Redaktion Recht
08.07.2005

Urheberrechte an Werken von Schülerinnen und Schülern

Auch an schulischen Arbeiten haben die "Werkschöpfer" ein Urheberrecht

ÜberblickÜberblick

Arbeiten von Schülerinnen und Schülern - wie Texte, Bilder, Zeichnungen oder Ausstellungsstücke - sind urheberrechtlich geschützte Werke, wenn sie eine persönliche geistige Schöpfung darstellen. Liegen solche Werke vor, hat dies zur Folge, dass in der Regel alleine den Schülerinnen und Schülern die Rechte an den Arbeiten zustehen. Dies bedeutet: Sie bestimmen, ob und wie ihre Arbeiten veröffentlicht oder auf sonstige Art und Weise verwertet werden.

Möchte eine Schule von ihren Schülerinnen und Schülern geschaffene Werke zum Beispiel auf der Schulhomepage veröffentlichen, muss eine Nutzungsrechtevereinbarung getroffen werden. Die Nutzungsrechtevereinbarung ist dabei nicht an eine bestimmte Form gebunden und kann auch mündlich oder stillschweigend erfolgen (zum Beispiel: Lehrkraft weist die Schülerinnen und Schüler auf die geplante Veröffentlichung im Internet hin und niemand widerspricht). Allerdings handelt es sich bei einer solchen Nutzungsrechtevereinbarung um ein Rechtsgeschäft, weshalb bei Minderjährigen zwingend die Zustimmung der Erziehungsberechtigten (in der Regel der Eltern) einzuholen ist. Eine solche Zustimmung sollte aus Gründen der Rechtssicherheit schriftlich erfolgen. So kann auch exakt festgelegt werden, welche Arten von Nutzungsrechten eingeräumt werden und welchen Umfang sie haben.

Beispiele

Computergrafik-Fall
Die Fachoberschule F lässt im Rahmen des Unterrichts die Schülerinnen und Schüler Inhalte für die Schulhomepage erstellen. Die 18-jährige Schülerin Ann-Katrin entwirft in diesem Rahmen neue Computergrafiken. Nachdem ihre Grafiken auf der Schulhomepage eingesetzt werden, untersagt sie der Schule die weitere Nutzung. Muss die Schule F die Grafiken entfernen?

Kurzantwort
Da es sich bei den neu entworfenen Computergrafiken nach wohl herrschender Ansicht um urheberrechtlich geschützte Werke handelt und Ann-Katrin die Urheberin ist, benötigt die Fachoberschule ein Nutzungsrecht für den Einsatz der Grafiken auf der Schulhomepage. Da Ann-Katrin bei Anfertigung der Grafiken um deren geplanten Verwendungszweck weiß, ist allerdings von einer wirksamen stillschweigenden Nutzungsrechtevereinbarung zwischen ihr und der Schule auszugehen. Die Nutzung der Grafiken kann also nicht durch Ann-Katrin untersagt werden. Aus Rechtssicherheitsgründen empfiehlt sich gleichwohl eine schriftliche Nutzungsrechtevereinbarung, die den erlaubten Nutzungsumfang, die Nutzungsdauer et cetera exakt festlegt.

 
 

Namensnennung-Fall
Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums G erstellen im Deutschkurs gemeinsam eine Novelle. Jeder Schüler ist dabei für ein Kapitel zuständig. Klassenlehrer K veröffentlicht die Novelle nach Fertigstellung auf der Schulehomepage, ohne aber bei den einzelnen Kapiteln den Autor beziehungsweise die Autorin zu nennen. Die Schülerinnen und Schüler waren dabei nach Rückfrage durch K mit einer Veröffentlichung der Novelle auf der Schulehomepage einverstanden; über das Thema "Namensnennung" wurde allerdings nicht gesprochen. Kurze Zeit nach Veröffentlichung der Novelle verlangt der 18-jährige Schüler Boris, dass seinem Kapitel innerhalb der Novelle sein Name vorangestellt wird. Andernfalls untersage er die weitere Veröffentlichung seines Kapitels auf der Schulehomepage. Zu Recht?

Kurzantwort
Da es sich bei dem von Boris verfassten Kapitel um ein urheberrechtlich geschütztes Werk handelt, hat Boris ein Anrecht darauf, dass seine Urheberschaft anerkannt wird. Er kann vor allem bestimmen, dass und wie sein Werk mit seinem Namen zu versehen ist. Boris muss sich deshalb insbesondere auch nicht auf eine Namensnennung an einer anderen Stelle "vertrösten" lassen. Ist eine Namensnennung generell oder in einer bestimmten Form von Seiten der Schule nicht erwünscht, muss zwingend eine entsprechende vertragliche Vereinbarung mit dem Urheber getroffen werden, was am besten schriftlich passiert.

 
 

Minderjährigen-Fall
Mehrere Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c der Hauptschule H fertigen Referate zu ihrem jeweiligen Lieblingsbuch an. Die 13- und 14-jährigen Schülerinnen und Schüler sind damit einverstanden, dass ihre Klassenlehrerin K die Referate auf der Schulhomepage und in gedruckter Form veröffentlicht. Muss K zusätzlich die Zustimmung der Eltern der Schülerinnen und Schüler für die geplanten Veröffentlichungen einholen?

Kurzantwort
Bei den Referaten handelt es sich um urheberrechtlich geschützte Werke, sodass sich K für die Veröffentlichung der Referate auf der Schulhomepage entsprechende Nutzungsrechte einräumen lassen muss. Eine Nutzungsrechtevereinbarung kann darin gesehen werden, dass die Schülerinnen und Schüler mit der Veröffentlichung einverstanden sind. Allerdings ist eine solche Nutzungsrechtevereinbarung wegen der Minderjährigkeit der Schülerinnen und Schüler schwebend unwirksam, das heißt erst wenn die Erziehungsberechtigten die Veröffentlichung der Referate auf der Schulhomepage (nachträglich) genehmigen, sind die benötigten Nutzungsrechte tatsächlich erworben. Die Genehmigung der Erziehungsberechtigten selbst ist nicht an eine bestimmte Form gebunden und kann auch gegenüber den Minderjährigen erfolgen. Aus Gründen der Rechtssicherheit empfiehlt sich jedoch eine schriftliche Genehmigung.

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