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Digital unterstützter Präsenz-Unterricht als Unterrichtsform der Zukunft?

Im Video-Interview erzählt Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, wie sich Schule und Unterricht verändern müssen. Im Mittelpunkt steht dabei ein durch digitale Medien unterstützter Präsenz-Unterricht.

Video-Interview: Was Schulen und Lehrkräfte jetzt brauchen

Wie ist guter Unterricht in Corona-Zeiten und darüber hinaus möglich? Darüber wird nach Meinung von Susanne Lin-Klitzing bisher noch viel zu wenig konstruktiv gesprochen. Im Mittelpunkt der Diskussion sollte ein auf Zukunft ausgerichteter, digital unterstützter Präsenz-Unterricht stehen, der nicht das Entweder-Oder von Präsenz- und Distanz-Unterricht fokussiert, sondern die Vorteile beider Modelle vereint.

Digital unterstützter Präsenz-Unterricht in der Praxis

Voraussetzungen

Wie schaut so ein digital unterstützter Präsenz-Unterricht in der Praxis aus? Laut Susanne Lin-Klitzing sind folgende Voraussetzungen elementar: 

  • eigene digitale Endgeräte für alle Lehrenden und Lernenden
  • Dienst-E-Mail-Adressen für Lehrkräfte
  • funktionierende Lernplattformen mit integrierten Videokonferenz-Tools
  • professionelle IT-Betreuung an Schulen

Sind alle Kriterien erfüllt, kann digital unterstützter Präsenz-Unterricht Lernen und Lehren erheblich bereichern. Schülerinnen und Schüler können auf Lernplattformen beispielsweise Hausaufgaben einstellen oder ihren Mitschülerinnen- und schülern Referatsinhalte bereits im Vorfeld zur Verfügung stellen, damit diese nicht ad hoc mit Wissen konfrontiert werden, sondern sich schon vorher mit dem Referatsthema auseinandersetzen können. Dies ermöglicht klügere Dialoge in Lernprozessen.

Bildungsinhalte der Zukunft

Es bedarf laut Susanne Lin-Klitzing weiterhin guter Bildungsinhalte, die von Lehrkräften aus der Praxis erstellt werden, aber auch professionell aufbereiteter Inhalte, die Lehrerinnen und Lehrer individuell an ihren Unterricht anpassen können. Dafür wird ihrer Meinung nach eine für schulische Zwecke vereinfachte Urheberrechtssituation benötigt.

Feedback und Lernkontrolle

Frau Lin-Klitzing plädiert außerdem dafür, dass Lehrkräfte hinsichtlich des Themas Lernkontrolle entlastet werden. Nicht jede Hausaufgabe muss von der Lehrkraft selbst bewertet werden, vielmehr könnten die Schülerinnen und Schüler sich untereinander anhand klar definierter Bewertungsmaßstäbe Feedback zu auf die Lernplattform eingestellten Inhalten geben. Beispiele werden dann im Präsenz-Unterricht ausführlich besprochen.

Zeitgemäße Lehrerfortbildungen

Ein weiteres relevantes Thema ist das der effektiven Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. Susanne Lin-Klitzing empfiehlt ein Fortbildungsmodell in 3 Stufen:

  • Phase 1: fachdidaktischer, zentraler Input
  • Phase 2: Umsetzung des Inputs im eigenen Unterricht
  • Phase 3: Erfahrungen aus der zweiten Phase anderen Kolleginnen und Kollegen vorstellen

Digitalisierung als gesamtgesellschaftliches Schlüsselproblem

Digitalisierung verändert unsere gesamte Gesellschaft, das Miteinander in der Arbeitswelt, aber auch den Fachunterricht. Experimente werden im Chemie-Unterricht beispielsweise digital statt analog durchgeführt und im Deutsch-Unterricht wird mit digitalen Quellen wie Datenbanken gearbeitet. Die Schule der Zukunft muss die Veränderung dieser Lern- und Arbeitsprozesse dringend mitdenken und Fachunterricht entsprechend gestalten.

Kommentare

  1. Frau Lehrerin vor 6 Tagen
    Super spannendes Interview! Danke die ausgewogene Diskussion! :-)

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