DVD "Damals in der DDR"

Ergänzend zur erfolgreichen Fernsehserie hat die Bundeszentrale für Politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem MDR eine multimediale DVD-ROM "Damals in der DDR" herausgebracht.
 

Nach der viel gelobten und Grimme-Preis-prämierten vierteiligen ARD-Fernsehserie "Damals in der DDR" aus dem Jahr 2004, dem Buch und Hörbuch zur Serie sowie einer Wanderausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig hat die Bundeszentrale für Politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Rundfunk eine multimediale DVD-ROM nachgelegt. Diese DVD zeichnet ein umfassendes Bild des Alltagslebens in der DDR mittels Zeitzeugeninterviews und zahlreichen hervorragenden Original-Filmaufnahmen.

Inhalt

Navigation
Die DVD-ROM bietet drei Möglichkeiten des Zugriffs auf die umfangreichen Materialien.

  • Erstens sind die Beiträge chronologisch nach Jahrzehnten geordnet.
  • Zweitens findet sich eine thematische Zusammenstellung in 12 originell konzipierten Kapiteln - zum Beispiel "Alltag und Lebensgefühl", "Ideologie und Erziehung" oder "Staat und Sicherheit".
  • Schließlich gibt es eine systematische Übersicht über alle auf der DVD-ROM verfügbaren Materialien. Diese bestehen aus Zeitzeugeninterviews und Original-Filmaufnahmen, zahlreichen Fotos und Abbildungen sowie schriftlichen Quellen.

Darstellung
Umrahmt werden die Materialien durch einen chronologisch konzipierten Darstellungstext; ein Glossar erläutert die für die DDR-Geschichte wesentlichen Begriffe. Die in der tristen DDR-Farbe beige-braun gehaltene Benutzeroberfläche und die grafische Gestaltung der DVD-ROM ist äußerst aufwändig und gut gelungen. Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Zeitzeugeninterviews zusätzlich in schriftlicher Form vorliegen.

Alltagserfahrung ohne ostalgische Verklärung
Die DVD-ROM möchte einerseits den Alltagserfahrungen der Menschen in der DDR nachspüren. Mit Blick auf den Einsatz der DVD-ROM im Unterricht ist dies besonders wichtig um Schülerinnen und Schüler, denen die Teilung Deutschlands nur als ferne Geschichtsepoche bekannt ist, an das Thema heranzuführen und sie zu motivieren. Andererseits ist die thematische Schwerpunktsetzung keineswegs ostalgisch verklärend, wie dies in einigen Fernsehbeiträgen und Publikationen zur DDR-Geschichte gelegentlich der Fall war. Unter den Materialien finden sich neben solchen Interviews und Original-Filmaufnahmen, die das "normale Leben" widerspiegeln, in ausgewogener Zahl auch solche, die eindringlich von Unterdrückung, Bespitzelung und Verfolgung berichten. Um das Funktionieren einer Diktatur zu verstehen sind diese beiden Blickwinkel notwendig.

Sehr interessante Filmaufnahmen
Unter den Original-Filmaufnahmen finden sich teils auch bewusst skurrile Filmaufnahmen, beispielsweise eine Satire auf den Trabi, Amateur-Aufnahmen von Punk-Konzerten in der DDR und verschiedene Wochenschau-Aufnahmen, die aus heutiger Sicht mehr den Charakter einer Realsatire haben. Die Interviews hingegen erreichen einen hohen Grad an Authentizität, indem viele ganz konkrete Alltagsbegebenheiten erzählt werden, die das ganz normale Leben schreibt und die verblüffende Einblicke auf die Geschichte des Arbeiter- und Bauernstaats geben.

Vor- und Nachteile des Hypertext
Der zeitgeschichtlich interessierte Nutzer findet äußerst interessante Informationen und Zugänge auf der DVD-ROM, wenngleich die zahlreichen Links und die Anordnung der Materialien und Filme auf den verschiedenen Zugriffsebenen schnell dazu verleiten, sich ungezielt durch das Angebot hindurchzuklicken - und sich zu verirren! Schnell stellen sich Fragen: Wo bin ich jetzt eigentlich? Wie komme ich zurück. Und vor allem: Wo wollte ich überhaupt hin? Dieses Problem vieler Hypertext-strukturierter multimedialer Bildungsangebote kann dem individuellen Nutzer im günstigen Fall als selbstständiger und freier Zugriff auf die DDR-Geschichte willkommen sein. Für den Einsatz in der Schule stellt dieser bekannte "Lost in Cyberspace"-Effekt aber ein Problem dar.

Einsatz im Unterricht

Nur spärliches didaktisches Material
Dem hohen Aufwand für die inhaltliche Konzeption und der Präsentation der hervorragend aufbereiteten Interviews und Original-Filmaufnahmen steht eine nur schwache didaktische Aufbereitung des Materials gegenüber. Zwar findet sich im Materialteil eine Rubrik "Didaktisches Material" mit einer Einführung und vier Themen-Rubriken, unter denen sich dann jeweils einige Arbeitsaufträge finden. Diese Arbeitsaufträge aber beschränken sich im Wesentlichen auf reproduktives Abfragen zu den angegebenen Quellen. Die Entwicklung eines Problems und angeleitete Methoden, Fragen und Antworten zu entwickeln, fehlen. Wie viele Mitarbeiter waren beschäftigt und wie viele Wochen und Monate muss es gedauert haben die Materialien zusammenzutragen und in dieser Weise aufzubereiten? Der didaktische Teil hingegen erweckt den Eindruck, als ob hier auf die Schnelle, in wenigen Stunden einige Fragen aneinandergereiht wurden.

Lehrkräfte sind selbst gefordert
Hier ist ein deutlicher Kritikpunkt anzubringen. Die Lehrerin oder der Lehrer, der durchaus gerne die Schüler im Internet oder mit multimedialen Bildungsangeboten am PC arbeiten lässt, sieht nur wenige Möglichkeiten, die DVD-ROM "Damals in der DDR" gezielt im Unterricht einzusetzen, sondern viele Schülerinnen und Schüler, die fragen: Was sollen wir eigentlich machen!? Und welche Lehrerin und welcher Lehrer wollte ein eigenes didaktisches Konzept zur Erschließung des umfangreichen Materials erarbeiten, dass nicht nur in die Breite, sondern auch die Tiefe geht? Wünschenswert wären dezidierte, aufeinander aufbauende Arbeitsaufträge, die man beispielsweise über ein PDF-Format ausdrucken kann und den Schülerinnen und Schülern an die Hand gibt, damit sie zugleich eine sinnvolle Ergebnissicherung vorliegen haben, die für die selbstständige Erarbeitung von Unterrichtsinhalten am PC dringend erforderlich ist. Solche Arbeitsaufträge könnten beispielsweise als ein in sich schlüssiges Stationenlernen konzipiert werden, das neben historischen Detailfragen nie den Gesamtzusammenhang aus dem Blick verliert.

Kurzinformation

TitelDamals in der DDR - Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte
HerausgeberBundeszentrale für politische Bildung
Preis/Bereitstellungspauschale6,00 EUR
Bestellnummer der  BpB1894
Technische VoraussetzungenWindows 2000/NT/XP oder Mac OS X
DVD-ROM-Laufwerk (mind. 4x)
optimale Bildschirmauflösung 1024x768

Fazit

Die DVD-ROM "Damals in der DDR" bietet ganz hervorragende Materialien und einen kritischen wie ausgewogenen Blick auf verschiedene Alltagserfahrungen der Menschen in der DDR von ihren Anfängen bis zu den eindrucksvollen Bildern der friedlichen Revolution im Herbst 1989. Für den Einsatz im Unterricht sind die didaktischen Materialien und Arbeitsaufträge allerdings nur sehr knapp und fordern die Lehrerin oder den Lehrer zum Erstellen eigener Arbeitsaufträge heraus.

Informationen zum Autor

Dr. Christoph Pallaske arbeitet als Studienrat am Kölner Gymnasium Thusneldastraße.

Verwandte Themen
 
Unsere Empfehlungen für Sie
 
 
Impressum | Datenschutz | Über uns | RSS-Feeds | Seite bookmarken:  del.icio.us Yahoo! My Web google Bookmarks Digg Mister Wong OneView MerklisteEmpfehlenDruckenSeitenanfang
Nicht redaktionelle Inhalte nach § 6 TMG von anderen Anbietern als Lehrer-Online werden durch den Namen des Anbieters gekennzeichnet.