Peter Keusch
27.02.2004

Experimente auf Video

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Live-Demonstrations- oder gar Schülerexperiment ist durch nichts zu ersetzen. Unter bestimmten Bedingungen ist es jedoch sinnvoll, im Chemieunterricht zur "Videokonserve" zu greifen.
 

1961 beendete der Psychologe Jerome Bruner eine Diskussion über innovative Lehrmaterialien der späten 50er Jahre mit der Feststellung: "Die intelligente Nutzung audiovisueller Hilfsmittel hängt von unserer Fähigkeit ab, die Technik des Filmemachers oder des Programmproduzenten mit der Arbeitsweise und der Klugheit des erfahrenen Lehrers zu verflechten". Dies gilt auch heute noch. Manch wichtiges Experiment fällt im Unterricht unter den Tisch. So lernen die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel die Vorgänge, die sich bei der Elektrolyse von geschmolzenem Bleibromid abspielen. Aber wie vielen von ihnen ist es vergönnt, das Reaktionsgeschehen auch tatsächlich zu erleben? Hier können die neuen Medien im Sinne Bruners dazu beitragen, Lücken zu schließen.

Wann ist der Einsatz von Videos sinnvoll?

Die folgenden Punkte zeigen, wann Experimente aus der "Videokonserve", auf die man über das Internet einen leichten Zugriff hat, den Unterricht bereichern können.

  • Das eigentliche Experiment ist zu gefährlich (Reaktionen des Fluors), nicht gerade umweltfreundlich (Umsetzung von Brom mit Metallen), zu teuer (Auflösen von Gold in Königswasser) oder zu zeitraubend (chromatografische Trennung von cis- and trans-Azobenzol).
  • Live erlebte Experimente können per Video rekapituliert werden.
  • Das Realexperiment erfordert eine anspruchsvolle Apparatur (zum Beispiel beim Stanley Miller Experiment zur abiotischen Synthese von Aminosäuren), die an der Schule nicht zur Verfügung steht.
  • Das Video zeigt Details, die den Schülerinnen und Schülern fern vom Demonstrationstisch verborgen bleiben.
  • Effekte können in Zeitlupe oder Zeitraffer dargestellt werden.
  • Sind die Videoaufnahmen von Experimenten mit Modellen, Formeln oder Gleichungen überblendet, so kann die "Konserve" mit dem Realexperiment durchaus konkurrieren.

Video-Experimente der Universität Regensburg

Vorteile des Streamingformats
Die mit einer Digitalkamera aufgenommenen Movies werden in Streamingdateien umgewandelt. Streamingvideos sind Sequenzen von Bewegtbildern, die in komprimierter Form über das Internet verbreitet werden können. Das Streamingformat bietet eine Reihe von Vorteilen: Es ist platzsparend, lange Ladezeiten entfallen, Inhalte können schon während des Ladens in Echtzeit betrachtet werden. Das heißt, der Webuser ist nicht gezwungen, eine umfangreiche Datei herunterzuladen. Stattdessen wird das Video kontinuierlich gesendet und abgespielt, sobald es ankommt. Zur Betrachtung ist lediglich der kostenlose RealPlayer erforderlich.

Theoretischer Hintergrund
Zu jedem Videoexperiment der Uni Regensburg werden Zusatzinformationen angeboten. Diese enthalten neben der Angabe der erforderlichen Materialien (Chemikalien und Glaswaren) auch Sicherheitshinweise, eine Beschreibung sowie eine Deutung der Versuchsergebnisse mit Gleichungen und Formeln.

Internetadresse

Zusatzinformationen

Software

Weitere Videoquellen im Internet

Informationen zum Autor

Peter Keusch studierte Chemie, Biologie und Geographie für das Lehramt an Gymnasien in Bayern an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Danach unterrichtete er am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium in Burglengenfeld. Seit 1979 ist er Akademischer Direktor der Fachdidaktik Chemie an der Universität Regensburg.

  • Mehr Infos im Autorenverzeichnis
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