Umfrage: Lehrkräfte fordern mehr Klimabildung in Schule und Unterricht

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veröffentlicht am 20.06.2022

Für Klimabildung in der Schule muss viel mehr getan werden! Diese Meinung vertritt die überwiegende Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer, die Lehrer-Online zur Bedeutung des Klimawandels für den schulischen Unterricht im Frühjahr 2022 befragt hat. Dreiviertel der Interviewten halten es für sinnvoll, die Klimabildung auch stärker als bisher in den Lehr- und Bildungsplänen zu verankern. Die Dringlichkeit zu handeln würde noch unterschätzt. An der Umfrage beteiligten sich Lehrkräfte aller Schulformen, -stufen und -fächer aus allen Bundesländern Deutschlands.

Über die Umfrage

Der Klimawandel und dessen Konsequenzen dominieren die Debatten der Moderne. Dass der Sozialisationsinstanz Schule eine zentrale Rolle bei der Vermittlung dieser Thematik an die nachfolgenden Generationen zukommt, ist der von Lehrer-Online initiierten Umfrage zu entnehmen, welche die Meinung von 558 Lehrkräften bundesweit abbildet. Mit Unterstützung der Jungen Philologen im Deutschen Philologenverband (DPhV) sahen sich Lehrerinnen und Lehrer mit der Fragestellung konfrontiert, in welchem Maße und auf welche Art und Weise sie Klimabildung bereits in ihren Unterricht einbetten beziehungsweise was es brauche, um das Thema effektiver in Unterricht und Schulalltag integrieren zu können.

Status Quo: Die Rolle von Klimabildung im Unterricht

Hinsichtlich der Frage, welchen Stellenwert Klimabildung in ihrem Unterricht einnimmt, gaben 37 Prozent an, Klimabildung auf regelmäßiger Basis in ihren Unterricht einzubinden. 27 Prozent machen Klimabildung zum Unterrichtsgegenstand, obwohl es in ihren Fächern nicht unbedingt lehrplanrelevant sei. 31 Prozent machen "hin und wieder" etwas zu dem Thema. Lediglich 5 Prozent der Befragten gaben an, dass Klimabildung in ihren Fächern keine Rolle spiele.

Demnach schreibt die überwiegende Mehrheit der befragten Lehrkräften der Thematik zumindest einen gewissen Stellenwert zu beziehungsweise sieht den Klimawandel und die mit ihm einhergehenden Konsequenzen als unterrichtsrelevant an.

Klimabildung sollte ein fester Bestandteil in der Schule sein

"Für Klimabildung in der Schule muss viel mehr getan werden" – Diese Meinung vertrat die überwiegende Mehrheit jener Lehrerinnen und Lehrer, die hinsichtlich der Bedeutung des Klimawandels für Unterricht und Schulalltag befragt wurden. Insgesamt hielten es ganze 75 Prozent der Interviewten für sinnvoll, Klimabildung "auf jeden Fall" stärker als bisher in den Lehr- und Bildungsplänen einzubetten. Hinzu kommen weitere 17 Prozent, die die Ansicht teilten, dass Klimabildung "ein wenig mehr" im Unterricht behandelt werden sollte. Ergo war nur ein geringer Prozentsatz der befragten Lehrkräfte der Meinung, dass Klimabildung keine zentralere Rolle im Bildungssystem verdiene.

Die Verankerung von Klimabildung in der Schule

In den oberen Abschnitten wurde bereits festgehalten, dass der Klimabildung in der Schule eine zentralere Rolle zukommen sollte.

Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist jedoch, wie die Umsetzung beziehungsweise Verankerung ebendieser Leitkategorie in Unterricht und Schulalltag schlussendlich aussehen soll. Insgesamt stimmten 271 der interviewten Personen für eine Behandlung von Klima-Themen bereits ab der 1. Klasse. 73 der interviewten Personen sind für eine Einführung von "Klimabildung" spätestens ab der 5. Klasse. Die meisten anderen Stimmen sind zwischen den beiden Polen zu verorten. Somit lässt sich hier eine klare Tendenz erkennen: je früher "Klimabildung" in Unterricht und Schulalltag Einzug findet, desto besser ist es.

Die Meinungen, in welchem Fach "Klimabildung" idealerweise behandelt werden soll, fallen stark unterschiedlich aus. Prinzipiell sind die befragten Lehrerinnen und Lehrer der Ansicht, dass eine Thematisierung de facto in jedem Fach möglich wäre. Die drei überwiegenden Fächer sind mit 458 Stimmen Biologie, mit 439 Stimmen Geographie und mit 392 Stimmen Politik und Wirtschaft.

Für eine Verankerung der "Klimabildung" in den Lehr- und Bildungsplänen sind insgesamt 74 Prozent der Befragten. Dieses Ergebnis verstärkt abermals die oben genannten Erkenntnisse.

Interesse der Schülerinnen und Schüler an Klima-Themen

Dass ein kontinuierliches Wachstum an Interesse an umweltpolitischen Frage- und Themenstellungen gerade der jüngeren Generation zu attestieren ist, lässt sich insbesondere anhand der bundesweit von "Fridays for Future" initiierten Demonstrationen und Kundgebungen erkennen. Immer mehr Schülerinnen und Schüler haben den Mut, ihre berechtigten Zukunftsängste kundzutun und eine nachhaltigere Umweltpolitik einzufordern. Jenes Interesse nehmen Lehrkräfte auch innerhalb ihrer Klassen wahr. Analog hierzu sagen 40 Prozent der Lehrenden, dass bei den Schülerinnen und Schülern ein "großes Interesse" an das Klima betreffenden Frage- und Themenstellungen besteht. 43 Prozent schlussfolgern zudem, dass mindestens ein "durchschnittliches Interesse" an solchen Themen vorhanden ist. Deshalb lässt sich an dieser Stelle resümieren, dass – neben Lehrerinnen und Lehrern – auch seitens der Schülerinnen und Schüler die Bereitschaft vorhanden ist, Klimabildung im Unterricht und Schulalltag zu konkretisieren. 

Die Ursachen für das sich potenzierende Interesse an Klimabildung schätzen die Befragten unterschiedlich ein. Als eine der Ursachen wird die "Fridays for Future"- Bewegung vermutet, die bereits im oberen Abschnitt Erwähnung fand. Diese wird mit 21 Prozent als ein ausschlaggebender Faktor bewertet. Als weitere Ursache wurde angeführt, dass die Heranwachsenden sich um ihre Zukunft sorgen und entsprechende Zukunftsängste formulieren. Insgesamt wurde dieser Umstand von 25 Prozent als relevant bewertet und bildet damit den zweitgrößten Faktor. Als Hauptursache jedoch fanden die sozialen Medien mit 25 Prozent Erwähnung. Da die Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit immer mehr Zeit innerhalb digitaler Räume verbringen, werden sie dort sehr häufig mit sie interessierenden Frage- und Themenstellungen konfrontiert und beziehen hierüber letztlich ihre Informationen.

Umsetzung und Anwendung von Klimabildung

Für die Umsetzung von Klimabildung in Unterricht und Schulalltag bieten sich eine Vielzahl von verschiedenen Methoden an. Unter anderem erachten die Befragten die Durchführung von Projekttagen oder -wochen, Diskussionsrunden oder Debatten, Stationenarbeit oder Lerntheken als besonders wirksam für die Behandlung von das Klima betreffenden Frage- und Themenstellungen. Dabei können diese entweder in ganze Unterrichtsreihen integriert oder als einzelne Aufgaben zu einem ausgewählten Themenbereich herangezogen werden.

Für die Vorbereitung und Informationsbeschaffung über den Klimawandel und dessen Konsequenzen nutzen die Befragten verschiedene Medien und Materialien. Dabei haben 27 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer angegeben, dass sie überwiegend auf aktuelle Nachrichten in Form von Zeitungsartikeln oder der Tagesschau zugreifen. Ebenfalls reichlich genutzt werden Erklärvideos oder Dokumentationen auf YouTube. Dies gaben 20 Prozent der Befragten an. Als weitere Quellen dienen darüber hinaus wissenschaftliche Beiträge, Schulbücher oder Unterrichtsmaterialien von Lehrer-Online. Zudem gaben 59 Prozent der Lehrkräfte an, dass sie "regelmäßig" beziehungsweise "gelegentlich" auf die Unterstützung von außerschulischen Akteuren zurückgreifen.

Themenschwerpunkte in der Klimabildung

Innerhalb der Klimabildung existieren unzählige Themenschwerpunkte. Besonders relevant haben die Befragten den individuellen ökologischen Fußabdruck hinsichtlich Mobilität und Konsum mit 25 Prozent bewertet. Gerade hier offenbaren sich vielerlei Ansätze, den Lernenden einen nachhaltigeren Umgang mit Gütern nahezulegen. Denn bisweilen gilt: Viele Schülerinnen und Schüler wissen nicht, welche Auswirkungen und Folgen sich hinter alltäglichen Handlungen verbergen. Einen weiteren wichtigen Aspekt stellen die Auswirkungen von Treibhausgas-Emissionen und deren Reduktionsmöglichkeiten dar. Diese wurden mit 19 Prozent ebenfalls als äußerst relevant eingestuft.

Für die Auswahl des Themenschwerpunkts ist zudem der jeweilige Stellenwert im Alltag der Lernenden ausschlaggebend. Dieser Faktor wurde von den Lehrkräften als besonders bedeutend eingestuft, kommt hier doch auch das didaktische Prinzip der Lebensweltorientierung zur Geltung. Den Schülerinnen und Schüler muss verdeutlicht werden, warum das Thema gerade für sie von Bedeutung ist. Ebenfalls als relevant wurde mit 19 Prozent die Aktualität der Themen bewertet. Es sollten daher Unterrichtsinhalte ausgewählt werden, die augenblicklich in den Medien und der Gesellschaft von Bedeutung sind.

Die Schule als Vorbildfunktion

Grundsätzlich sollten sich Lehrkräfte in Sachen Klimaschutz auf die ihnen inhärente Vorbildfunktion rückbesinnen – einen Faktor, dessen Relevanz die Befragten selbst erkennen. Ergänzend sollte allerdings auch die Schulleitung auf Klimaschutz bedacht sein: so beispielsweise durch Maßnahmen wie die Eindämmung des Papierverbrauchs, klimaverträglichere Ernährungskonzepte für Schulmensa und -kiosk, die Vermeidung von Plastik im Schulalltag bis hin zur Umsetzung energiesparender Maßnahmen für das Schulgebäude.

*Insgesamt haben 558 Lehrkräfte an der Umfrage teilgenommen, darunter 45 Grundschullehrkräfte, 96 Lehrkräfte an Hauptschulen und Realschulen, 97 Lehrkräfte an Gesamtschulen, 205 Lehrkräfte an Gymnasien, 148 Lehrkräfte an beruflichen Schulen und 55 Lehrkräfte an sonstigen Schulformen (Mehrfachnennungen waren möglich).

Mit den erhobenen Daten erheben wir selbstverständlich keinen Anspruch auf Repräsentativität, sondern können anhand der Umfrage-Ergebnisse lediglich einen möglichen Trend aufzeigen, der nun an einer wesentlich größeren Stichprobe und bestenfalls mit einer umfangreicheren Befragung näher untersucht werden müsste.

Umfrageergebnisse zum Download

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