Mein Referendariat: Ein Rückblick auf eine intensive Zeit
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Hey Leute, mein Referendariat neigt sich dem Ende zu. Nach 21 intensiven Monaten möchte ich in diesem letzten Blogbeitrag meine Gedanken zu dieser Zeit noch einmal bündeln, sowohl rückblickend als auch mit einem kurzen Ausblick auf meinen weiteren Weg als Lehrer. Mein Weg nach dem Referendariat Zunächst zu der Frage, wie es für mich nun weitergeht. Nach langem Zittern und einer Phase großer Ungewissheit habe ich vor wenigen Tagen die Mitteilung erhalten, dass ich an meiner Ausbildungsschule bleiben kann. Diese Nachricht hat mich außerordentlich gefreut. In den vergangenen 21 Monaten habe ich sowohl meine Klassen als auch das Kollegium sehr ins Herz geschlossen und mich an meiner Schule von Beginn an wohlgefühlt. Zusätzlich gibt mir die Gewissheit, nun einen festen Arbeitsplatz zu haben, ein großes Gefühl von Sicherheit. Es ermöglicht, den Fokus endlich vollständig auf die eigentliche Aufgabe zu richten: das Unterrichten und die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Leider ist diese Situation keineswegs selbstverständlich. Nicht selten müssen sich Referendarinnen und Referendare nach dieser ohnehin sehr intensiven Ausbildungszeit zunächst arbeitslos melden, weil die Ausbildungsschule aufgrund sinkender Schülerinnen- und Schülerzahlen oder anderer personeller Rahmenbedingungen keine Stelle anbieten kann. Umso dankbarer bin ich für diese Perspektive. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass ich den Großteil meiner aktuellen Klassen behalten kann. Neben den neuen Klassen, die auf mich zukommen werden, gibt mir dies zusätzliche Sicherheit und Kontinuität. Natürlich bin ich gespannt, wie mein zukünftiger Stundenplan mit vollem Deputat aussehen wird und wie hoch die tatsächliche Belastung sein wird. Mir ist bewusst, dass die kommende Zeit nicht weniger intensiv werden dürfte – im Gegenteil: Mit der doppelten Stundenzahl und neuen Lerngruppen warten bereits die nächsten Herausforderungen. Dennoch blicke ich insgesamt positiv nach vorn und freue mich darauf, nun als ausgebildete Lehrkraft vor meinen Klassen zu stehen. Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Referendariat Das Referendariat war ohne Zweifel eine der intensivsten Zeiten meines bisherigen Lebens. Kaum ein Tag, der nicht durchgetaktet war: Unterricht vorbereiten, durchführen, reflektieren, nachbereiten – begleitet von permanenter Beobachtung, Bewertung und dem Anspruch, möglichst allem gerecht zu werden. Besonders präsent bleiben mir dabei die vielen Unterrichtsbesuche, insgesamt 16 an der Zahl. Jeder einzelne mit großem Vorbereitungsaufwand verbunden und jeder einzelne emotional fordernd. Auch wenn man rational weiß, dass ein einzelner Besuch nicht über die eigene Eignung entscheidet, fühlt es sich in der Situation oft genau so an. Ebenfalls sehr prägend für mich während des Referendariats, sind die unzähligen täglichen Eindrücke aus dem Schulalltag. Situationen im Unterricht, Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, der Austausch mit den Betrieben, Konferenzen und organisatorische Abläufe – all das sind Aspekte, auf die man im Studium nur sehr begrenzt vorbereitet wird. Theorie ist wichtig, sie bildet jedoch nur bedingt die Realität eines vollen Stundenplans, heterogener Lerngruppen und permanenter Entscheidungsprozesse ab. Vieles lernt man erst, wenn man bereits mitten im System steht, häufig unter erheblichem Druck. Die hohe Arbeitsbelastung blieb dabei nicht ohne Auswirkungen auf das Privatleben. Zeiten zum Abschalten waren selten, Gedanken an Unterricht, Beurteilungen und anstehende Aufgaben begleiteten einen bis in den Feierabend und darüber hinaus. Das Gefühl, nie ganz fertig zu sein, war ein ständiger Begleiter. In solchen Momenten stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das Referendariat in dieser Form tatsächlich alternativlos ist. Muss Lernen unter solch hoher Dauerbelastung stattfinden oder gäbe es andere Wege, angehende Lehrkräfte auf ihren Beruf vorzubereiten? Trotz dieser kritischen Gedanken wäre es unehrlich zu sagen, dass ich aus dem Referendariat nichts mitgenommen habe. Im Gegenteil: Ich habe fachlich, didaktisch und persönlich enorm viel gelernt. Ich habe Sicherheit vor Klassen gewonnen, meinen eigenen Unterrichtsstil weiterentwickelt und gelernt, mit Herausforderungen reflektierter umzugehen. Viele Dinge, die mir zu Beginn kaum zu bewältigen erschienen, sind heute fester Bestandteil meines professionellen Handelns. Ein wichtiger Faktor dafür war auch meine Schule. Ich habe mich dort unterstützt und wertgeschätzt gefühlt, durfte mich ausprobieren und habe in intensiven Phasen Rückhalt erfahren. Die Zusammenarbeit im Kollegium hat ebenfalls einen großen Anteil daran, dass ich diese Zeit insgesamt gut bewältigen konnte. Am Ende bleibt ein differenzierter Blick zurück: Das Referendariat war fordernd, phasenweise überfordernd und emotional belastend, aber zugleich lehrreich und prägend. Es war keine einfache Zeit, aber eine, an der ich gewachsen bin. Ob es der einzige oder beste Weg ist, Lehrkräfte auszubilden, darf und sollte weiterhin kritisch diskutiert werden. Trotz aller Herausforderungen und der hohen Intensität dieser Ausbildungsphase habe ich für mich klar erkannt, dass mir die Arbeit vor den Klassen große Freude bereitet. Der Lehrberuf ist und bleibt für mich ein Beruf, den ich mit Überzeugung ausüben möchte. Gerade die täglichen Begegnungen mit den Schülerinnen und Schülern und das gemeinsame Arbeiten im Unterricht haben mir immer wieder gezeigt, warum ich mich für diesen Weg entschieden habe. Mit diesem Gefühl blicke ich nun voller Vorfreude in die Zukunft und bin gespannt, welche Erfahrungen, Aufgaben und Herausforderungen mich in meiner weiteren beruflichen Laufbahn noch erwarten werden. Damit schließe ich nicht nur diesen Blogbeitrag, sondern auch mein Referendariat ab. Vielen Dank an alle, die mich in dieser Zeit begleitet, unterstützt und diesen Blog gelesen haben. Liebe Grüße euer Alex