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Hackathon #wirfuerschule – ein Erfahrungsbericht

Dr. Peter Kührt ist Lehrer an einer kaufmännischen Berufsschule in Nürnberg und unterrichtet Wirtschaftslehre, Sozialkunde und EDV bei Bankkaufleuten. Er hat am #wirfürschule Hackathon teilgenommen und berichtet in diesem Blog-Beitrag von seinen Erfahrungen und Arbeitsergebnissen.

Die Schule der Zukunft entwerfen? Der hohen Politik Vorschläge zur Digitalisierung von Schule und Unterricht unterbreiten? So eine Chance hat man selten. Also auf zum "Hackathon #wirfuerschule" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dieser fand vom 08. bis 12. Juni 2020 statt.

Was ist ein Hackathon?

Von einem "Hackathon" hatte ich schon gehört, aber noch nie an einem teilgenommen. Eine solche Veranstaltung hat nichts mit Hacken beziehungsweise dem Ausspähen von Sicherheitslücken in IT-Programmen zu tun. Ziel eines Hackathons (auch Hack Day genannt) ist es, dass sich viele Leute an einem Vorhaben beteiligen, um möglichst kreative Lösungen für ein bestimmtes Problem zu entwickeln. In der Regel geschieht das auf einer Kommunikationsplattform im Internet. Im Falle des Hackathons wurde mit Slack kommuniziert und gearbeitet.

Arbeitsgruppen bilden, Ziele definieren

Das Problem in der Startphase des Hackathons besteht darin, Mitstreiterinnen und Mitstreiter für eine Idee beziehungsweise ein Vorhaben zu finden, an dem man dann gemeinsam arbeiten kann. Es ist allerdings alleine den Teilnehmerinnen und Teilnehmern überlassen, sich zu Gruppen zusammenzuschließen und gemeinsame Ziele zu formulieren. Das sorgte für ein wenig Durcheinander in den einzelnen Chat-Gruppen, in denen kommuniziert wurde.

Ich empfand diese Startphase als ziemlich nervig. Deshalb habe ich in meiner Verzweiflung einfach einen neuen Kanal angelegt und war sehr froh, durch hin und her Posten relativ schnell noch einige Gleichgesinnte zu gewinnen, die ebenfalls an einer realistischen Vision für digitalen Unterricht und der dafür erforderlichen Lehreraus-, Lehrerfort- und -weiterbildung interessiert waren.

Eine andere Gruppe, die mich anfangs eingeladen hatte, funktionierte leider überhaupt nicht und ich befürchte, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer bis zum Schluss der Veranstaltung keine passende Gruppe gefunden haben. Es gab nämlich keine Übersicht über alle Arbeitsgruppen. Diese Findungsphase sollte meines Erachtens von der Hackathon-Leitung aus besser gesteuert und transparenter gestaltet werden. In unserem Fall fanden sich dann etwa sieben Personen, die mit Posts und abendlichen Videokonferenzen versuchten, sich auf ein Ziel und ein Vorgehen zu verständigen und zu einigen. Wir einigten uns schon in der ersten Konferenz auf ein gemeinsames Konzept: Wir wollten aus einer Vorstellung eines anspruchsvollen digitalen Unterrichts nach den hierfür erforderlichen Kompetenzen für Lehrkräfte fragen und daraus dann einen entsprechenden Fortbildungsvorschlag ableiten. Der Beginn war gut, aber schon am Ende des zweiten Tages zerfaserte unsere Diskussion derart, dass die meisten von uns eigentlich keine Chance mehr sahen, in der verbleibenden Zeit von drei Tagen ein vernünftiges Arbeitsergebnis vorlegen zu können.

Wie durch ein Wunder fanden wir dann am Morgen des dritten Tages den Entwurf eines Wettbewerbsbeitrages in unserem Verzeichnis, den eine Teilnehmerin erstellt hatte, die erst nachträglich zu unserer Gruppe gestoßen war. Ab dann ging es rasch und zielstrebig vorwärts. Wir führten keine breiten Diskussionen mehr, sondern überarbeiteten und ergänzten nur noch den Entwurf. Zusätzlich mussten wir dann noch eine Internetseite mit unserem Projektvorschlag, Grafiken und ein Video erstellen. In der kurzen Zeit geht so etwas nur arbeitsteilig. Jeder brachte seine individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten ein und versuchte gleichzeitig, die Arbeiten der anderen noch zu verbessern.

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Am Ende war es das Werk von fünf Personen. Für uns waren es sicherlich fünf aufregende Tage voller Arbeit, Überlegungen und Diskussionen. Unser Endergebnis kann sich sehen lassen: Wir haben mit "Tools & Buddies" ein praxisnahes und leicht zu verwirklichendes Konzept einer Internetplattform zur Lehrkräfte-Aus- und -Fortbildung entwickelt, die deutschlandweit und für alle Schularten und Fächer einsatzfähig wäre.

Fazit

Ich habe während dieser Tage zahlreiche Impulse für meine eigene Arbeit erhalten, dutzende Internet-Tools kennengelernt, von denen ich noch nie gehört hatte, und viele Denkanstöße und Erfahrungen von Kolleginnen und Kollegen erhalten, wie ich meinen eigenen Unterricht noch verbessern und pfiffiger gestalten könnte.

Wenn man sich alle Projektvorschläge vor Augen hält, die in diesen fünf Tagen entstanden sind, muss ich trotz meiner anfänglichen Skepsis zugeben, dass diese Veranstaltung mit ihrem ungewöhnlichen Format und ihren 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern trotz aller Irrungen und Wirrungen tatsächlich etwas gebracht hat. Äußerst hilfreich war dabei, dass es sehr viele Coaches und Expertinnen und Experten gab, die – wenn nötig auf Nachfrage – Tipps und Hilfestellungen gaben.

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