In jeder Schulklasse lernen sehr unterschiedliche Kinder miteinander. Das geht nicht im Gleichschritt. Im Hinblick auf diese vorhandene Heterogenität ist die Verbindung von Leistung / Lernen einerseits und Teilhabe andererseits, um mehr Chancengleichheit zu erreichen, von besonderem Interesse. Barrieren sind für Bildung und Teilhabe mehr als hinderlich und sollten abgebaut werden. Der Einsatz digitaler Medien in Schulen bietet viele Bildungschancen. Der Zugang zu Computern und ihrem Potenzial für die Förderung von Lernen und Leistung ist aber oft voller Barrieren für alle, die in Schulen lernen und arbeiten.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts besuchen so genannte behinderte Kinder eigene Bildungseinrichtungen (Sonderschulen), sie werden von den anderen Schülerinnen und Schülern separiert beschult. Wenn Kinder mit Beeinträchtigungen Allgemeinbildende Schulen mit sonderpädagogischer Unterstützung besuchen, spricht man von Integration. Als Weiterentwicklung dieses Konzepts wird oft der Begriff Inklusion verwendet. Er geht davon aus, dass alle Schülerinnen und Schüler sich unterscheiden und besondere Bedürfnisse haben. Je besser die Schule auf diese Heterogenität reagieren kann, um so mehr profitieren alle Lernenden davon. Hier fließen inklusive Pädagogik und allgemeine Pädagogik zusammen.
Konzepte einer "Pädagogik für alle" werden in skandinavischen Ländern und im englischsprachigen Raum (USA, Australien, England) schon länger praktisch erprobt. Ines Boban und Andreas Hinz haben den "Index of Inclusion" von Tony Booth und Mel Ainscow übersetzt und für deutschsprachige Verhältnisse bearbeitet. Damit stellen sie für den deutschsprachigen Raum ein interessantes Entwicklungs- und Evaluationkonzept zur Verfügung, mit dessen Hilfe Schulen ihre Qualität zielgerichtet verbessern können.
Mithilfe von Indikatoren und Fragen, die der Index vorschlägt, kann der Schulentwicklungsprozess konkret begleitet und evaluiert werden. Unter dem Indikator "Eine Schule für alle entwickeln" werden zum Beispiel als Teilindikatoren "Die Schule macht ihre Gebäude für alle Menschen barrierefrei zugänglich" und "Allen neuen Schülerinnen und Schülern wird geholfen, sich in der Schule einzugewöhnen" vorgeschlagen. Der Indikator "Ressourcen mobilisieren" sieht als Teilindikatoren unter anderem vor: "Die Ressourcen im Umfeld der Schule sind bekannt und werden genutzt" und "Die Fachkenntnis der Mitarbeiter wird voll ausgeschöpft". (Quellenangabe)
Weiterführende IndikatorenIm Index für Inklusion wird ausdrücklich dazu ermuntert, diesen weiterzuentwickeln, eigene Indikatoren und Fragen zu finden und ihn als Werkzeug zu nutzen. Mir scheint er geeignet, um den Umgang mit digitalen Medien in Schulen unter einem pädagogischen Blickwinkel anzuschauen, zu bewerten und zu entwickeln. Andreas Hinz schreibt: "Inklusion geht es darum, alle Barrieren in Bildung und Erziehung für alle Schülerinnen und Schüler auf ein Minimum zu reduzieren".
Barrieren abbauenViele Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sind nach wie vor unsicher im Umgang mit digitalen Medien. Ich habe noch niemanden kennen gelernt, der sich an der ein oder anderen Stelle nicht überfordert fühlt. Die Möglichkeiten Technik mitzugestalten sind oft unnötig eingeschränkt und der Einsatz im Unterricht braucht viel Mut und Erfahrung. Geschlechtsspezifische Zuschreibungen (Mädchen können keine Netzwerkkarten einbauen) und von Voreingenommenheit zeugende Etikettierungen (Geistigbehinderte müssen nicht im Internet kommunizieren) tun das ihre, um Barrieren zu verfestigen. Wenn es darum geht, bei Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften eine "Teilhabe-Qualifikation", eine "Eintrittskarte ins "digitale Zeitalter" zu entwickeln, gilt es, an diesen Barrieren gemeinsam zu arbeiten.
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Markus Schega ist Grundschullehrer und koordiniert das Projekt Kulturelle Bildung im Medienzeitalter "Kinder machen Kunst mit Medien" in Berlin. Für Lehrer-Online ist er als Fachberater für den Bereich Sonderpädagogik zuständig.
Förderunterricht, Lernstrategie, Integration, Chancengleichheit