Das Internet wird zunehmend für unsere Schülerinnen und Schüler zu einem zweiten Zuhause. So sind mittlerweile beispielsweise über 80 Prozent von ihnen bei sozialen Netzwerken angemeldet. Im Internet finden sie Freunde, spielen, kaufen ein und informieren sich. Jeden Tag entdecken sie einen neuen Teil dieser virtuellen Welt. Es findet jedoch keine "virtuelle Verkehrserziehung" statt, bei der den Lernenden umfassend erklärt wird, wie sie sich sicher im Internet bewegen können.
Nachdem die letzten Klassenarbeiten geschrieben sind, beschäftigen sich die Unterstufenschülerinnen und Schüler der zweijährigen Berufsfachschule Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung (Höhere Handelsschule) mit virtuellen Themen, die ihnen wichtig sind und von denen sie glauben, dass sie auch für Mitschülerinnen und Mitschüler bedeutsam sein könnten. Ihre Projektergebnisse stellen sie dann zu Beginn des neuen Schuljahres als neue Oberstufe den neuen Unterstufen einen ganzen Tag lang vor.
Um den Lernenden die Möglichkeit zu bieten, sich in Themen einzuarbeiten, die sie wirklich interessieren, sind sie in der Themenwahl relativ frei. Im Verlauf der vergangenen Jahre interessierten sich die Lernenden beispielsweise für folgende Themenkomplexe:
Risiken bewusst machenViele Schülerinnen und Schüler halten das World Wide Web immer noch für ihre ganz private Spielwiese. Dabei ignorieren sie, dass das Internet beileibe kein rechtsfreier Raum ist, dass sich dort mittlerweile immer mehr Betrüger tummeln und dass selbst Personaler, bevor sie zu Vorstellungsgesprächen einladen, immer häufiger das Internet konsultieren.Wissensvermittlung durch GleichaltrigeDiese Kenntnisse sind schwerlich in einem "oberlehrerhaften" Frontalvortrag zu vermitteln. Denn dieser Form der Belehrung verschließen sich die Schülerinnen und Schüler in der Regel. Deutlich besser akzeptiert wird hingegen die Wissensvermittlung durch Gleichaltrige, von denen sich die Schülerinnen und Schüler auch sonst Tipps und Tricks erklären lassen.Erfahrungen weitergebenAm Anfang der Unterstufe werden die Lernenden als Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer mit den verschiedenen Problemen der virtuellen Welt konfrontiert. Im Verlauf des Schuljahres sammeln sie dann diesbezüglich ihre eigenen Erfahrungen. Am Ende der Unterstufe bereiten sie ihr Wissen theoretisch auf, indem sie das Projekt für die kommende Unterstufe vorbereiten.Lernfortschritte evaluierenWährend der Durchführung des Projektes - also als neue Oberstufenschülerinnen und -schüler - können sie ihre Lernfortschritte dann selbstständig evaluieren, indem sie sich den vielen Fragen der Unterstufenschülerinnen und -schüler stellen.
Binnendifferenzierter AnsatzDas Projektdesign orientiert sich anm induktiven Ansatz von Norbert Landwehr (Neue Wege der Wissensvermittlung, Aarau: Sauerländer, 1994, Seite 66). Da die neuen Schülerinnen und Schüler in der Regel über sehr unterschiedliche Vorkenntnisse mit den digitalen Medien verfügen, wurde der Ansatz von Landwehr entsprechend binnendifferenzierend modifiziert.Stationen ermöglichen individuelles LernenDurch die Anordnung der verschiedenen Themen in Lernstationen wird Schülerinnen und Schülern mit entsprechenden Vorkenntnissen die Möglichkeit geboten, einzelne Lernstationen sehr schnell abzuarbeiten und dort, wo mehr Zeit nötig ist, länger zu verweilen.Zirkuläres LernenWeiterhin berücksichtigt unsere Projektanordnung den Gedanken des zirkulären Lernens. Erfahrungsgemäß ist das einmalige Erörtern verschiedener Gefahren im Netz kaum nachhaltig. Durch die zweimalige Projekt-Teilnahme werden die Inhalte wiederholt und vertieft.Inhalte gewinnen an BedeutungZudem wird durch diesen Kreis erreicht, dass die Inhalte für die Lernenden bedeutsamer werden. Weil sie bereits als Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer erfahren, dass sie ein Dreivierteljahr später dieses Event selber ausrichten werden, registrieren sie in dessen Erwartung ähnliche Probleme sensibler und können diese Erfahrungen einbringen, wenn sie das Projekt selber ausrichten.Besonders unterrichtsökonomischDas Projektdesign ist darüber hinaus in einem besonderen Maße unterrichtsökonomisch. Sowohl in der Zeit vor den Sommerferien als auch zum Schuljahresbeginn fällt es häufig nicht leicht, die Schülerinnen und Schüler für den "normalen Unterricht" zu begeistern. Mit diesem Projekt gelingt es, diese Zeit sinnvoll zu füllen. Denn die Schülerinnen und Schüler arbeiten in Erwartung des Events und in Kenntnis der knappen Zeit motivierter und zielstrebiger.
Markus Niederastroth ist Diplom-Kaufmann und arbeitet als Studienrat am Nell-Breuning-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung. Er verfügt über die Fakulten Wirtschaftswissenschaft, Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Absatz und Marketing.
Sicherheit im Internet, Medienkompetenz, Medienerziehung, Jugendmedienschutz