Britta Wehen
09.08.2012

Flucht und Inhaftierung in der DDR

Was veranlasst Menschen dazu, ihre Heimat, ihre Freunde und ihr bisheriges Leben für eine ungewisse Zukunft aufzugeben? Warum wurden Bürgerinnen und Bürger der DDR am Verlassen ihres Landes gehindert und sogar Kriminellen gleichgestellt?
 

"Jeder Mensch hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen sowie in sein Land zurückzukehren" (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, § 13,2).

Obwohl die DDR mit der KSZE-Schlussakte (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) von Helsinki im Jahr 1975 jedem Menschen das oben genannte Recht einräumte, wurde die offiziell als "ungesetzlicher Grenzübertritt" (§ 213 des Strafgesetzbuches der DDR) bezeichnete Flucht als Straftatbestand gewertet und seit 1968 in der DDR mit einer Freiheitsstrafe belegt, die im "schweren Fall" bis zu fünf Jahre betrug. Bürgerinnen und Bürger der DDR, die ihr Land verlassen wollten, trafen damit nicht nur eine schwerwiegende persönliche Entscheidung, sondern riskierten zudem eine langjährige Haftstrafe. Die Unterrichtseinheit hinterfragt die Gründe von Flucht und Inhaftierung in der ehemaligen DDR und lädt zu einer Vertiefung in der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam ein.

Kompetenzen

Fachkompetenzen
Die Schülerinnen und Schüler

  • kennen Gründe für die Flucht aus der DDR und können einen Zusammenhang zu den politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Rahmenbedingungen in der DDR herstellen.
  • können die Risiken und Gefahren einer Flucht einschätzen.
  • können einzelne Fluchtbeispiele, die Motive zur Flucht sowie den Verlauf der Flucht skizzieren und in die Entwicklung der Fluchtbewegung aus der DDR einordnen.
  • können den Rückzug ins Private als Form der "Flucht nach innen" erläutern und auf tatsächliche Realisierungsmöglichkeiten überprüfen.
  • erläutern die Möglichkeit eines Antrags auf Ausreise aus der DDR als ‚legale Flucht', beurteilen die Entscheidungen über Ausreiseanträge als willkürlich und erkennen dies als Abschreckungsversuch durch das MfS.
  • erkennen und bewerten, dass Republikflüchtlinge aus politischen Gründen inhaftiert und kriminalisiert wurden.

Medienkompetenzen
Die Schülerinnen und Schüler

  • erkennen, dass es sich bei Zeitzeugenberichten um perspektivische Quellen handelt.
  • können den Aussagewert von Zeitzeugenberichten bestimmen.
  • können aus Zeitzeugenberichten Informationen entnehmen.
  • können im Internet Informationen recherchieren.
  • lernen, die Einzel- und Teamarbeit selbstständig zu organisieren.
  • präsentieren Rechercheergebnisse anspruchsvoll und angemessen.

Kurzinformation zum Unterrichtsmaterial

ThemaFlucht und Inhaftierung in der DDR
AutorBritta Wehen
FächerGeschichte (Kooperationsmöglichkeiten mit Politik)
ZielgruppeJahrgangsstufe 9 bis 12
Zeitraum1 bis 5 Unterrichtsstunden, zusätzliche Möglichkeit der Exkursion nach Potsdam
technische Voraussetzungenjeweils ein Computer mit Internetzugang für zwei Lernende; Zugang zu lo-net²
erforderliche Vorkenntnisseallgemeiner Umgang mit dem Computer; vorgegebene Internetseiten online und offline aufrufen und darin navigieren
PlanungTabellarischer Verlaufsplan

Didaktisch-methodische Hinweise

Hohe Flüchtlingszahlen bis zum Mauerbau
Bis zum Bau der Berliner Mauer 1961 war eine Flucht nach West-Berlin relativ gefahrlos und führte zu enormen Flüchtlingszahlen, die durch einen Ausbau der Grenzsicherungsanlagen eingedämmt werden sollten. Doch auch in den folgenden Jahren gab es mehrere Tausend Fluchtversuche pro Jahr, die das Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) ab den 1970er Jahren unterbinden sollte. In der Folge wurden Personen, die eine Flucht planten, vorbereiteten oder von solchen Aktivitäten wussten, in Untersuchungsgefängnissen inhaftiert, verhört und zu Freiheitsstrafen verurteilt. Da die Staatssicherheit hierbei eine entscheidende Rolle spielte, werden auch Aufbau, Organisation und Aufgaben des MfS betrachtet.

Motive erarbeiten
Welche Motive für ein Verlassen beziehungsweise ein Verbleiben in der DDR sprachen, sollen darüber hinaus ebenso erarbeitet werden wie die "legale Flucht" mittels eines Ausreiseantrages. Der Aspekt der Inhaftierung wird durch die Möglichkeit des Freikaufs erweitert, der verdeutlicht, dass die DDR einerseits Personen einsperrte, sie andererseits aber gegen Bezahlung frei ließ.

  • Didaktisch-methodische Hinweise
    In der Unterrichtseinheit geht es um exemplarische Einzelschicksale, aus denen die Motive für die Flucht aus der DDR herausgearbeitet werden sollen.

Downloads

flucht-ddr_arbeitsmaterialien.zip
flucht-ddr_plattformmaterialien.zip
 

Zusatzinformationen

Informationen zur Autorin

Britta Wehen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Didaktik der Geschichte im Institut für Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Weitere Informationen finden Sie auf ihrer Homepage.

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