Das Planspiel im Unterricht

Wenn sich ökonomische Bildung um die Mündigkeit von Menschen bemüht, muss sie versuchen, ökonomische Sach-, Urteils- sowie Entscheidungs- und Handlungskompetenz zu entwickeln.
 

Dieser Ansatz legt die Nutzung handlungsorientierter Methodik nahe, weil er von der Zielsetzung her auf Handlungsfähigkeit vorbereiten will, sich inhaltlich mit Handlungs- und Entscheidungssituationen befasst und weil Lernen in Handlungszusammenhängen besonders effektives Lernen ist.

Das Planspiel gehört unter den handlungsorientierten Methoden zu den Großformen. Es ist in der Regel ein Konglomerat aus unterschiedlichen Elementen handlungsorientierter Methodik (Rollenspiel, Konferenzspiel, Hearing, Fallstudie) und deshalb besonders geeignet, komplexe ökonomische Strukturen und Handlungsabläufe zu modellieren und so erfahrbar zu machen.

Strukturelemente

Definition

Planspiele sind Modelle der Wirklichkeit, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in definierten Rollen und in vorgegebenen Handlungsräumen provozieren, eine fiktive Ausgangslage zielgerichtet zu verändern.

 

Modelle
Modelle entstehen als Nachbildungen von Teilbereichen der - hier ökonomischen - Realität; sie müssen reduzieren, ohne dass die Realität in ihnen unerkennbar wird. Die Modellierung besteht jedoch nicht nur in der Reduktion von Realität, sondern auch in der Formulierung von Reaktionshypothesen. Im Falle von Unternehmensplanspielen ist es vor allem die Marktformel, die eine Hypothese zur Änderung der Marktnachfrage in Abhängigkeit von getroffenen Entscheidungen (Preis, Werbung u. a.) enthält.
Gesamtwirtschaftliche Planspielmodelle basieren zumeist auf einer größeren Zahl derartiger Hypothesen, deshalb ist hier unbedingt zu fordern, dass sie dem Anwender gegenüber offen gelegt werden. Die attraktiveren Modelle bieten darüber hinaus die Möglichkeit, über Parameteränderungen auf die Reaktionen einzuwirken.

Rollen
Die Rollen sind - weitergehend als im Rollenspiel - ergebnisbezogen angelegt. Sie bieten typisierte Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten, die in Planspielen für alle Teilnehmer identisch (homogene Rollenstruktur) aber auch differenziert (heterogene Rollenstruktur) sein können.

Handlungsräume
Die Handlungsräume, welche Planspiele für die Teilnehmer zur Verfügung stellen, sind nach außen durch die Anlage des Modells begrenzt, nach innen jedoch offen. Diese Offenheit ist die Ursache dafür, dass die Arbeit mit dem gleichen Planspielmodell zu immer neuen konkreten Ausprägungen führt, für Lehrende wie Lernende also in Teilen immer unvorhersehbar bleibt. Planspiele kennen einphasige Handlungsabläufe, in denen ein Entscheidungsprozess nur einmal zu bewältigen ist, und mehrphasige Handlungsabläufe. Letztere bieten besondere Chancen des Lernens durch Versuch und Irrtum, Rückmeldung und erneutem Versuch. Je vielfältiger dabei die Möglichkeiten für die Lehrenden sind, während der Simulation auf die Parameter des Modells einzuwirken, desto variabler und effektiver kann der Lernprozess gestaltet werden.

Ausgangslage
Die Ausgangslage eines Planspiels ist einerseits gekennzeichnet durch Problemhaltigkeit und andererseits durch Veränderbarkeit. Die Problemhaltigkeit provoziert (häufig zusammen mit Wettbewerbselementen) das Rollenengagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer; die grundsätzliche Veränderbarkeit ist die Voraussetzung dafür. Für ökonomische Planspiele muss die Ausgangslage quantitativ ebenso beschreibbar sein wie die Änderungen, die durch die Entscheidungen der Lernenden und die Steuerung der Lehrenden eintreten.

Ziele
Die Spielziele, an denen sich das Modellhandeln der Teilnehmer orientiert, sind zu unterscheiden von den Lernzielen, welche Lehrende mit dem Einsatz von Planspielen verbinden. Spielziele können vom didaktischen Modell vorgegeben sein oder aber auch - ganz oder teilweise - von den Rollenträgern selbst bestimmt werden. Entsprechend differenziert fallen Erfolgsbewertung und -vergleich aus.

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Zusatzinformationen

Informationen zum Autor

Dr. Dietmar Ochs lehrt an der Universität Siegen im Fachbereich Wirtschaftswissenschaft und Didaktik der Wirtschaftslehre. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung liegen im Planspiel und Computer gestützten Lehren und Lernen.

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