Umgang mit dem Thema im Schulalltag

Schulen, insbesondere die Grundschulen, bemühen sich allgemein sehr, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.

Individuelle Unterrichtsgestaltung

Einzigartiges Lerntempo

Hoch begabte Kinder haben ein einzigartiges Lerntempo; die gestaltung des Unterrichts muss darauf Rücksicht nehmen. Hier ist ein Vergleich zu einem Kind mit geistiger Behinderung sehr wohl angebracht. Betrachtet man die gauß'sche Kurve, findet man eine gleiche, jedoch entgegengesetzte Verschiebung auf ihrer Skala; somit liegt der Unterschied in der qualitativen Darbietung und darf sich keinesfalls auf ein bloßes Anhäufen von zusätzlichen Aufgaben beschränken.

Nicht nur "Zusatzfutter"

Zusätzlich Übungsaufgaben sind für ein Schulkind mit Hochbegabung zumeist eher hinderlich. Sie nehmen ihm die Motivation und können sogar das allgemeine Arbeitsverhalten bis hin zur Verweigerung beeinflussen. Die Übungsphasen der Klasse sollten für hoch begabte Kinder zur Vertiefung oder als Erarbeitungsphasen mit neuen Unterrichtsinhalten gestaltet sein. Dies bedeutet für die Lehrkraft sicher einen erhöhten Vorbereitungsaufwand. Außerdem muss eine Lehrkraft auch diesem Kind als Ansprechpartner zur Seite stehen. Dafür können später Lösungen und Ideen des Kindes für die ganze Klasse verwendet und in den Unterricht einbezogen werden.

Fortbildung

Was können Lehrkräfte tun?

Lehrer haben die Möglichkeit, sich speziell für hoch begabte Kinder ausbilden zu lassen. Dafür ist natürlich Interesse erforderlich. Die Ausbildung ist mit einem nicht unerheblichen Zeitaufwand verbunden und nicht kostenlos. Abgeschlossen wird sie mit dem Diplom `Specialist in Gifted Education´ . Das wurde an der Universität Nijmegen in Kooperation mit dem European Council for High Abilitiy (ECHA) entwickelt und vom ICBF für Deutschland weiterentwickelt. Durch Fortbildungen (zum Beispiel durch den Erwerb des Echa Diplom) sind stetig mehr Lehrkräfte in der Lage, die auseinanderklaffenden Kenntnisse der Kinder aufzugreifen und zu begreifen. Dies gilt aber für alle Schülerinnen und Schüler.

Erfahrungen

Probleme mit dem Verhalten hoch begabter Schülerinnen und Schüler entstehen, sobald versucht wird, sie ausschließlich durch eine Binnendifferenzierung innerhalb der Klassen zu fördern. Es gibt hierzu Erfahrungen an einzelnen Schulen (zum Beispiel Grundschule an der Beuthener Straße in Hannover, Freie Schule Rostock, Christophorusschule in Braunschweig), die sich intensiv um die Förderung hoch begabter Kinder bemühen.

Welche Möglichkeiten gibt es also?

Offener Unterricht, Freiarbeit, Werkstattlernen und Projekte helfen allen Kindern ihren Möglichkeiten entsprechend den gestellten Anforderungen nachzukommen. Äußere Differenzierung bietet ebenfalls eine gezielte Form der Förderung; die Klasse erarbeitet zum Beispiel ein dem Kind bekanntes Thema, während dieses eine komplett andere Aufgabe übernimmt (eine Fremdsprache lernen, sich mit Software beschäftigen, an Projekten in der Schule teilnehmen. Die oben erwähnten Schulen haben hiermit die größten Erfolge erzielt. Natürlich tritt auch hier wieder das Problem des Arbeitsaufwandes für die Lehrkraft auf:Material muss beschafft werden, der Lehrer muss sich oft selbst in ein Thema einarbeiten. Und weil das Lerntempo dieser Kinder oft erheblich schneller, die Bearbeitung viel intensiver geschieht, sprengen die geistigen Möglichkeiten auch nicht selten die Grenzen der Lehrkraft; dieses einzugestehen und dafür bereit zu sein, ist ein oft schwieriges Unterfangen.

Autorin
Frei nutzbares Material
Die von Lehrer-Online angebotenen Materialien können frei für den Unterricht genutzt und an die eigene Zielgruppe angepasst werden.