Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen will mit dem Unterrichtsset "Jugendliche Flüchtlinge in Afrika - die Zukunft aufbauen" Schülerinnen und Schülern die Lebenswirklichkeit Gleichaltriger in Afrika vermitteln. Es enthält ein Lehrerheft, Kurzfilme, Info-Blätter, Fotos und Karten. Die Materialien sind für den Unterricht der Klassen 7 bis 11 konzipiert, können aber durchaus in der Sekundarstufe II eingesetzt werden. Thematische Einsatzmöglichkeiten bieten sich in den Fächern Politik/Sozialkunde, Religion oder Geografie.
Bilder und Vorurteile hinterfragenBilder von Flüchtlingsströmen oder trostlosen Flüchtlingslagern, in denen sich Menschen vor die Kameras drängen, sind aus den Medien bekannt. Die Schlagzeilen zu diesen Bildern aber sagen nichts über das individuelle Schicksal der Menschen aus. Sie erscheinen als ohnmächtige Opfer, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Andere, die bis Europa flüchten konnten, werden dagegen als "Wirtschaftsflüchtlinge" diffamiert. Die von Politik und einigen Medien entwickelten Szenarien haben dabei eher etwas mit dem Schutz Europas vor Flüchtlingen zu tun als mit dem Schutz der geflohenen Menschen. Diesen Vorbehalten und vorurteilsbehafteten Bildern etwas entgegenzusetzen ist das Ziel des Unterrichtssets.
Flüchtlingen ein Gesicht gebenDas Materialpaket setzt auf genaue Information zu Fluchtursachen, zur politischen Situation und zu den Rechten von Flüchtlingen. Und es gibt jugendlichen Flüchtlingen ein Gesicht. Ihre Trauer - aber auch ihre Anstrengungen, ein neues Leben zu beginnen, stehen im Mittelpunkt. Die konkreten Beispiele stammen aus Afrika, weil die Mehrzahl der jugendlichen Flüchtlinge auf diesem Kontinent lebt. Die angesprochenen problemorientierten Fragen sind jedoch weltweit gültig.
Der Grundlagenteil des Materialpakets informiert allgemein über humanitäre Krisen und jugendliche Flüchtlinge in Afrika. In sieben unabhängig voneinander einsetzbaren Unterrichtsmodulen werden verschiedene Aspekte des Themas jeweils am Schicksal eines Jungen oder Mädchens verdeutlicht.
Ergänzungsmaterial für verschiedene FächerDie Materialmappe muss vor ihrem Einsatz im Unterricht selbstverständlich gesichtet werden. Die Module sind nicht aufeinander bezogen, sondern können individuell ausgewählt und dann an den Stand der Klasse oder Lerngruppe adaptiert und ergänzt werden. Die Sachinformationen sind gut aufbereitet und daher eine wichtige Ergänzung zu Themen des Geographie- oder Politikunterrichtes.
Anpassen an Schulstufe und UnterrichtsformenDie vorgeschlagenen "Lernaktivitäten" orientieren sich vorwiegend an einem fragend-entwickelnden Unterrichtsstil, selten sind kreative Methoden angedacht. Die "Informationsblätter" des Heftes (als Kopiervorlagen für die Klassen konzipiert), sind vom Sprachniveau anspruchsvoll und sicher noch nicht in der Klasse 7 einzusetzen. Die verschiedenen Kurzfilme sind dagegen auch für jüngere Schülerinnen und Schüler geeignet, ihre Vereinfachungen hilfreich und zulässig. Die porträtierten Jugendlichen dienen als Identifikationsfiguren und ermöglichen Gleichaltrigen in Deutschland so einen guten Zugang zu den Problemen von Flüchtlingen.
Ausbau durch Recherche zu aktuellen KonfliktenAls Weiterführung eines der Unterrichtsmodule bietet es sich an, nach der Situation von jugendlichen Flüchtlingen bei uns in Deutschland zu fragen oder sich über Projekte mit Flüchtlingen in Afrika zu informieren. Dabei können ausgewählte Internetressourcen helfen (siehe Zusatzinformationen).
Aktuell, hintergründig, differenziertSchulbücher können aktuelle Informationen zu Konflikten und Krisenregionen nicht bieten. Das Materialpaket des UN-Flüchtlingskommissariats ist daher eine sinnvolle und hilfreiche Ergänzung im Unterricht. Als Publikationsform hätte sich alternativ zu den Printmaterialien sicherlich auch eine CD-ROM angeboten. Lehrkräften wäre es dann möglich, die Arbeitsblätter für ihre Klasse zu bearbeiten und schnell an ihre Lerngruppe anzupassen. Da Materialien zum Globalen Lernen jedoch selten die Situation Jugendlicher differenziert beleuchten und die Materialien des UNHCR nicht in die europäische Helferperspektive verfallen, sondern ein differenziertes Afrika-Bild vermitteln wollen, wird dieses Materialpaket im Themenschwerpunkt Afrika von Lehrer-Online vorgestellt.
Regina Riepe ist Diplom-Psychologin und arbeitet freiberuflich in der Lehrer-Fortbildung und Eine-Welt-Bildungsarbeit. Sie ist auch als Autorin von Bildungsmaterialien zu Alltag, Kultur und Religion in Afrika tätig.
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