforderungen unserer Zeit vorzubereiten. Gestärkt werden durch den Ansatz etwa die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, kreative Lösungen zu entwickeln und kritisch zu denken. Ferner etabliert Deeper Learning eine zeitgemäße Prüfungskultur: Statt durch eine Klausur sollen die Kinder und Jugendlichen ihren Lernzuwachs am Ende des Halbjahres auf andere, authentischere Art nachweisen, zum Beispiel durch ein selbst modelliertes Produkt.

Auch die Rolle der Lehrkraft wandelt sich durch Deeper Learning – sie wird von der reinen Wissensvermittlerin zur Lernbegleiterin, die ihre Schülerinnen und Schüler mit Impulsen aktiviert, den anschließenden Arbeitsprozess dann im Hintergrund mit diagnostischem Blick begleitet und unterstützend eingreift, wenn die Lernenden auf eigene Faust nicht weiterkommen. Last but not least fördert der Ansatz das transdisziplinäre Arbeiten und bezieht dabei auch außerschulische Lernorte wie etwa Bibliotheken, Maker-Spaces oder Schülerforschungszentren mit ein. Schule wird so zum Zentrum eines Bildungs-Ökosystems.

Einführung in die Deeper Learning-Pädagogik

Zentrale Merkmale des Deeper Learning

Deeper Learning ist ein international verwendeter Sammelbegriff. Entsprechend entwickelten sich weltweit kulturell leicht unterschiedliche Deeper Learning-Ausprägungen, wenngleich die folgenden Gemeinsamkeiten überwiegen:

  • Erfahrungsorientiertes, tiefgreifendes Lernen steht im Vordergrund.
  • Wichtige überfachliche Kompetenzen werden konsequent mitgedacht.
  • Die Authentizität innerhalb von Lernprozessen gewinnt an Bedeutung.
  • Schulische Lern- und Arbeitsprozesse werden durch digitale Technologien bereichert, beschleunigt und befördert.
  • Schülerinnen und Schüler sollen auf Bedarfe und Lebensumstände der digitalen Wissensgesellschaft und damit auf Besonderheiten des 21. Jahrhunderts vorbereitet werden.
  • Alle Ansätze beruhen auf aktuellen Erkenntnissen aus der Lehr-Lernforschung.

Pädagogische Leitideen des Deeper Learning

Bei Deeper Learning-Lernarrangements werden drei pädagogische Leitideen miteinander verbunden:

  • Mastery beschreibt den Weg zur Beherrschung von tiefgreifendem Fachwissen, die Entwicklung von transferfähigen, intellektuellen Fähigkeiten und ein strukturelles Verständnis der jeweiligen Wissensdisziplin.
  • Identität wird gestärkt, wenn Lernen mit der Persönlichkeit des Individuums zusammenhängt. Deeper Learning bietet Gelegenheiten zur Identitätsarbeit beim Lernen. Oft werden Lernprozesse dabei von intrinsischer Motivation angetrieben, da die Lernenden Inhalte als bedeutungsvoll und relevant für die eigene Person wahrnehmen. Das Lernen wird tiefer, wenn es zu einem wichtigen Teil des Selbst wird.
  • Kreativität meint den Wandel vom passiven Empfangen des gesammelten Wissens hin zur Fähigkeit, innerhalb dieses Feldes zu handeln, Wissen anzuwenden und damit schöpferisch umzugehen.

Die Lernenden werden also bei der Aneignung von tiefgreifendem Fachwissen (Mastery) und dem kreativen, handlungsorientierten Umgang damit in ihrer Identitätsentwicklung unterstützt. Genau in diesem Überschneidungsbereich ereignet sich die Dynamik von Deeper Learning und kann auf diese Weise Lernen subjektiv bedeutsam machen und in die Tiefe führen.

Herzstück des Deeper Learning: das Phasemodell

Deeper Learning, als individueller Lernprozess, wird im Unterricht durch ein Phasenmodell angestoßen:

  • Phase I: Die Lehrkräfte unterstützen und organisieren die Aneignung von fachlichen (Schlüssel-)Konzepten und zentralen Wissensbeständen. Die Phase mündet in ein solides Wissensfundament.
  • Phase II: Die Lernenden setzen sich ko-konstruktiv und ko-kreativ vertiefend mit dem Themenfeld auseinander. Die Lernenden arbeiten kreativ in kleinen Teams, treffen eigene Entscheidungen und lösen Lernherausforderungen.
  • Phase III: Abschließend wird die authentische Leistung (Produkt oder Performanz) einem Publikum dargeboten.

Das Handbuch "Deeper Learning gestalten"

Mit ihrem Projekt "Deeper Learning" unterstützt die Deutsche Telekom Stiftung die Verbreitung des Deeper Learning-Ansatzes an Schulen in Deutschland. In diesem Kontext ist auch das Handbuch "Deeper Learning gestalten" für Lehrkräfte entstanden, das dem Zweck dient, Deeper Learning in Deutschland bekannter zu machen.

Es soll Schulleitungen ermutigen, das Konzept an ihrer Schule einzuführen und Lehrkräften konkrete Inspiration und Hilfestellung geben, wie sie es in ihrem Unterricht zur Anwendung bringen können. Kurz und anschaulich werden Konzepte der Deeper Learning-Pädagogik sowie zahlreiche sofort nutzbare Materialien, Werkzeuge und Ideen vorgestellt.

    Übersicht über die Inhalte der Handreichung

    1. Einführung in die Deeper Learning-Pädagogik: Deeper Learning als internationales Konzept, pädagogische Basis, Grundstruktur und Qualitätskriterien
    2. Kernelemente von Deeper Learning: die Deeper Learning-Wissensarchitektur, die 4K, kooperative Professionalität, Voice and Choice, Agency, authentische Leistungen, hybride Lernumgebungen, Qualitätscheckliste
    3. Deeper Learning-Einheiten designen: Lerndesign, Designziele festlegen, Deeper Design, Design der verschiedenen Phasen des Phasenmodells

    In Kooperation mit

    Deeper Learning

    Die Materialien sind im Programm "Deeper Learning" der Deutschen Telekom Stiftung entstanden.