Tablet und iPad im Unterricht

Wie die neuen kleinen flachen Computer in den Unterricht kommen können und diesen bereichern, schildert dieser Fachartikel.
 

Inzwischen kommen an fast allen Schulen Computer und Internet im Unterricht zum Einsatz. Doch die Art und Weise, wie beides genutzt wird, variiert stark; alles hat - wie immer im Leben - Vor- und Nachteile. Die neuesten Medien, die in Klassenräumen genutzt werden, sind handliche Tablet-Computer wie das iPad. Sie scheinen neben den bekannten Vorteilen digitaler Medien noch weitere positive Aspekte in die Schulentwicklung zu bringen.

Eine Herausforderung: Unterricht (gestern und) heute

Damals: Frontalunterricht
Wer an seine eigene Schulzeit zurückdenkt, wird sich nicht immer an Spaß und individuelles Lernen erinnern. Oftmals gab es Lehrerinnen oder Lehrer, die vor der Klasse standen, vielleicht auf einem Podest, und ihren Lehrstoff hinunter predigten: Frontalunterricht mit nur wenig Interaktion mit den Schülerinnen und Schülern. Manche versuchten, diese Form der Wissensvermittlung mit Projekten, Versuchen oder sogar Ausflügen aufzubessern, doch Spaß kam dabei eher selten auf. Was fehlte, war der indivduelle Zugang zu den Lernenden, das auf die Bedürfnisse des und der Einzelnen abgestimmte Lernen. Klassengrößen von teilweise über 30 Kindern oder Jugendlichen erlaubten - und erlauben auch heute - oftmals keine schülergerechte Betreuung. Die Finanzhaushalte von Ländern und Gemeinden machen heute keine neuen Lehrerstellen möglich - und dann auch noch die passenden Lehrkräfte zu finden, ist schwierig.

Heute: Leere Kassen und große Erwartungen
Damit sind wir heute konfrontiert: große Klassen, hoher Lerndruck, wachsende Herausforderungen an Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler auf die Bedingungen im Berufsleben vorzubereiten und die notwendigen Grundlagen zu schaffen, oftmals eine veraltete oder schlechte technische Ausstattung der Schule, leere Kassen und kaum Möglichkeiten auf, Sorgen und Probleme der Individuen einzugehen? Doch wie lösen wir diese Probleme mit den zur Verfügung stehenden Mitteln? Sind neue Medien und Geräte wie Tablet und iPad eventuell die Lösung - oder zumindest ein Teil der Lösung? Unternehmen wie zum Beispiel eringo und Smallfunds meinen "Ja" und bieten entsprechende Konzepte an.

Tablet und iPad - was ist das?

Format und Basis-Funktionen
Das iPad ist ein sogenannter kleiner flacher "Tablet Computer" einer großen amerikanischen Firma. Es bietet neben einem nahezu DIN A5 großem Touch- (also per Finger bedienbarem) Display, das sich zur Eingabe und Wiedergabe von Inhalten gleichermaßen gut eignet, zwei Kameras, Audio-Wiedergabe per integriertem Lautsprecher oder Kopfhörer, einen W-LAN Zugang, 16 bis 64 Gigabyte (GB) Speicherplatz für Programme und Daten sowie in der anspruchsvolleren Ausführung einen Simkarten-Slot.

Ortsunabhängige Arbeit mit Dateien
Per Bluetooth können Zusatzgeräte angeschlossen werden und per W-LAN oder Kabel Daten mit dem Rechner synchronisiert werden. Der Speicherplatz mag gering erscheinen, doch verfolgt man hier den Weg der zentralen, meist internetbasierten Speicherlösung, um Dokumente von unterschiedlichen Geräten und Orten aus bearbeiten zu können. Dateien werden also irgendwo im Netz in der soganennten "Cloud" abgelegt. Dies ist besonders für den Schuleinsatz interessant, wenn es darum geht, einen Arbeitsauftrag oder eine Datei  an Schülerinnen und Schüler zu verteilen oder die Arbeit von Gruppen einfacher zu gestalten.

Das iPad: Nutzen im Unterricht

Individuelles Lernen
Sandra Ricker von eringo, einem Unternehmen, das Schulen bei der Einführung digitaler Medien beispielsweise durch Schulungen unterstützt, sieht die Funktion des iPads im Unterricht als unterstützendes Medium, das ganz verschiedene Aktionen bedient: "Dokumentationen von Tafelbildern, Austausch von Unterrichtsnotizen und Arbeitsblättern oder der schnelle Zugang zu aktuellen Informationen sind dabei noch die simplen Funktionen. Sein wirkliches Potenzial entfaltet das iPad, wenn Schülerinnen und Schüler sich selbstständig und kreativ mit Lerngegenständen auseinandersetzen und mit dem iPad dafür alle Werkzeuge in der Hand halten. Ob es ein Song zu den Eigenschaften chemischer Elemente, ein fiktives Fernsehinterview mit Ludwig dem XIV. oder das Visualisieren eines Wasserkreislaufs ist: Kreativer Spielraum motiviert Schüler und Schülerinnen immer wieder, sich mit den Inhalten intensiv auseinander zu setzten."

Flexibel einsetzbar
Vor allem der Wechsel der Sozialformen während einer Unterrichtsstunde kann durch die Arbeit mit dem iPad positiv beeinflusst werden. Aufgrund seines Aufbaus ohne aufrecht stehendes Display, kann man das Gerät leicht in die Mitte zwischen die Schülerinnen und Schüler legen, und es können mehrere an einem Gerät arbeiten oder die Ergebnisse gleichzeitig einsehen.

Ergebnisse präsentieren
Durch die Kombination von Beamer und kabelloser Übertragung entfällt die kostenintensive Anschaffung von interaktiven Whiteboards und Resultate können einfach mit mehreren Nutzerinnen und Nutzern geteilt werden.

Nutzen in der persönlichen Organisation
Schaut man in die Tasche eines Lehrers, findet man dort eine Vielzahl von Ordnern, Heftern, Notizblöcken, Dokumentationsmaterial, Kalender und vieles mehr. Manch einer findet sich in seiner eigenen Tasche nicht gut zurecht, zumal der Wust die Gefahr birgt, dass etwas Wichtiges vergessen wird. Apps wie zum Beispiel TeacherTool vereinfachen die eigene Organisation: Klassenlisten, Kursbücher, Klassenspiegel, Checklisten sind hier kombiniert und können mit der Kalenderfunktion den Lehrerkalender ersetzen. Datenschutz ist hierbei besser gegeben als beim DIN-A6-Papierbruder. auch eingegangene E-Mails lassen sich mit dem iPad jederzeit einsehen und bearbeiten. Unterlagen, die man in der Vergangenheit erstellt hat, gehen dank der Dokumentenkamera, der zentralen Ablage oder dem Scanner nicht verloren und können jederzeit abgerufen werden.

Unterrichtsbeispiel

Vom Laptop-Orchester zur iPad-Marching-Band
Eine Schule in Süddeutschland berichtete vor Kurzem von einem Projekt: Schülerinnen und Schülern wurden Notebooks zur Verfügung gestellt, damit diese damit Musikinstrumente und synthetische Klänge kennen lernen und ausprobieren konnten. Entstanden ist daraus ein Laptoporchester. Nachteile der Laptops sind das Gewicht, die Größe und die beschränkte Akkulaufzeit. Das Tablet hingegen bietet in dieser Schule nun die Möglichkeit, das Orchester zu mobilisieren und Klänge auch an Orte zu bringen, die zuvor für solche Aktionen nicht zugänglich waren. Vielleicht entwickelt sich hieraus bald eine erste iPad-Marching-Band.

Ausbau der Kreativität
Projekte wie dieses sind es, die das Lernen spannend und für Schülerinnen und Schüler zugänglich machen. Gerade das kreative Potential, die schier endlose Anzahl von Apps und weiterem Zubehör führen zu neuen Ideen, wie man etwas darstellen kann oder Wissen abruft.

Arbeit mit dem Tablet-Computer

Inhalte für die Tablet-Arbeit
Egal wie man das iPad einsetzen möchte, der Kern bleibt: Zugang zu Information. Bücher sind im Rucksack schwer und überfordern teilweise Kinder auf ihrem Weg zur Schule. Inzwischen bieten immer mehr Verlage Lehrwerk-Ausgaben auch medial im iBooks Store an. Die Deutschen Schulbuchverlage haben auf der letzten Bildungsmesse didacta das mit dem Tablet kompatible digitale Schulbuch vorgestellt. Open Educational Resources können einfach erstellt, angepasst und auch verteilt werden. Eigene Inhalte können genutzt und um neue Medien ergänzt werden.

Neue Lern-Möglichkeiten
Dachte man noch vor einiger Zeit, dass die neuen Medien das Lesen und das selbstständige Denken einschränken, erleben wir heute durch die Implementierung von medialen, ergänzenden Inhalten ganz neue Möglichkeiten. Gerade die Verbindung von Texten und erklärenden medialen Inhalten beflügelt den Wissensdurst. Selbstbestimmtes Lernen, an die eigenen Fähigkeiten angepasste Darstellungen durch verschiedene Apps und Zugang zum Internet ermöglichen es individuell arbeitenden Schülerinnen und Schülern, sich frei zu entfalten und das bestmögliche Lernresultat zu erzielen.

Inklusion

Wer vor einigen Jahren mit Menschen zu tun hatte, deren Sehfähigkeit stark eingeschränkt war, erinnert sich vielleicht an die schweren und vielen Hilfsmittel, die beim Schreiben zum Teil laute Geräusche machten. Lesen funktionierte lediglich in extra angefertigten Büchern, und das erlaubte nur einen begrenzten Zugang zu Texten. Gerade für diese Schülerinnen und Schüler bietet das iPad die ideale Basis zur Teilhabe: Sie nutzen das gleiche Gerät wie ihre sehenden Klassenkameraden. Das Gerät unterstützt dadurch, dass Schülerinnen und Schüler mit Sehbehinderungen Buchstaben, die sie tippen, hören und sie sich Texte vorlesen lassen können. Bilder werden von der Software erkannt und können beschrieben werden. Lernende sind damit in der Lage, selbstständig im Internet zu surfen, sich das dort zu findende Wissen anzueignen und in eigenen Lernstrukturen abzulegen. Das Ergebnis können sie am gleichen Gerät mit anderen teilen - egal ob diese gut sehen können oder nicht, egal ob im Klassenraum oder im Park.

Die ökologische, wirtschaftliche Schule

Kopierkosten und Papier sparen
Viele Schulen leiden unter erheblichem Kostendruck. Die Ersparnis der (Aus-)Druckkosten beim Unterrichtsmaterial kommt da wie gerufen. Zukünftig können die Schülerinnen und Schüler ihr Unterrichtsmaterial als Dateien über das gemeinsame "Cloud"-Laufwerk abrufen und am iPad bearbeiten, um es digital zur Korrektur zurückzugeben.

Engergieeffizienter als Laptops
Ein weiteres Thema ist die Energie, die benötigt wird, um digital arbeiten zu können. Desktop und Laptop benötigen dauernd oder bereits nach kurzer Zeit eine Stromquelle, um betrieben werden zu können. Das iPad mit seinen durchschnittlich acht bis zehn Stunden Laufzeit bei normaler Nutzung bietet genug Energie und Reserven für einen Schultag. Schülerinnen und Schüler können das Gerät nachts zu Hause aufladen und kommen mit vollem Akku zur Schule. Dadurch werden an der Schule Kosten für Elektroinstallation und für verbrauchten Strom gespart.

Den Einsatz möglich machen

Bestehende Einwände
Erst kürzlich erschien ein Buch eines bekannten Autors, der die gesellschaftliche Verarmung und den Niedergang von Kultur aufgrund der technischen Geräte wie Computer, Laptop und Fernsehen anprangerte. Basiskompetenzen wie das Schreiben mit Stift und Füller werden nach Meinung vieler durch die Nutzung von Tastatur und Spracheingabe negativ beeinflusst. Manch einer sieht auch die Gefahr, dass Unterricht durch die Nutzung von digitalen Kommunikationsmitteln gestört werden kann. Mediale und technische Kompetenz sind bei vielen Lehrkräften noch immer nicht überall gleich stark ausgebaut, lag der Fokus  des Studiums doch auf anderen Bereichen. Hierdurch ergeben sich zuweilen Widerstände und Skepsis. An mancher Stelle mag zudem der Wille der Schulleitung zum Ausbau der schulischen Medienausstattung da sein, aber Träger und Behörden können sich sträuben. Warum also doch der Einsatz des iPads?

Erfahrungen im Ausland
Schülerinnen und Schüler, die nach einem Austauschjahr zurückkommen, berichten verstärkt über ihren positiven Eindruck des Einsatzes von Tablets und iPads in Unterricht und Schulalltag. Auch ein Film-Beitrag des ZDF berichtete kürzlich über den Einsatz des iPads an einer Grundschule in Skandinavien. Das Fazit hier ist positiv, da die Lernenden mit ihren eigenen Fähigkeiten und vor allem mit Spaß lernen. Bei älteren Jugendlichen führt der Spaß am Umgang mit dem Gerät oftmals dazu, dass sie freiwillig in ihrer Freizeit weiter lernen, recherchieren und spielerisch das neue Wissen einsetzen. Durch die Möglichkeit, mit einem speziellem Stift auf dem Touch-Display zu schreiben, kehrt das händische Schreiben zurück in die digitale Welt. Auf der einen Seite bestehen breitere Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, aber die Form des Geräts macht unerwünschtes Schreiben im Unterricht auch auffälliger. "Entscheidend ist in jedem Fall das Training auf beiden Seiten", gibt Jan Ulmer von eringo an. Gerade dieser Punkt hat im Ausland entscheidet zum Erfolg der iPad-Nutzung in Schulen beigetragen. Auch die Nutzung bei Unternehmen und Eltern im Beruf schaffte eine Breite Bereitschaft, das Tablet einzusetzen. In Orten, in denen es Wiederstände gab, formten Elternschaft und Wirtschaft eine Lobby, die diese Interessen vertritt. Fazit: Es geht um die Zukunft auch unserer Kinder und um ihre Kompetenzen für später.

Umsetzung in der Schule
Wer plant, iPads im Unterricht einzusetzen, sollte alle beteiligten Parteien einbeziehen: Schulträger, Eltern, Schulleitung, Lehrerkollegium und auch Schülerinnen und Schüler. Die technische Infrastruktur muss gewährleistet werden. Hierzu zählt neben möglicher Hardware wie dem Beamer, dem Apple TV und dem Router auch der Internetzugang in den betreffenden Räumen. Besonderes Augenmerk sollte auch auf der Internetanbindung der Schule selbst und den Kapazitäten der Leitung nach außen liegen. Schulungen und ergänzendes Training der Lehrkräfte sind unerlässlich. Ein Tipp zum Schluss: Gründen Sie eine Projektgruppe, holen Sie sich Informationen und suchen Sie sich einen kompetenten Partner wie eringo oder Smallfunds GmbH, Tablet und iPadverleih.

Zusatzinformationen

Im Web

Informationen zu den Autoren

Michael Zemke (Smallfunds GmbH, der Tablet und iPadverleih Deutschland) und Jan Ulmer (eringo) informieren mit diesem Beitrag über die Möglichkeiten des Einsatzes von iPads im Unterricht.

Kommentare zu diesem Beitrag
  • Wenig störend johannweilharter, 27.05.2013 12:51
    Tablet und IPad stören weniger als Netbooks oder gar Notebooks. Und gar ein Gerät mit digitalem Schreibstift halte ich für eine große Bereicherung. Aber es ist sehr schwierig, die richtigen Lehrerinnen und Lehrer dafür zu bekommen.
Anbieter
 
  • Smallfunds GmbH
    Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Smallfunds GmbH.
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