Kulturerbe mal anders: eine digitale Diskussionsplattform zum Europäischen Kulturerbejahr 2018

Dieser Fachartikel portraitiert eine digitale Diskussionsplattform als Teil eines Vermittlungsprojektes, das Jugendliche an den Begriff des Kulturerbes heranführt. Unter dem Motto #Vollerbe wird die freie Interpretation und offene Diskussion von Kultur(-erbe) in sozialen Medien angeregt.

Das Europäische Kulturerbejahr 2018

Kulturerbejahr mit Logo "Wer das liest, ist Erbe"

Der deutsche Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr (SHARING HERITAGE) wird im Auftrag von Bund, Ländern und Kommunen durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) koordiniert. Der Grundgedanke: Unser kulturelles Erbe ist immer lokal und europäisch zugleich. Öffentliche und private Träger, Bewahrer und Vermittler kulturellen Erbes - wie Bildungseinrichtungen, Museen, Erinnerungsorte, Archive, Bibliotheken, Vereine und Förderkreise - sind aufgerufen, sich mit Projekten und Veranstaltungen zu beteiligen.

Das Kulturerbejahr ist dabei nicht nur als Maßnahme für Experten und Kulturliebhaber gedacht, sondern bietet auch Raum für kritische Fragen und eigentümliche Blickweisen auf Kultur und deren Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Ein besonderer Fokus gilt Kindern und Jugendlichen, also den "Erben unseres Erbes". Wie lassen sich junge Menschen für das kulturelle Erbe Europas begeistern? Wie lässt man sie teilhaben und mitgestalten?

Die Diskussion als Ziel

Wir alle wissen, wie schwer es sein kann, Jugendliche für (hoch)kulturelle Themen zu interessieren. Gleichgültigkeit und Ablehnung sind an der Tagesordnung. Unter dem Motto VOLLERBE wird eine Diskussionsplattform für genau jene jungen Erben geschaffen, die wenig mit diesem Thema anfangen können. Das zentrale Element dieses Vermittlungsansatzes ist die Nutzung von Social Media Tools. Hier sind die jungen Erben mit großer Selbstverständlichkeit unterwegs. Hier sollen sie mit Posts, Tweets und Instagram-Stories beschreiben und zeigen, was Kulturerbe für sie bedeutet und was nicht. Welchen Blick haben sie auf Hochkultur? Welche Alltagskultur leben sie, wie könnte beides zusammenhängen, was wird einst davon vererbt werden?

Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch, es geht vor allem um den Austausch. Der Austausch wird authentisch und setzt einen Denkanstoß in Gang, wenn sich die Jugendlichen unverfälscht in ihrer Sprache, mit ihren eigenen Ausdrucksmöglichkeiten mitteilen dürfen. Polarisierung ist gewünscht; Provokation wird Mittel zum Zweck. Denn im Mittelpunkt steht nicht primär die Vermittlung von konkretem Wissen über Epochen, Stile oder Praktiken. Hier darf vielmehr etabliertes Kulturgut und die möglicherweise empfundene Ferne zur eigenen Lebenswelt in Frage gestellt und die eigene Sichtweise auf Kultur kommuniziert werden. Europa und sein kulturelles Erbe sind nichts Fernes und Abgehobenes, sondern finden sich in vielen kleinen und großen Dingen direkt vor unserer Haustür. Vom eigenen Vornamen bis zur Tonleiter. Jeder darf mitmachen, das Prinzip der Deutungshoheit wird aufgehoben.

Das Ziel ist ein Diskurs, insbesondere zwischen den Peers. Überhaupt eine Diskussion zu dem Thema in Gang zu setzen, birgt die Chance für ein erweitertes Verständnis für das Thema Kultur(-erbe). Die Posts gehen dabei nicht ins Leere. Social Media Experten werden online auf die Beiträge reagieren.

Handys raus – Ideen zur Durchführung und Umsetzung

Europa steht im europäischen Kulturerbejahr 2018 offiziell auf dem Lehrplan für verschiedene Fächer, beispielsweise für Erdkunde und Gesellschaftslehre. Spuren des Themas finden sich allerdings in fast allen Fächern. Für die Auseinandersetzung mit dem Europäischen Kulturerbe sind animierende Pädagoginnen und Pädagogen sowie Lehrkräfteder Fächer Deutsch, Kunst, Gesellschaftslehre, Geografie und Englisch gefragt, die eine offene Diskussion im digitalen Raum anstoßen, egal, ob es sich um regulären Unterricht, eine Vertretungsstunde, ein Projekt oder eine Klassenfahrt handelt.

Da Jugendliche heute vor allem über soziale Netzwerke kommunizieren, lautet die Devise ausnahmsweise: "Handys raus statt Handys aus!". Mit einer oder mehreren Fragestellungen ausgestattet, sind die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, einen Beitrag in einem selbst gewählten Netzwerk zum Thema zu verfassen. Im besten Fall kann ihnen dafür W-LAN zur Verfügung gestellt werden, damit sie ihr privates Datenvolumen nicht anzapfen müssen.

Ob Instagram, Twitter, Facebook oder Jodl; ob Kommentar zu vorhandenen Posts oder eigener Beitrag: Wird der Hashtag #Vollerbe benutzt, ergibt sich ein Stimmungsbild über die Bedeutung von Kultur für Jugendliche in Deutschland. Die Themen möglicher Beiträge sind ebenso vielfältig wie die Form (Texte, Videos, Fotos, Bildcollagen, GIFs, Memes). Möglich sind sowohl individuelle Beiträge oder Gruppenarbeit. Um eine Diskussion in Gang zu bringen, eignen sich offene Fragen oder Handlungsaufforderungen am besten. Anregungen zur Unterrichtsgestaltung sowie Poster zum Thema können Sie im Folgenden herunterladen.

Unterrichtsmaterial "Europäisches Kulturerbejahr" zum Download

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In Kooperation mit

Dieser Fachartikel entstand in Zusammenarbeit mit der Berliner Kreativ- und Kommunikationsagentur GRACO, die im Auftrag des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz über eine digitale Initiative Jugendliche an den Begriff Kulturerbe heranführt.

Autorin

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Cristina Baier

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