Britta Wehen
07.05.2012

Die Entwicklung der innerdeutschen Grenze

Über vierzig Jahre lang existierten zwei deutsche Staaten in Europa - dass es überhaupt zu ihrer Gründung kam und die Trennung so lange andauerte, kann nur vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen erklärt werden.
 

Der Kalte Krieg trennte die Welt vierzig Jahre lang in zwei Blöcke. Die Grenzen dieses globalen Konflikts, der vom politischen wie ideologischen Gegensatz zwischen den USA und der Sowjetunion (SU) dominiert wurde, verliefen mitten durch Deutschland und mitten durch die Stadt Berlin. Die deutsch-deutsche Frage war somit untrennbar mit den außenpolitischen Ambitionen der beiden Großmächte verknüpft: Deutsch-deutsche Angelegenheiten waren nie auf den nationalen Rahmen begrenzt, sie konnten die internationale Politik stark beeinflussen. Umgekehrt hatten Entscheidungen auf dem internationalen Parkett Auswirkungen auf das deutsch-deutsche Verhältnis. Wie diese Wechselwirkungen zwischen dem West- und dem Ostblock mehr als vier Jahrzehnte lang ausgesehen haben, soll von den Schülerinnen und Schülern in dieser Unterrichtseinheit erarbeitet werden.

 

Kompetenzen

Fachkompetenzen
Die Schülerinnen und Schüler

  • erarbeiten die Schritte zur deutschen Teilung, diskutieren die Zwangsläufigkeit der Entwicklung und erörtern mögliche Handlungsalternativen.
  • erläutern Momente der Konfrontation und Entspannung zwischen den USA und der Sowjetunion (SU).
  • beurteilen die Rolle der beiden deutschen Staaten, indem sie der Frage nachgehen, ob BRD und DDR lediglich einen passiven oder einen aktiven Part in der Entwicklung einnahmen.
  • identifizieren Phasen der Annäherung und Abgrenzung in der deutsch-deutschen Entwicklung und erklären die Hintergründe, indem sie Bezüge zur internationalen Entwicklung herstellen.
  • beurteilen die Folgen der Entspannungspolitik für die Wiedervereinigung Deutschlands.
  • erarbeiten unterschiedliche Phasen der Grenzsicherung und erläutern diese vor dem Hintergrund der internationalen und nationalen Entwicklung.
  • erläutern anhand eines Fallbeispiels die Hauptaufgabe der DDR-Sperranlagen und hinterfragen ihre Bezeichnung als "antifaschistischen Schutzwall".
  • erarbeiten die Auswirkungen von Zwangsumsiedlungen grenznaher Siedlungen und differenzieren diese in verschiedene Kategorien.
  • reflektieren mögliche Wahrnehmungen und Emotionen ost- und westdeutscher Bürger in Bezug auf die innerdeutsche Grenze.
  • diskutieren angemessene Formen der Erinnerung an die innerdeutsche Grenze.
  • erarbeiten die grundlegenden Bestimmungen für den Reise- und Transitverkehr.
  • beurteilen die deutsch-deutschen Verträge im Hinblick auf aus ihnen resultierende Verbesserungen für den Reise- und Transitverkehr.
  • erläutern die Funktion von ehemaligen Grenzübergangsstellen anhand eines Fallbeispiels.
  • gestalten einen themengebundenen Rundgang durch eine Gedenkstätte zur deutschen Teilung.

Medienkompetenzen
Die Schülerinnen und Schüler

  • erstellen einen Zeitstrahl und ordnen die Ereignisse entsprechend einer Temperaturkurve an.
  • nutzen eine Posterausstellung zur Präsentation und Diskussion ihrer Ergebnisse.
  • gestalten eine eigene Webseite informativ und übersichtlich.
  • führen eine Internetrecherche durch, beurteilen die Qualität von Webseiten und wählen geeignete Webseiten zur Informationsentnahme aus.
  • gestalten ein Wiki, indem sie eigene Texte schreiben sowie Verbesserungen für fremde Textpassagen entwickeln, fehlerhafte Informationen verbessern und fehlende Informationen ergänzen.

Kurzinformation zum Unterrichtsmaterial

ThemaDie Entwicklung der innerdeutschen Grenze
AutorBritta Wehen
FächerGeschichte, Politik
ZielgruppenJahrgangsstufen 11 und 12
Zeitraum1 bis 6 Unterrichtsstunden
Technische VoraussetzungJe ein Computer mit Internetzugang für zwei Lernende
Erforderliche VorkenntnisseAllgemeiner Umgang mit dem Computer; vorgegebene Internetseiten online und offline aufrufen und darin navigieren; Einpflegen von Inhalten in ein Wiki auf lo-net²; Funktion Forum von lo-net²
PlanungTabellarischer Verlaufsplan

Inhaltliche Aspekte

Der Weg zur doppelten Staatsgründung
Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zerbrach die sogenannte Anti-Hitler-Koalition bestehend aus Frankreich, Großbritannien, den USA und der Sowjetunion. Gegenseitiges Misstrauen und Unverständnis für die jeweilige Deutschlandpolitik sowie die Unfähigkeit, das Potsdamer Abkommen einheitlich umzusetzen, führten zu einem Auseinanderbrechen der vier Mächte. Am 12. März 1947 verkündete der US-Präsident Harry Truman die Politik der Eindämmung ("containment") gegenüber der Sowjetunion (SU). Diese Politik wirkte sich auf Deutschland unmittelbar aus, da durch den sogenannten Marshallplan, ein Programm zur Förderung der europäischen Wirtschaft, die Ausbreitung des Kommunismus in Mitteleuropa verhindert werden sollte. Hierfür war schließlich eine Währungsreform in den Westsektoren nötig, die die Berlin-Blockade seitens der SU auslöste.

  • Inhaltlicher Überblick
    In der Unterrichtseinheit werden die komplexen Entwicklungen nach 1945 auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene erarbeitet und aufeinander bezogen.

Didaktisch-methodischer Kommentar

Die Blockkonfrontation...
Wer verstehen will, warum Deutschland über vierzig Jahre lang geteilt war und zwei deutsche Staaten parallel existierten, muss sich unweigerlich mit der Blockkonfrontation zwischen Ost und West, Kommunismus und Demokratie, Planwirtschaft und freier Marktwirtschaft beschäftigen. Deutschland, das von den Alliierten besetzt war, geriet zunehmend unter den politischen und ideologischen Einfluss der jeweiligen Besatzungsmächte, teils als passiver Beobachter, teils aber auch als aktiv Handelnder. Die politischen und ideologischen Einflüsse führten schließlich zur deutschen Teilung.

... und ihre Folgen für die Deutschen in Ost und West
Bei der Teilung und Entstehung zweier deutschen Staaten blieb es jedoch nicht. Die Blockkonfrontation bewirkte eine immer größere Kluft auch zwischen der BRD und DDR und führte schließlich zu einer hermetischen Abriegelung der innerdeutschen Grenze. Familien wurden auseinandergerissen und teilweise ganze Dörfer in der DDR umgesiedelt, um deren Bewohner nicht unter "feindlichen Einfluss" geraten zu lassen. Das Ringen um eine schrittweise Annäherung und friedliche Überwindung der Teilung zählt zum heutigen kulturellen Grundverständnis und zur Identität Deutschlands und sollte daher mit Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden.

  • Didaktisch-methodische Hinweise
    Die Unterrichtseinheit macht deutlich, dass die deutsch-deutschen und die internationalen Entwicklungen im Kalten Krieg eng miteinander verwoben waren.

Download

innerdeutsche-grenze_arbeitsmaterialien.zip
innerdeutsche-grenze_plattformmaterialien.zip
 

Zusatzinformationen

Informationen zur Autorin

Britta Wehen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Didaktik der Geschichte im Institut für Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Weitere Informationen finden Sie auf ihrer Homepage.

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