Dana Schieck
02.08.2005

Das "Leben in der DDR" auf DVD

Die Auseinandersetzung mit dem Leben in der DDR ermöglicht Jugendlichen den Vergleich des totalitären Systems mit den heute oft als selbstverständlich empfundenen demokratischen Werten und Freiheiten der Bundesrepublik.
 

Für Jugendliche ist die DDR Geschichte. Doch der sozialistische deutsche Staat prägte über 40 Jahre lang das Leben von 16 Millionen Menschen. Nach der Wiedervereinigung vollzog sich in Ostdeutschland mit der Anpassung an das bundesdeutsche System ein radikaler gesellschaftlicher Wandel. Aufgrund verschiedener Lebenserfahrungen wirken jedoch unterschiedliche Denkmuster, Verhaltensweisen und Vorurteile bis in die Gegenwart nach - in Ost und West. Die Auseinandersetzung mit der DDR kann eine Brücke zwischen Generationen und Regionen bauen und ermöglicht den Vergleich des Lebens in einem totalitären und einem demokratischen System.

Inhalt und Aufbau

Zeitgenössische Filme und Zeitzeugengespräche
Die DVD stellt die Arbeitswelt, den allgemeinen Lebensstandard und die Jugendkultur der DDR vor und veranschaulicht die Versuch der Bürgerinnen und Bürger, sich trotz Kontrolle durch die Staatssicherheit persönliche Freiheiten zu bewahren. Diese Lebenssituation wird durch Beispiele wie die Wehrerziehung oder den Wohnungsbau anschaulich dargestellt. Neben einer allgemeinen Einführung in die jeweiligen Themen stehen zeitgenössische Filme und Zeitzeugengespräche zur Verfügung. Die etwa ein- bis vierminütigen Beiträge bieten kompakte Informationen und können im Hauptmenü in beliebiger Reihenfolge ausgewählt und daher bei Bedarf wiederholt abgespielt werden. Da sich die DVD an junge Erwachsene richtet, wird auf die Thematik "Jugend in der DDR" durch die Unterrubiken "Erziehung zum Sozialismus" und "Wehrerziehung in der Schule" ausführlicher eingegangen. Bei der Auswahl der DDR-Filme wurde besonderes Gewicht auf die 1970er und 1980er Jahre gelegt, um den Schülerinnen und Schülern durch die zeitliche Nähe einen leichteren Zugang zu den Inhalten zu ermöglichen.

Eingeschränkte Auswahl von Zeitzeugen
Die Filme sind vorwiegend Ausschnitte aus DDR-Unterrichtsmedien für das Fach "Staatsbürgerkunde", zum Beispiel "'Die Grenze' - eine Fernsehfibel für 10- bis 14-Jährige" von Karl-Eduard von Schnitzler, dem Moderator der berüchtigten Sendung "Der schwarze Kanal". Bei den Interviews handelt es sich dagegen um Gespräche, die zwischen 1994 und 2004 aufgezeichnet wurden. Um von individuellen Wahrnehmungen auf kollektive Alltagserinnerungen schließen zu können, wäre es von Vorteil gewesen, Menschen verschiedener sozialer Schichten zu Wort kommen zu lassen. Die Befragten - von Beruf unter anderem Schriftsteller oder Lehrkräfte - sind jedoch ausnahmslos der Intellektuellenschicht zuzurechnen, die ein differenziert-kritisches Bild der DDR zeichnen. Systemkonforme Äußerungen wie die der Pionierleiterin sind eher die Ausnahme, obwohl sie uns im Zuge der Ostalgiewelle nach wie vor oft in den Medien begegnen.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Didaktische Kommentare zur Unterrichtsvorbereitung
Die DVD ist für die Verwendung an allgemeinbildenden Schulen (Klasse 8 bis 13) und im Rahmen der Erwachsenenbildung vorgesehen. Um den Lehrkräften die Einbindung der Materialien in den Unterricht zu erleichtern, erklären die "didaktisch-methodischen Hinweise" den Aufbau der DVD, gehen auf die verwendeten audiovisuellen Materialien ein und geben Anregungen für ihre Verwendung. So wird empfohlen, zunächst das Vorwissen und mögliche Meinungen der Schülerinnen und Schüler zum Leben in der DDR zusammenzutragen und die Zeitzeugen-Gespräche zu hören. Anschließend können Leitfragen formuliert werden. Zur Klärung dabei aufkommender Verständnisprobleme bietet es sich an, weitere audiovisuelle Materialien und Texte heranzuziehen.

Notwendige Sensibilisierung beim Umgang mit den Quellen
Anhand der Textdateien, die kompakte Hintergrundinformationen und Arbeitsblätter enthalten, können sich die Jugendlichen den Inhalt der DVD weitgehend eigenständig erarbeiten. Beim Umgang mit den zeitgenössischen Materialien wird darauf aufmerksam gemacht, dass diese einen "stark propagandahaften Zug" aufweisen, "dem die Schüler nicht verfallen dürfen". Hieraus leitet sich die Verantwortung der Lehrkraft ab, die Auswertung der Quellenmaterialien in Diskussionen zu lenken.

KURZINFORMATION

TitelLeben in der DDR
MediumDVD (Laufzeit: 54 Minuten, Sprache: Deutsch)
29 Filmsequenzen, 12 interaktive Menüs, 21 Bilder, 10 Arbeitsblätter, Quellentexte
HerausgeberFWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, www.fwu.de
Erscheinungsdatum2004
ZielgruppeKlasse 8 bis 13
PreisEinzellizenz: 50 €
Schullizenz: 125 €
ISBNFWU-Bestellnummer: 4602301
VertriebTelefon (089) 6497-444, Telefax (089) 6497-240
E-Mail: vertrieb@fwu.de
Technische VoraussetzungenDVD-Laufwerk und DVD-Player-Software,
empfohlen ab Windows 98
AuszeichnungDie DVD wurde 2005 mit einer Comenius-Medaille prämiert.

FAZIT

Vielseitige Einblicke und Auseinandersetzungsmöglichkeiten
Aufgrund ihrer allgemeinen Bedienungsfreundlichkeit und ihres umfangreichen Materials ist die DVD für den Einsatz im Unterricht sehr empfehlenswert. Sie vermittelt einen breit gefächerten Einblick in das Leben in der DDR. Neben allgemeinen Einführungen in einzelne Themenkomplexe stehen zahlreiche Kurzfilme zur Verfügung. Diese umfassen sowohl zeitgenössisches Propagandamaterial als auch Interviews der Nachwendezeit. Diverse Texte mit Hintergrundinformationen, Arbeitsblättern und Tipps für die Verwendung im Unterricht ermöglichen eine vielseitige Auseinandersetzung mit der DDR, die teilweise von den Jugendlichen eigenständig geleistet werden kann. Die von der Lehrkraft geleitete Auswertung der propagandistischen Filmbeiträge ist jedoch unerlässlich.

Zusatzinformationen

INFORMATIONEN ZUR AUTORIN

Dana Schieck studiert an der TU Berlin Neue Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft.

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