Marco Fileccia
09.04.2000

Politische Bildung im Netz

Zugegeben, in Zeiten von E-Commerce, Shareholder Value und Realtime Trading klingen die Begriffe "Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung" oder auch nur "Erziehung zur Demokratie" etwas antiquiert. Und es stimmt auch nachdenklich, dass erste staatliche Tendenzen zur Regulierung des Internets wie in China, aber auch in Frankreich zu erkennen sind.
 

Dabei ist es müßig darüber zu spekulieren, ob das Internet erstmals in der Menschheitsgeschichte die Chance zu wahrer Demokratie bietet, da niemand von Informationen ausgeschlossen werden kann oder ob der mögliche Missbrauch Einschränkungen notwendig macht. Eines scheint sicher: Politische Bildung im und über das Internet ist notwendig und sinnvoll. Hier entfaltet das Internet eine seiner besonderen unterrichtlichen Qualitäten: Die Schülerinnen und Schüler können leicht Vergleiche anstellen (man denke an den Vergleich politischer Parteien), aktuelle Daten erhalten und sich per E-Mail, Diskussionsforum oder Online-Abstimmung einmischen.

Viele Anbieter sind im Netz

Dabei haben die Non-Profit-Organisationen die Chance zur Darstellung im Internet ebenso genutzt wie die kommerziellen Anbieter oder Interessenverbände. Dies bedingt für den schulischen Einsatz eine besondere Sorgfalt bei der Auswahl der Inhalte und einer umfassenden Medienkompetenz, die auch eine kritische Analyse der Inhalte, vor allem mit Blick auf die interessengeleitete Darstellung, ermöglicht.

Vorbild: BzpB

Einige staatliche Organisationen, allen voran die Bundeszentrale für politische Bildung (BzpB), bemühen sich um eine qualitative Wertung der Internet-Auftritte von staatlichen, föderalen und supranationalen Gremien und Organen, politischen Parteien und Gebietskörperschaften, Tarifpartnern, weltanschaulichen Vereinigungen und natürlich auch Institutionen wie sich selbst, den staatlichen Institutionen der politischen Bildung.

 

Die Sache mit Äpfel und Birnen

Dabei gibt es wie immer die Sache mit den Äpfel und den Birnen und deren Vergleich. Als Wegweiser für eine Analyse der Inhalte könnten sich folgende Kriterien anbieten, die sicherlich nicht nur für die Beurteilung der Websites mit Blick auf die politische Bildung gelten:

Beurteilungskriterien

Für eine Analyse bieten sich folgende Kriterien an:

  • Inhalt
    Welche Inhalte werden angeboten, welche Dokumente sind verfügbar (evtl. als Download?  Werden weitere Verweise auf Publikationen gemacht? Sind die Inhalte objektiv oder interessengeleitet? Wenn sie bestimmten Interessen dienen, kann die Schülerin oder der Schüler dies erkennen?
  • Gestaltung
    Dabei sind grundlegende Layout-Fragen angesprochen, wie das äußere Erscheinungsbild, die Übersichtlichkeit und das Verhältnis von Text und Grafiken etc. Hierbei gibt es keine allgemeingültige Aussage über Gut und Schlecht, aber reine Text-Dokumente wirken als Online-Medium auf Schülerinnen und Schüler sicherlich abschreckend, Bildchen über Bildchen als Polit-Show lässt die Inhalte verschwinden.
  • Benutzerführung
    Ein wichtiges Kriterium für alle Hypertext-Dokumente; Wie komme ich zur Homepage zurück? Ermöglicht mir die Benutzerführung ein freies Navigieren, wie viele Klicks benötige ich bis zum Ziel?
  • Interaktivität
    Sind im Angebot E-Mailing-Listen, Newsletter, Diskussionsforen etc. vorgesehen. Kann ich mich online für Veranstaltungen anmelden, Informationsmaterialien anfordern, mich per Email an den Autoren oder Webmaster wenden? Im weiteren für die Schule wichtig: Wird mir auch geantwortet? (Man denke an das Beispiel des Bundeskanzleramtes, das tagtäglich viele Tausend E-Mails erhält).
  • Authentizität
    Ist klar ersichtlich, wer die Website gestaltet hat, wer verantwortlich ist? Gibt es ein Impressum, in dem die Verantwortlichen namentlich genannt werden (mit Telefonnummer, postalischer Adresse)?
  • Aktualität
    Gerade in der politischen Bildung ist die Aktualität ein wichtiges Kriterium. Dabei muss natürlich zuallererst ersichtlich sein, von wann die Informationen stammen, im zweiten Schritt steht die Frage, ob sie regelmäßig aktualisiert werden.
  • Nutzen
    Für den Unterricht ist im Sinne eines zeitökonomischen Einsatzes der Internet-Inhalt auch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip wichtig: Sind die Informationen auf dieser Website es wert, dass Schülerinnen und Schüler sie für 10 oder 15 Minuten oder länger bearbeiten? Sind die wichtigen Informationen schnell zugänglich (Stichwort Textwüste)?

Buch mit 300 kommentierten Adressen

Eine Auflistung unter Anwendung ähnlicher Kriterien bieten die Autoren Toyka-Seid und Brüning in dem kostenlosen "Internet-Wegweiser für die politische Bildung" (BzpB). Dort sind 300 Internet-Adressen zur politischen Bildung kommentiert.

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