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Ref-Start in Zeiten der Pandemie

Johannes Krahforst hat vor zwei Wochen mit seinem Referendariat begonnen. In diesem Blog-Beitrag berichtet er uns, wie der Start in das Referendariat unter besonderen Bedingungen abgelaufen ist, welche Probleme und auch welche Chancen sich in dieser Zeit ergeben können.

Der erste Schultag als angehender Lehrer: Belebte Flure, viele neue Gesichter, überall plappernde Schülerinnen und Schüler ... Und mittendrin: ich, der neue Referendar für Sport und Religion. Aufgeregt und voller Tatendrang wollte ich die Schule betreten. Am liebsten hätte ich mich direkt in das Unterrichtsgeschehen gestürzt. Den Schulalltag erfahren, mich einleben und die ersten Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen und Mitreferendaren knüpfen. Aber wenn ich etwas zurzeit nicht miterleben kann, dann ist es Alltag.

Alltag? Nein danke!

Wer hätte sich vorstellen können, dass ich nach meinen drölf Semestern Studium genau dann fertig bin, wenn eine Pandemie ausbricht? Was nach einem schlechten Scherz klingt, ist für mich nun Wirklichkeit. Aber wie genau sieht der Start in das Leben als Referendar in so einer Zeit aus?

Schon am Tag der Vereidigung steht alles im Zeichen von Corona. Schade eigentlich, dass ein solch bedeutender Tag irgendwie in den Hintergrund rückt. Der Start in einen neuen Lebensabschnitt, überschattet von umfassenden Hygienemaßnahmen und Ungewissheit. Das Zentrum für schulpraktische Lehrerbildung (ZfsL) hat wirklich alles unternommen, um in Zeiten von Corona eine hygienisch korrekte Vereidigung durchzuführen: Wir sollten in Kleingruppen zur Unterzeichnung der Dokumente erscheinen und das Wetter erlaubte eine Freiluft-Vereidigung inklusive notwendigem Mindestabstand. Das Kennenlernen untereinander musste leider wegfallen. Dennoch waren alle anwesenden Personen überaus freundlich und nahmen die Situation mit Humor.

Start ins Ungewisse

Die Herzlichkeit war auch am ersten Tag an der Schule zu spüren. Glücklicherweise wurde uns ein persönliches Kennenlernen mit der Schulleitung und unseren Ausbildungsbeauftragten ermöglicht. Wir wurden in einem großen Konferenzraum mit genügend Abstand und personalisierten Schultüten empfangen und über die aktuelle Situation an der Schule informiert. Es kam schnell ein Gefühl von "wir sitzen alle im selben Boot" auf, was tatsächlich etwas Beruhigendes an sich hatte. Ich bin anscheinend nicht allein mit meinem Gefühl der Ungewissheit! Es folgte eine Begehung der Schule, in der wir aufgrund der aktuellen Lage keine Schülerinnen und Schüler vorfanden. Generell habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt – auch, weil uns der Eindruck vermittelt wurde, wir können uns mit all unseren Problemen an unsere Ausbildungsbeauftragen wenden. Anstatt jedoch nun mit dem Hospitieren anzufangen, folgten unzählige Videokonferenzen. Ich habe es für einen Mythos gehalten, aber ich meine erkennen zu können, dass meine Augen langsam eckig werden.

Digital statt analog

Die begleitenden Seminare zum Referendariat finden zurzeit ausnahmslos online statt, genauso wie Lehrerkonferenzen, Gespräche mit Fachschaften oder den Ausbildungsbeauftragten. Auch der Unterricht bedient sich zurzeit vorzugsweiser digitaler Medien.

In katholischer Religion erhalten die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben digital und in Sport erhalten die Klassen der Sekundarstufe I Bewegungsangebote. Besonders hervorzuheben ist, dass meine Schule Live-Frühsport anbietet und dieser durchaus positiv von den Schülerinnen und Schülern angenommen wird. Da meine Fächer zurzeit wenig bis gar keine Berücksichtigung im Stundenplan erfahren, heißt es für mich, dass ich bisher aus dem Homeoffice arbeiten kann. Immerhin habe ich einen Sport-Leistungskurs auf den Außenanlagen beim Üben des Speerwurfes begleiten können!

Aktuell ist noch nicht abzusehen, ab wann der Sportunterricht wieder zur Normalität zurückkehrt. Das ist gleichzeitig auch eine meiner größten Sorgen: Wie soll ich jemals einen Unterrichtsbesuch in Sport ohne Schülerinnen und Schüler zeigen? Verschiedene Prüfungsmodi wie Unterrichtssimulationen werden derzeit diskutiert und teilweise auch erfolgreich durchgeführt. Es gibt also Alternativen, obwohl ich mir den Start des Referendariats anders vorgestellt habe. Trotzdem sehe ich viele Chancen, die sich aus der aktuellen Situation ergeben. Vielleicht ist das der Ruck, den das Bildungssystem gebraucht hat, um die Digitalisierung flächendeckend auf ein neues beziehungsweise überhaupt erst auf ein einheitliches Level zu bringen.

Chancen für die Zukunft

Ich denke, Corona wird die Bildung nachhaltig beeinflussen. Die digitalen Möglichkeiten, beispielsweise die vermehrte Einbindung von digitalen Medien und Anwendungen, können Bildung positiv verändern. Wie es langfristig weitergeht? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Aber irgendwie wird es vorwärts gehen und ich bin zuversichtlich, dass es trotz allem ein erfolgreiches Referendariat wird. Ich habe die Chance, die digitale Wende im Bildungssystem innerhalb meiner Ausbildung hautnah zu erleben und mitzugestalten. Vielleicht ist es das, was dieses Referendariat so besonders und einzigartig macht.

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