Die Software basiert auf der von Jürgen Reichen entwickelten Methode, mit der Kinder auf selbstständige Art und Weise das Lesen durch das Schreiben mit Hilfe der Anlauttabelle lernen können. Sobald die Kinder das Prinzip des Verschriftens per Anlauttabelle kennen, können sie autark mit dem Programm arbeiten. Anhand von Piktogrammen lernen sie Schreiben und Lesen.
Das Programm zeigt Bilder von Tieren, Pflanzen oder anderen Alltagsgegenständen. Die Kinder sollen den Namen des Bildes per Tastatur schreiben. Fehlschreibungen werden erst gar nicht übernommen, die Schülerinnen und Schüler werden per Tonsignal darauf hingewiesen und können nun noch einmal über die korrekte Schreibung nachdenken. Dabei können die Kinder entscheiden, ob sie lautgerecht oder bereits rechtschriftlich schreiben wollen.
Das Bildgut ist in acht Kapitel mit jeweils acht Übungen eingeteilt. Der Schwierigkeitsgrad steigt von Übung zu Übung, indem die Anzahl der Wörter zunimmt. Ebenso steigen die Schreibanforderungen dadurch, dass zu Beginn kurze, lautgetreue Wörter angeboten werden und später auch längere, schwierige Wörter. Damit die Kinder bereits zwischendurch Erfolgserlebnisse haben, werden wiederholt leichte Wörter eingestreut. Den wichtigen Überblick über ihre Fortschritte erhalten die Kinder durch die Lernerfolgskontrollen.
Die Software kann in der Freiarbeit oder in speziellen Rechtschreibstunden eingesetzt werden. Denkbar ist auch ein fester Platz im Wochenplan. Der Autor der Software empfiehlt, dass im Verlaufe einer Woche jedes Kind eine Computerstunde bekommt und sich dazu ein oder zwei andere Kinder einlädt, die sich gegenseitig bei der Arbeit mit dem Programm unterstützen. Auf diese Art und Weise kann jedes Kind zwei bis dreimal in der Woche mit dem Programm arbeiten. Die Erklärung des Programms sollte durch einen Spezialisten, einen "Chef", durchgeführt werden. Nach Möglichkeit sollte dies nicht die Lehrkraft sondern ein Schüler oder eine Schülerin sein.
Der Nachteil beim Aussuchen von Lernsoftware ist häufig, dass man sie nicht vorher ausprobieren kann. Bei "Lesen durch Schreiben" haben Sie die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von dem Produkt zu machen. Auf der Homepage des Heinevetter-Verlags finden Sie eine Demoversion zum Ausprobieren. Einziges Manko: die Datei ist recht groß (16,5 MB), das Herunterladen dauert also lange und ist ohne DSL-Zugang eigentlich nicht empfehlenswert.
Das Programm hat ansprechende Grafiken, verzichtet aber auf aufwändige und ablenkende Animationen. Es geht hier tatsächlich um das Ziel, das Lesen und Schreiben nach der Reichen-Methode zu lernen. Die Sache allein wird die Kinder ausreichend motivieren. Ein weiterer Vorteil der "Schlichtheit" des Programms ist, dass es auch auf älteren Rechnern läuft, die man ja noch häufiger in Schulen vorfindet. Wenige aber ausreichende Funktionen erlauben den Einsatz des Programms bereits zu Beginn der ersten Klasse, ohne dass dauernde Rückfragen an die Lehrkraft zu erwarten sind. Ein besonderes Bonbon ist die türkische Version, die auf jeder CD-ROM bereits enthalten ist und auf die leicht umgestellt werden. kann. Damit werden Differenzierungsmöglichkeiten beim Unterrichten von Kindern mit Migrationshintergrund eröffnet.
Sven Ludwig ist Lehrer an einer Grundschule in Pulheim-Stommeln.
Rechtschreibförderung, Leseförderung