Auf dem Weg zum einfachen und schnellen Schulnetz

In einer Zeit, in der das einzig Beständige der Wandel zu sein scheint, stehen schulische Netzwerke vor neuen Herausforderungen und Veränderungen. Mit dem Einzug interaktiver Lernplattformen haben traditionelle schulische Netzwerke ausgedient.
 

Schlanke und schnelle Netzwerke sind angesagt, die zudem für Schulträger eine willkommene Möglichkeit sind, aus der Wartungs- und Kostenfalle auszusteigen, so Volker Rüddigkeit und Georg Schlagbauer in ihrem Aufsatz "Das Lean-LAN - zeitgemäße Netzwerke in Schulen!". Traditionelle Schulnetze arbeiten in der Regel in einem Rechnerverbund, der dadurch gekennzeichnet ist, dass Nutzern bestimmte Profile, Rechte, Gruppenrichtlinien, Dienste, Laufwerke und so weiter von einem so genannten Domänenserver zugewiesen werden. Doch solche "Architekturen" mutieren schnell zu hoch komplexen und wartungsintensiven Netzen, die eine Vielzahl von "pädagogischen" Funktionen bieten, die letztlich nur von wenigen Lehrerinnen und Lehrern in vollem Umfang genutzt werden, wie Rüddigkeit und Schlagbauer konstatieren.

Im Wandel der Zeit

Weil künftig neben elektronischen Lernplattformen zunehmend schüler- und lehrereigene Notebooks/Netbooks zum Einsatz kommen, die in (Intranet)-Domäne-basierten Netzen eher Fremdkörper sind, wird eine zentrale Datenhaltung und Userverwaltung am "Standort Schule" mehr und mehr überflüssig. Somit stellt sich auch unter diesem Gesichtspunkt die Forderung nach einer Redimensionierung in der Schulnetzfrage.

Eckpunkte eines einfachen und schnellen Schulnetzes

Positive Erfahrungen weitergeben
Unter Berücksichtigung der obigen Überlegungen wurde am Berufskolleg Neuss Weingartstraße mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 ein schlankes und schnelles Schulnetz für 420 Computer und rund 3.000 Schülerinnen und Schüler entwickelt, bei dem man sich auf das pädagogisch Notwendige und technisch Machbare konzentrierte. Im Folgenden soll dieses Netzwerk anhand einiger Eckpunkte skizziert werden, um erste positive Erfahrungen an andere Schulen weiterzugeben. Eine ausführliche Dokumentation des Netzes am Berufskolleg Neuss Weingartstraße sowie professionelle Skripte für Schulnetze finden Sie auf der Homepage des Berufskollegs.

Grundlage: Peer-to-Peer-Vernetzung
Grundlage des schulischen Netzes am Berufskolleg Neuss Weingartstraße ist eine Peer-to-Peer-Vernetzung. In einem Peer-to-Peer-Netz sind alle Computer gleichberechtigt und können sowohl Dienste in Anspruch nehmen, als auch Dienste zur Verfügung stellen. Peer-to-Peer-Netze stellen die einfachste und originärste Form der Vernetzung dar und sind relativ einfach einzurichten. Größter Vorteil aus Sicht des Administrators ist die überflüssige Benutzerverwaltung. Nachdem man einen Muster-PC erstellt hat, kopiert man diesen auf alle anderen Schüler- und Lehrer-PCs. Ein selbst erstelltes Skript weist anschließend dem PC automatisch den richtigen Drucker, das korrekte Tauschlaufwerk und so weiter zu.

Schnelles Hochfahren ohne Benutzeranmeldung
Trotz diverser Software, die auf den Stationen lokal installiert ist, dauert das Hochfahren eines solchen PCs (vier Jahre alt) nur rund 45 Sekunden. Besonders begeistert sind Lernende und Lehrende von der fehlenden Benutzeranmeldung nach dem Booten des Rechners. Egal ob neue Schülerinnen und Schüler, ausländische Gäste, externe Kursbesucherinnen und Besucher, Referendare und so weiter - jeder kann sofort im schulischen Netz lernen und arbeiten.

Linux, Mac oder Windows spielt keine Rolle
Ob eine Schule sich für Linux, Mac oder Windows entscheidet, spielt für ein einfaches und schnelles Schulnetz keine Rolle. Eine Anmeldung für einen Dienst (E-Mail, Eigene Dateien) ist im Peer-to-Peer-Netz erst dann notwendig, wenn auf persönliche Daten zugegriffen wird. Da ein An- und Abmelden an einer Domäne entfällt, können Schülerinnen und Schüler bei Partner- oder Gruppenarbeiten auch zeitlich parallel auf ihre jeweiligen Dateien zugreifen.

Abschaffung der Domänencontroller und Fileserver

Desktop-PC ersetzt drei Server
Mit der Verabschiedung vom Domänenkonzept konnten am Berufskolleg Neuss Weingartstraße gleich drei Server für rund 9.000 Euro abgeschafft werden. Lediglich ein Desktop-PC für 290 Euro dient zurzeit als Server, um kleinere Dienste, beispielsweise lokale Tauschlaufwerke pro Klassenraum, zur Verfügung zu stellen. Ein baugleicher Desktop-PC steht als Backup-Lösung bereit, so dass bei einem Serverausfall (bisher nie passiert!) lediglich ein Netzwerkkabel umgesteckt werden muss. Die Sicherheit eines hier beschriebenen Schulnetzes lässt sich durch lokale Gruppenrichtlinien oder/und Protektorlösungen (wie Wächterkarten) - je nach Bedarf - skalieren.

Einfache Softwarenachinstallation
Soll im Schulnetz Software nachinstalliert oder synchronisiert werden, kann zum Beispiel das kostenlose OpenSource Programm "Smart Software Synchronisation" zum Einsatz kommen. Sehr gute Erfahrungen bezüglich der Thematik "Softwarenachinstallation" wurde auch mit der Softwareverteilung AI-Snapshot von Symantec gemacht.

Unabhängigkeit von Fachfirmen oder Institutionen
Lehrkräfte, die in der Lage sind, ein Betriebssystem auf einem PC zu installieren und Interesse an Schulnetzen haben, können in relativ kurzer Zeit lernen, ein solch einfaches und schnelles Schulnetz zu betreuen. Die Unabhängigkeit von Fachfirmen oder Institutionen, die ihre schulischen Komplettlösungen meist gar nicht mehr ohne Schulungen und Supportdienstleistungen anbieten können, weil spätestens nach dem Update Systemeingriffe notwendig sind, spart viel Zeit am Telefon und reduziert die Kosten für externe Lehrgänge.

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Informationen zum Autor

Wilhelm Drossart unterrichtet EDV und Bankbetriebslehre am Berufskolleg für Wirtschaft und Informatik in Neuss.

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