Als Medienberater und Projektleiter habe ich erlebt, wie unsere Schule von der Faszination dieses Mediums ergriffen wurde und sich in weniger als vier Jahren zu einer vollausgestatteten Schule mit Whiteboards in allen Klassenräumen entwickelt hat. Eine eher ungewöhnliche Entwicklung für ein kleines humanistisches Gymnasium, das bisher nicht unbedingt durch blinde Technikbegeisterung auffiel. Vielleicht gerade deshalb haben wir die Ausstattung unserer Schule mit Whiteboards inhaltlich und pädagogisch nicht dem Zufall überlassen, sondern auch sichergestellt, dass wir "alle ans Board" holten.
Ein Medienkonzept wird erarbeitetDieser Prozess war begleitet von einem intensiven Diskurs über den Nutzen des Mediums sowie von didaktisch-methodischen und schulentwicklungsspezifischen Überlegungen zur Integration des Mediums im Schulalltag. Am Ende dieses langen Prozesses stand ein Medienkonzept, das Kollegium und Schülerschaft in die Verantwortung nimmt und so die Verbesserung des Unterrichts gewährleisten soll.
Erste Erfahrungen waren bereits vorhandenErste Erfahrungen mit interaktiven Whiteboards sammelte unsere Schule bereits vier Jahre vor der Ausstattung sämtlicher Klassenräume. Im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Projekts konnten wir 2005 vier Boards zur Erprobung anschaffen. Aufgrund des hohen Wertes der Geräte wurden sie in den besser gesicherten Fach- und Oberstufenräumen installiert. Dies hatte jedoch den Nachteil, dass nur wenige Lehrende und Lerngruppen die digitalen Tafeln unkompliziert und regelmäßig nutzen konnten. Nichtsdestotrotz weitete sich das Interesse an dem Medium innerhalb der Schule sehr schnell aus. Innerhalb kurzer Zeit hatten sich fast zwei Drittel des Kollegiums in schulinternen Fortbildungen mit der Handhabung vertraut gemacht.
Durchweg positive BilanzZwei Jahre später nach Abschluss des Projekts konnte eine sehr positive Bilanz gezogen werden: Alle Beteiligten empfanden die Whiteboard-Arbeit als hoch motivierend und wünschten sich mit deutlicher Mehrheit die Ausweitung des Einsatzes auf andere Fächer und Räume. Der Unterricht wurde als verständlicher und anschaulicher eingeschätzt. Auch hatten die Schülerinnen und Schüler den Eindruck, dass stärker auf ihre Bedürfnisse eingegangen wurde als im Unterricht ohne interaktive Whiteboards und dass die Lehrenden besser auf ihren Unterricht vorbereitet seien.
Staatliche FinanzspritzeIm Schulalltag entstand eine so große Nachfrage nach Whiteboards, die mit der Anschaffung von ein, zwei Einheiten pro Jahr nicht hätte befriedigt werden können. Aus dieser Situation heraus diskutierte unsere Schule nach drei Jahren die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, alle Klassenzimmer mit digitalen Tafeln auszustatten. Finanziell möglich war dies nur, da der Hamburger Senat in einem Sonderinvestitionsprogramm seinen Schulen die Möglichkeit eröffnete, staatliche Zuschüsse zur Anschaffung interaktiver Medien zu beantragen.
Unterstützung durch Whiteboard-HerstellerZudem hatten wir einen Whiteboard-Hersteller gefunden, der uns Unterstützung für dieses ehrgeizige Projekt anbot. Neben offensichtlichen technisch-organisatorischen Vorteilen, etwa eine einheitliche Ausstattung in allen Räumen oder redundante Verfügbarkeit, stellte sich die Frage nach inhaltlichen Gründen, die für eine derart aufwändige Ausstattung der Schule sprachen. Zunächst sahen die meisten Kolleginnen und Kollegen den Nutzen der interaktiven Whiteboards auf der methodischen Ebene. Die deutlich verbesserten Gestaltungsmöglichkeiten in zentrierenden Phasen des Unterrichts waren ein wesentlicher Gesichtspunkt, der das Kollegium begeisterte.
Methodische VorteileDurch diese methodischen Vorteile der interaktiven Whiteboards wird der Unterricht nicht nur medienreicher und damit für mehr Lernertypen ansprechender, sondern auch schülerorientierter und effektiver:
Neue Medien rücken ins Zentrum des SchulalltagsNeben diesen leicht nachvollziehbaren Vorteilen boten die interaktiven Whiteboards aus unserer Sicht noch eine herausragende Chance auf einer viel höheren Ebene. Das Lernen mit digitalen Medien spielte an unserer Schule eine Rolle, war aber noch nicht wirklich bei allen Kolleginnen und Kollegen und in allen Fächer verankert. Mit der Installation interaktiver Whiteboards in allen Klassenräumen rückte das Lernen mit neuen Medien nun ins Zentrum des Schulalltags. Entscheidend ist dabei ein Medien- und Methodenkonzept der Schule, das eine veränderte Lernkultur im Sinne eines stärker individualisierten Lernens mit Unterstützung digitaler Medien fördert. Und hier eröffnen interaktive Whiteboards enorme Chancen, denn mit ihnen wird gleichsam ein digitales Fenster im herkömmlichen Klassenzimmer geöffnet, das es vorher in dieser Form in Schulen nicht gab. Lernen mit digitalen Medien kann so zum Schullalltag werden.
Ein niederschwelliger EinstiegZudem ermöglichen die interaktiven Whiteboards unerfahrenen Kolleginnen und Kollegen einen niederschwelligen Einstieg in die Arbeit mit digitalen Medien. Eine Lehrkraft, die sich vorher nie in den Computerraum verirrt hat, wird vielleicht damit beginnen, Tafelbilder digital zu erstellen und diese abzuspeichern, um sie in der nächsten Stunde noch einmal aufzurufen. Digitale Medien können so auch jene zu einer neuen, offeneren Lernkultur gleichsam verführen, die sich vorher nicht auf derartige Lernarrangements eingelassen hätten. Mit den interaktiven Tafeln holt man diese "digitale Verführung" ins Zentrum des Unterrichts, mitten in den Klassenraum. Insofern haben die Boards das Potenzial, Unterricht und Lernkultur einer Schule von innen heraus grundsätzlich zu verändern.
Thomas Iser unterrichtet seit 2001 als Lehrer für Englisch, Geschichte und Politik-Gesellschaft-Wirtschaft am Wilhelm-Gymnasium, Hamburg. Als Medienberater war er federführend mit der Einführung und Entwicklung des Unterrichts am Whiteboard betraut.Dieser Beitrag erschien in einer ausführlichen Fassung unter dem Titel "Digitale Fenster öffnen - Wie interaktive Whiteboards Lernkultur und Unterricht einer Schule verändern können" in: LOG IN, Heft 156-158, 2009, Berlin.
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