Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch schnell heraus, dass bei aller Betonung der aktuellen Mobilfunkdienste medienkritische Töne nicht zu kurz kommen und die dargestellten Informationen offen für eine distanzierte Betrachtungsweise sind. Dem Bemühen um Objektivität trägt auch ein Lehrerfragebogen Rechnung, der jedem der drei derzeit erhältlichen Themenhefte (in gleicher Aufmachung erschienen "Mensch und Mobilfunk" und "Mensch, Medien, Umwelt") beigelegt ist.
Medienpräsentation statt -kritikDas Editorial führt knapp in das Thema ein: "Durch die Nutzung von Mobilfunk verändern sich Sprache, Schrift und Gesprächsverhalten: ein spannender Prozess, ein kontroverses Thema, gerade für den Unterricht. Wie und mit welchen Mitteln kommunizieren wir?" Kritisch anzumerken ist, dass das Heft zwar verschiedene Techniken moderner Kommunikation behandelt, aber zu wenig zur Reflexion über technische und wirtschaftliche Bedingungen, Veränderungen des Kommunikationsverhaltens und daraus resultierende gesellschaftliche Folgen anregt. Insofern könnte man sagen, dass die Möglichkeiten des Mobilfunks aufgezeigt werden, aber die eigentliche Medienerziehung zu kurz kommt.
Unterrichtliche Ergänzungen nötigDie bewusste Mediennutzung, die über den bloßen Spaßfaktor von SMS und Chat hinausgeht, bleibt ebenso ausgespart wie Fragen der Wirtschaftlichkeit (Bereitstellungskosten, Gebühren, Gefahr der Abzocke durch dubiose Anbieter teurer Services) und der Umweltverträglichkeit (Elektrosmog durch Mobilfunkantennen, Handystrahlung). Diese Themen werden möglicherweise in einem der beiden anderen Themenhefte behandelt. In altersangemessener Weise sollte der Unterricht auf die genannten Fragestellungen jedoch eingehen.
Nutzwertiges ÜbungsmaterialFerner enthält das Heft acht ansprechend gestaltete Arbeitsblätter (Kopiervorlagen) mit motivierenden und altersangemessenen Aufgaben. Zum Beispiel sollen in einem Telefongespräch Lücken gefüllt werden, eine Geheimschrift gilt es zu entschlüsseln, ein Bilderrätsel stellt den Zusammenhang zwischen Text und Bild her, es geht um Abkürzungen und Emoticons im Chat, Übersetzungen zwischen Alltagssprache und SMS-Jargon und weitere, abwechslungsreiche und sinnvolle Übungen.Glossar, Tipps und LiteraturDer Anhang enthält Informationen zur Nettiquette, ein Abkürzungsverzeichnis für Emoticons, Akronyme und Inflektive, ferner aktuelle Buch- und Internet-Tipps.
Zwei konkrete Vorschläge für den Einsatz des Materials im Unterricht wollen zum Nachahmen anregen.
Flexible EinsatzmöglichkeitenDas Themenheft Text digital ist für den Einsatz im Deutschunterricht geeignet. Da es kein fertig ausgearbeitetes Unterrichtsmodell enthält, bleibt es offen für Ergänzungen und Schwerpunktsetzungen durch die Lehrkraft.Moderne ThemenEs enthält viele Ideen im Bereich moderner Kommunikationstechniken und arbeitet mit Situationen, die vielen Schülerinnen und Schülern aus ihrem alltäglichen Kommunikationsverhalten vertraut sein dürften. Insofern holt es die Schülerinnen und Schüler da ab, wo sie stehen. In diesem Punkt ist das Themenheft eine wertvolle Ergänzung traditioneller Deutschbücher, in denen der Mobilfunk naturgemäß nur eine untergeordnete Rolle spielt.Sachinformationen für LehrendeAuch zur eigenen Information der Lehrkräfte, die mit den Möglichkeiten und Gepflogenheiten mobiler Kommunikation nicht vertraut sind, bietet es gut verständliche Sachinformationen.
Günther Neumann ist seit 1998 bayerischer Landesbeauftragter für den Computereinsatz im Deutschunterricht und Fachberater für das Fachportal Deutsch bei Lehrer-Online.
Medienreflexion, Textarbeit