Digitale Schnitzeljagd im Mathematik-Unterricht mit Actionbound

Veröffentlicht am 31.07.2017

Mathematische Aspekte in der Umwelt spielerisch entdecken: Actionbound ist eine internetbasierte Anwendung zum Erstellen von digitalen Schnitzeljagden, die man für verschiedene Themen nutzen kann.

Digitale Schnitzeljagden: unterrichtliche Einsatzfelder

Es bietet sich an, in einer digitalen Schnitzeljagd die nähere Umgebung – wie zum Beispiel den Klassenraum, das Schulgebäude oder den Pausenhof – zu erkunden. Aber auch Schnitzeljagden, die auf einem Ausflug zur (mathematischen) Erkundung eines Dorfes oder einer Stadt geeignet sind, wurden erprobt.

Besonders geeignet sind bei der Erkundung des Umfeldes die unterschiedlichen Größenbereiche: Es bietet sich an, Gegenstände, deren Höhe, Breite oder Umfang et cetera zu schätzen und auszumessen. Teilweise lassen sich Gegenstände auch wiegen oder Abläufe zeitlich erfassen. Bei einer Stadterkundung kann auch der Größenbereich Geld alltagsnah mit einbezogen werden.

Es ist genauso möglich, über Situationen in der Umwelt geometrische Aspekte – wie das Erkennen von geometrischen Körpern und Figuren am und im Schulgebäude – oder auch arithmetische Aspekte – wie die Fenster an der Schulfassade für Multiplikationsstrukturen – in den Vordergrund zu stellen. Hier sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.

Erstellung einer digitalen Schnitzeljagd im Baukastenprinzip

Hat man sich auf der Internetseite erfolgreich registriert, kann mit der Erstellung der digitalen Schnitzeljagd ("Bound") begonnen werden. Zunächst müssen allgemeine Einstellungen verwaltet werden. Bei der Erstellung geben Sie an, ob ihr Bound in einer Gruppe oder individuell und in beliebiger oder linearer Reihenfolge absolviert werden soll. Ob der Bound öffentlich zugänglich sein wird oder nur mithilfe eines Passwortes gestartet werden kann, muss ebenfalls eingestellt werden.

Digitale Schnitzeljagd im Mathematik-Unterricht mit Actionbound

Abbildung 1: Bereitgestellte Materialien zur Durchführung der Schnitzeljagd: Ideale Möglichkeit zur Verzahnung von analogen Messgeräten und digitalen Medien.

Das Erstellen eines eigenen Bounds funktioniert im Baukastenprinzip. Durch Klicken fügt man ein neues Aufgabenformat hinzu, welches dann mit Inhalten wie Fragestellung und Antwort sowie mit Bildern, Videos und Sprachnotizen gefüllt wird. Dies kann auch im Sinne einer Hilfestellung das Bearbeiten erleichtern, sodass eine Durchführung von Actionbound auch in einer leseschwachen Klasse möglich ist. Folgende Aufgabenformate werden unterschieden:

Quiz

Hier werden zu beantwortende Fragen eingegeben. Im Antwortfeld können dann beispielsweise Zahlbereiche eingestellt werden, die als richtige Antworten gelten. Dabei kann die Anzahl von Versuchen bei der Beantwortung der Frage individuell festgelegt werden. Auch die Auflösung der Frage nach Beantwortung erfolgt optional. Um den Wettkampfcharakter hervorzuheben, kann eine Zeitbegrenzung eingestellt werden. Zur Differenzierung nach Niveau können Tipps eingefügt werden.

Aufgabe

Hierbei handelt es sich eher um einen offenen Auftrag, für den es keine richtige oder falsche Antwort gibt. Vielmehr geht es darum, kreative Lösungen zu finden, die notiert, fotografiert beziehungsweise videografiert oder als Audiodatei aufgenommen und hochgeladen werden können.

Orte

Hier müssen die Schülerinnen und Schüler bestimmte Orte über Koordinaten finden. Im Sinne der „Orientierung im Raum“ ist der Einsatz dieses Formats sehr interessant. Allerdings birgt diese Funktion einige technische Tücken, da die App standardmäßig eine Abweichung von 25 Metern zum genauen Standort zulässt, um möglichen Ungenauigkeiten der GPS-Funktion entgegenzuwirken. Dieses Aufgabenformat sollte deshalb zuvor unbedingt getestet werden.

Code

Alternativ zum Aufgabenformat „Orte“ kann im Bound das Aufgabenformat „Code“ genutzt werden, in dem ein zuvor platzierter QR-Code gefunden und gescannt werden muss. Durch das Scannen gilt die Aufgabe als Bestanden und die Gruppe schaltet die nächste Aufgabe frei.

Umfrage

Dieses Aufgabenformat bietet sich im Mathematikunterricht für das Erfassen und Auswerten von Daten an. Bei der Erstellung des Bounds legen Sie für die Gruppe eine oder mehrere Fragen fest, die dann später ausgewertet werden.

Vor der Erstellung des Bounds sollten die folgenden fachdidaktischen Fragen geklärt werden, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen:

  • Was sollen die Schülerinnen und Schüler durch die Bearbeitung des Bounds lernen?
  • Eignet sich ein Bound für das Thema?
  • Welche im Bound angebotenen Aufgabenformate kommen für die jeweiligen Aufgaben infrage?
  • Sind die Aufgaben selbsterklärend?
  • Können die verschiedenen Orte, an denen die Aufgaben bearbeitet werden sollen, leicht gefunden werden?
  • Wie findet die Ergebnissicherung statt?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass sich alle Schülerinnen und Schüler innerhalb der Gruppe an der Lösung der Aufgaben beteiligen?
  • Möchte man den Wettkampfcharakter durch Vergabe von Punkten bei richtiger Beantwortung beibehalten oder deaktivieren?

Technische und organisatorische Hinweise

Actionbound benötigt beim Start und beim Beenden des eigenen Bounds eine Verbindung zum Internet. Während der Durchführung der digitalen Schnitzeljagd wird kein W-LAN benötigt. Eine Möglichkeit ist die Bereitstellung eines Hotspots vom eigenem Handy.

Bei der Arbeit im Freien ist wichtig zu wissen, ob die Schülerinnen und Schüler alle ohne Konflikte in kleinen Gruppen auch ohne den direkten Kontakt mit der Lehrkraft arbeiten können und ob dies für die anderen Klassen störungsfrei bleiben wird. Zudem ist die Aufsichtspflicht während der Unterrichtseinheit zu erfüllen. Ein gewissenhafter Umgang mit den Tablets ist Voraussetzung für die Durchführung der digitalen Schnitzeljagd und sollte vorher eingeübt werden.

Kosten

Actionbound ist für den privaten Gebrauch kostenlos zu nutzen. Für den Einsatz im Bildungs- und Wirtschaftssektor kann man spezifische Lizenzen für ein bis drei Jahre erwerben. Die Kosten für eine Jahreslizenz für eine Lehrkraft belaufen sich auf 45 Euro, und eine Schullizenz (für bis zu fünf Lehrkräfte) für ein Jahr kostet 90 Euro. Für all diejenigen, die neugierig geworden sind, empfehlen wir einen Testzugang, mit welchem man 14 Tage lang die Funktionen von Actionbound testen und praktisch auszuprobieren kann.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass digitale Schnitzeljagden mit der App Actionbound zur mathematischen Erkundung der Umwelt beitragen können. Hierbei hat die Arbeit mit dieser App einen spielerischen Charakter. Es ist hervorzuheben, dass der Einsatz von Tablets im Unterricht zu einer hohen Motivation und Aktivierung der Schülerinnen und Schüler führt. Gleiches gilt auch für den mit der Unterrichtseinheit verbundenen Wettkampfcharakter. Auch die Tatsache, dass gemeinsam an Lösungen gearbeitet werden muss, ist positiv und ein Beitrag zur Entwicklung von Sozialkompetenz.

Ferner liefert die App ein unmittelbares Feedback nach der Bearbeitung einer Aufgabe. Die Eingabe kann dann zunächst innerhalb der Gruppe reflektiert und diskutiert werden. Dies ermöglicht selbstständiges Arbeiten innerhalb der Gruppen. Die Lehrkraft hat dann beratende Funktion, falls die Gruppen Hilfestellung benötigen.

Wenn die Aufgaben so gestellt sind, dass zu Beginn einer Station Schätzungen abgegeben werden müssen, gestattet Actionbound auch die Diagnose etwa von Größenvorstellungen im Bereich Längen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Apps und Programme kreativ für die Schule zu nutzen, auch wenn diese ursprünglich nicht für den Unterricht entwickelt wurden. Den Schülerinnen und Schülern kann am Beispiel von digitalen Schnitzeljagden im Mathematik-Unterricht die sinnvolle Verwendung von Smartphone und Tablet für unterrichtliche Zwecke nähergebracht werden.

Vor der ersten Durchführung einer eigenen digitalen Schnitzeljagd wird eine Auseinandersetzung mit der Technik und ein Probedurchgang vor Ort empfohlen, um mögliche Fehler im Bound und mögliche Stolpersteine in der kommenden Durchführung zu entdecken. Allerdings lohnt sich die Mühe insofern, dass Bounds in allen Fächern und vielen denkbaren Projekten zum Einsatz kommen können und mit der Übung dann auch das Erstellen leichter von der Hand geht. Die geübte Erstellung einer digitalen Schnitzeljagd dauert in etwa so lang wie ein gut vorbereiteter Unterricht mit herkömmlichen Materialien.

Literatur

Schreiber, Christof & Schulz, Kristina (2017). "Actionbound - virtuelle Schnitzeljagd". In: Mathematik differenziert. Heft 1, 34-38.


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Avatar Autorenteam "Digitale Schnitzeljagd"

Maximilian Schaffer ist als studentischer Mitarbeiter am Institut für Didaktik der Mathematik an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Projekten und Lehrveranstaltungen zum Einsatz digitaler Medien im Mathematikunterricht der Primarstufe sowie in der Lehrerbildung tätig.

Christof Schreiber ist Professor für Didaktik der Mathematik in der Primarstufe an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er war Ausbildungsleiter am Studienseminar in Hanau und Grundschullehrer mit den Fächern Mathematik, katholische Religion und Sachunterricht.

Kristina Schulz hat an der Justus-Liebig-Universität Gießen als studentische Mitarbeiterin am Institut für Didaktik der Mathematik in Medienprojekten mitgearbeitet. Mittlerweile ist sie als Grundschullehrerin im Schuldienst tätig und hat Lehraufträge in der Lehrerbildung.

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