Computer haben für Mädchen und Jungen eine ganz andere Bedeutung: Sie nähern sich den digitalen Medien auf verschiedene Weise an, was zu unterschiedlichen Lernerfolgen führt. Liegt das vielleicht daran, dass Jungen und Mädchen im Unterricht mit dem Computer unterschiedlich gefordert werden? Im Rahmen des Hamburger kubim-Projekts "Schwimmen lernen im Netz" wurden auf der Grundlage der Erfahrungen aus vier Unterrichtsmodulen genderorientierte Prinzipien des Lernens mit neuen Medien für die Grundschule entwickelt. Die Ergebnisse werden in diesem Beitrag vorgestellt.
Geschlechtsspezifische ComputererfahrungenHeute verfügt bereits ein großer Teil der Mädchen und Jungen im Vor- und Grundschulalter über Computererfahrung. So hatten in ausgewählten Hamburger Grundschulklassen Ende 2001 87 Prozent der Mädchen und 98 Prozent der Jungen Computererfahrungen. Computer haben jedoch für die Mädchen und Jungen unterschiedliche Bedeutung und sie nähern sich den neuen Medien nicht auf die gleiche Weise an.
Weshalb unterschiedliche Lernerfolge?Derartige Unterschiede haben sich in vielen Untersuchungen immer wieder herauskristallisiert. Sie führen zu verschiedenen Lernerfolgen bei Jungen und Mädchen. Um die Ursachen zu erkennen, sind eine genauere Reflexion des eigenen Unterrichts und des "doing gender" nach dem Prinzip der reflexiven Koedukation erforderlich.
Individuelle Förderung durch Reflexion des UnterrichtsUnter "doing gender" wird das Konstruieren von Geschlechterstereotypen in der alltägliche Kommunikation und in alltäglichen Zusammenhängen verstanden. Durch eine reflexive Koedukation kann solchen Stereotypen entgegengesteuert werden. Sie soll Unterrichtspraxis daraufhin untersuchen, ob sie bestehende Geschlechterverhältnisse eher stabilisiert oder eine kritische Auseinandersetzung und deren Veränderung fördert. Reflexive Koedukation ist somit ein grundlegendes Prinzip für die gesamte pädagogische Gestaltung in Schule und Unterricht. Zielvorstellung ist die umfassende individuelle Förderung von Jungen und Mädchen ohne Geschlechterstereotypen zu zementieren.
Erfahrungen aus UnterrichtsversuchenIm Rahmen des Hamburger kubim-Modellversuchs "Schwimmen lernen im Netz" wurden auf der Grundlage der Erfahrungen aus vier Unterrichtsmodulen genderorientierte Prinzipien des Lernens mit neuen Medien entwickelt, die hier zusammengefasst dargestellt werden. In mehreren Klassen einer Grundschule, in der vom ersten Schultag an die neuen Medien genutzt werden, wurden sie erprobt und evaluiert.
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Conni Kastel ist Lehrerin an der Hamburger Grundschule Rellinger Straße und arbeitet als Fortbildnerin sowie als Lehrbeauftragte für den Einsatz neuer Medien im Grundschulbereich an der Universität Hamburg. Bettina Jansen-Schulz ist Diplom-Pädagogin, gründete TransferConsult und arbeitet als Projektmanagerin, Unternehmens- und Wissenschaftsberaterin.
Binnendifferenzierung, Gender, Chancengleichheit