Erstellung von Brickfilmen in der Begabungsförderung

Veröffentlicht am 19.04.2018

Dieser Fachartikel beschreibt die einzelnen Schritte der Erstellung von Brickfilmen sowie den Mehrwert für die außerschulische Begabungsförderung. Der projektorientierte Ansatz nutzt einfache Technik sowie Bildbearbeitungssoftware, erreicht dabei aber professionelle Ergebnisse und fördert vielseitige Kompetenzen.

Lego-Teile in einem Brickfilm

Was sind Brickfilme?

Unter "Brickfilm" versteht man einen Trickfilm, der mithilfe von Lego-Figuren erstellt wird. Die Bewegungen der Figuren werden in einzelnen Szenen fotografiert, dann werden die Figuren Stück für Stück weiterbewegt und wieder fotografiert. Aus Einzelbildern, die schnell hintereinandergereiht werden (Stop-Motion-Technik), entsteht dabei eine fließende Bewegung.

Einsatz in der schulischen und außerschulischen Begabungsförderung

Das beschriebene Vorgehen basiert auf einem Kurs von drei Mal fünf Stunden in der Begabungsförderung von Kindern der zweiten bis vierten Klasse, lässt sich aber auch in höheren Klassenstufen anwenden.

Kompetenzgewinn

Sachkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • wissen, wie der Eindruck von bewegten Bildern durch die schnelle Abfolge von Standbildern entsteht.
  • können beschreiben, wie Trickfilme entstehen.
  • wissen, dass es bei der Verwendung von Fotos und Tönen/Musik urheberrechtliche Beschränkungen gibt.
  • kennen Quellen für legale und lizenzfreie Fotos und Töne/Musik.
  • werden sich der Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung von Filmen bewusst.

Medienkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • machen mit einer digitalen Kamera Fotos und importieren diese auf den PC.
  • ordnen Bildbestandteile mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms an und wenden dabei das System der Bildebenen an.
  • erstellen mithilfe einfacher Video-Bearbeitungsprogramme aus Einzelfotos Filme und versehen diese mit Texten und Tönen.

Sozialkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • entwickeln eigene Ideen zum Filminhalt.
  • arbeiten im Team zusammen und einigen sich dabei über die Verteilung der Aufgaben.
  • werden in ihrer Konzentration gefördert.

Schritte der Brickfilm-Erstellung

Beispiel eines Brickfilms analysieren

Zu Beginn bietet es sich an, gemeinsam mit den Kindern einen Brickfilm anzusehen und diesen zu analysieren. Dabei achten die Schülerinnen und Schüler darauf, wie sich Figuren und Fahrzeuge bewegen, wie der Hintergrund gestaltet ist und welche Wirkung Töne und Musik erzeugen. Im Kurs wurde als Beispiel ein Brickfilm-Musikclip zu einem Lied von Schandmaul verwendet. Man sollte die Kinder jedoch darauf hinweisen, dass solche Filme sehr aufwendig zu produzieren sind und viel Zeit und Übung erfordern. So wird die Erwartungshaltung an die eigenen Projekte nicht zu hoch gesetzt.

Entwicklung eigener Ideen für einen Brickfilm

Im nächsten Schritt entwickeln die Kinder in Zweier- oder Dreiergruppen die Idee für einen Film. Bei den Geschichten sollte darauf geachtet werden, dass sie sich auf dem Boden abspielen. Die bei den Kindern beliebten Flugszenen sind schwierig zu produzieren. Sie sind möglich, wenn die Kamera so eingestellt wird, dass die Halterung der fliegenden Objekte nicht zu sehen ist. Für die Anfangszeit bieten sich Filme von 15 bis 20 Sekunden Länge an, so haben die Kinder schnell erste Erfolgserlebnisse.

Vorbereitungen und Materialstellung

Die verwendeten Lego-Elemente hängen grundsätzlich von der Geschichte ab, die die Schülerinnen und Schüler im Film erzählen wollen. Wichtig ist, dass die Größen der einzelnen Teile zueinander passen, damit eine schlüssige Kulisse entsteht. Werden Lego-Figuren eingesetzt, sollten diese auf einer Grundplatte stehen. Diese gibt ihnen Halt, auch wenn sie auf nur einem Bein stehen. Für das Fotografieren kann jede Digitalkamera eingesetzt werden. Damit die Fotos nicht verwackeln, sollte die Kamera auf einem festen Stativ stehen. Alternativ kann sie auch auf einem Tisch oder einem Stapel Bücher gelagert werden, so dass sie stabil steht und zugleich die richtige Höhe für die Aufnahmen hat. Handy- oder Tabletkameras sind ebenso einsetzbar und sollten mithilfe eines (selbst gebauten) Ständers an der gewünschten Position fest aufgestellt werden. Der Bereich im Hintergrund der Lego-Aufbauten muss abgeschirmt werden, damit der Raum nicht zu sehen ist. Hier bieten sich zum Beispiel Pappkartons oder Holzteile an. Mithilfe von farbigem Papier oder einem gedruckten oder gemalten Hintergrundbild lässt sich ein passender Hintergrund für die Szene schaffen.

Einzelne Aufnahmen erstellen

Im nächsten Schritt werden die Aufnahmen für die Daumenkinotechnik (Stop-Motion) gefertigt. Pro Sekunde Film sind acht Aufnahmen nötig. Bei Kameras, die sehr große Bilddateien produzieren, kann die Auflösung heruntergestellt werden, sonst kommen schnell mehrere Gigabyte Bilddaten zusammen. Dateigrößen von 0,5 bis 1 MB pro Foto reichen für die Betrachtung des Films auf PC und TV meist völlig aus.

Nach jeder Aufnahme werden die Objekte ein kleines Stück weiterbewegt. Die Kinder müssen darauf achten, diese Bewegungsschritte möglichst klein zu wählen, da die Objekte im Film sonst springen. Die Fotos sollten mithilfe des Selbstauslösers mit einigen Sekunden Vorlauf geschossen werden, so werden Verwacklungen vermieden. Für die Produktion der Fotos sollte die meiste Zeit eingeplant werden. Wichtig ist eine genaue Absprache aller Teammitglieder, sodass die Schritte aller Objekte genau passen und beim Auslösen der Kamera keine Hände mehr im Bild zu sehen sind.

Einsatz von Bearbeitungssoftware

Für die Bild- beziehungsweise Film-Bearbeitung eignen sich sowohl PCs als auch Tablets mit einer einfachen (kostenlosen) Video-Bearbeitungssoftware. Die Fotos für den Film werden nun in die Video-Bearbeitungssoftware (zum Beispiel Windows Movie Maker) importiert. Die Zeit pro Bild muss dabei auf 1/8 Sekunde eingestellt werden. Vor oder nach dem Import müssen die Kinder alle Fotos daraufhin kontrollieren, dass diese nicht verwackelt oder Hände zu sehen sind. Im Anschluss kann der Film mit Titel sowie Geräuschen und Musik hinterlegt werden. In dieser Projektphase werden in der Gesamtgruppe die Urheberrechtsregeln für Material aus dem Internet besprochen und Quellen für legales, lizenzfreies Material genannt. Die fertigen Filme müssen zum Abschluss im gewünschten Format exportiert werden.

Alternative Programme zur Erstellung von Brickfilmen

Neben der Arbeit mit Kamera und Videoschnittprogramm gibt es auch kostenlose Programme, die die Webcams von Tablet und Laptop verwenden. Gute Erfahrung hat der Autor dieses Artikels mit AnimatorDV Simple+ (für Windows) gemacht. Mithilfe des Programms werden die Aufnahmen gefertigt und zum Film zusammengefügt. Dabei lässt sich die vorherige Aufnahme als Schatten einblenden, was eine bessere Orientierung beim Verändern der Objekte ermöglicht. Das Programm ist zwar in englischer Sprache, jedoch nach kurzer Einführung auch von Grundschülern problemlos nutzbar. Das Hinzufügen von Tönen, Musik und Text muss allerdings in einem zusätzlichen Videobearbeitungsprogramm erfolgen.

Fazit

Die Erstellung von Brickfilmen fördert vielseitige Kompetenzen und bringt den Kindern Erfolgserlebnisse. Dabei reicht einfache Technik und kostenlose Software für die Erstellung professioneller Filme aus.

Autor
Portrait von Birger-Daniel Grein Birger-Daniel Grein

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