Anlässlich der verbindlichen Einführung der Reform der deutschen Rechtschreibung im August 2005 lohnt ein Blick auf die Neuerungen der Orthographie. Auch wenn viele Schülerinnen und Schüler bereits seit 1998, als die Kultusministerkonferenz die Reform billigte, in der neuen Rechtschreibung unterrichtet werden, gibt es immer noch Unsicherheiten - nicht nur in der "neuen" Rechtschreibung. Als Lern- und Übungsprogramm kann "Tutor" helfen, Rechtschreibschwächen auszugleichen. Trainiert werden können damit neben der Schreibung der s-Laute unter anderem die Großschreibung oder Vokaldehnung.
Blick hinter die EtikettenDerzeit befinden sich auf dem Markt für Lernsoftware viele kommerziell hergestellte Produkte, die durch ihre multimediale, will sagen bunte, bewegte und laute Gestaltung auf sich aufmerksam machen. Die Etiketten "Lernsoftware" oder "Abgestimmt auf die Lehrpläne der Schulen" bedürfen jedoch einer genaueren Analyse. Nicht alles, was unter dem Titel "Lernsoftware" angeboten wird, fordert und fördert einen Lernprozess.
Umfangreiche ThemenbereicheMit dem Programm "Tutor" können Sie entweder sofort arbeiten oder erst eigene Übungen erstellen beziehungsweise vorhandene Texte verändern. Die aktuelle Version 4 berücksichtigt folgende Themen:
Einheitlicher Aufbau erleichtert die OrientierungJedes Thema ist gleichartig aufgebaut, so dass sich die Schülerinnen und Schüler nach kurzer Einarbeitungszeit schnell zurechtfinden werden. Dem Anspruch, mit diesem Programm wirklich etwas lernen zu können, soll die Abfolge von Problemstellung, Erklärung, Übung, Zusammenfassung und weiteren Übungen gerecht werden.
Platz auf einer DisketteDas Programm "Tutor" läuft unter Windows 95 bis XP, jedoch nicht auf 64-Bit-Systemen. Da das Programm mit allen seinen Bestandteilen auf einer 1,44-MB-Diskette Platz findet, wurde auf die Netzwerkfähigkeit kein Wert gelegt. Wenn es unter bestimmten Bedingungen im Netzwerk nicht läuft, kann es einfach von Disketten gestartet werden. Eine Installation erübrigt sich. Die Programmdateien können jedoch in ein beliebiges Verzeichnis einer Festplatte kopiert und dort aufgerufen werden. Es werden keine DLLs oder INI-Dateien in einem anderen Verzeichnis angelegt. Auch die "Registry" wird nicht verändert. Sie können das Programm daher wieder vollständig aus dem System entfernen, indem sie alle Dateien in dem vorher angelegten Arbeitsverzeichnis und diesen Ordner selbst löschen.
HilfestellungenFür die Bedienung von "Tutor" gibt es eine Anleitung in Form einer Hilfedatei, wie sie aus anderen Windows-Programmen bekannt ist. Diese Hilfedatei dient zugleich als Handbuch. Sie kann über den Menüpunkt <Hilfe>, die Taste F1 oder Schalter mit der Aufschrift "Hilfe" von jeder Stelle im Programm aus aufgerufen werden.
Realschüler und Gymnasiasten als Zielgruppe"Tutor" eignet sich ohne Einschränkung für die Verwendung in Realschulen und Gymnasien. In Grund- und Hauptschule sollte die Arbeit mit dem Computer jedoch besonders sorgfältig vorbereitet werden. Ein kleines Problem kann außerhalb des gymnasialen Bereichs darin liegen, dass das Programm stets die lateinischen Fachbegriffe verwendet. Ein Glossar mit den deutschen Entsprechungen ist allerdings integriert. Zum Fachlehrplan Deutsch an Realschule und Gymnasien bieten sich Bezüge zu den Bereichen "Sprechen und Schreiben" oder Sprachlehre.
Gestaltungsspielraum für eigene ÜbungenAbgesehen vom Einsatz der vorhandenen Übungen kann jede Lehrkraft für individuelle Erfordernisse eigene Übungstexte entwerfen, die der Klasse dann zusätzlich zur Verfügung stehen. Eine besonders lehrreiche Übung besteht außerdem darin, dass Schülerinnen und Schüler eigene Übungstexte gestalten (learning by doing). Dazu eignen sich zum Beispiel Aufsätze, die in der jeweiligen Lerngruppe verfasst wurden. Während die Schülerinnen und Schüler überlegen, bei welchen Wörtern eventuell orthographische Probleme auftauchen könnten, um daraus eine entsprechende Lückentextaufgabe zu gestalten, lernen sie ganz nebenbei die jeweils anzuwendende Regel kennen. Auch häufiges Nachschlagen von Zweifelsfällen in Rechtschreibwörterbüchern oder die Diskussion in Partnerarbeiten dienen dem Lerneffekt. Von der Lehrkraft bereits korrigierte Übungsaufsätze können auf diese Weise intensiv nachbearbeitet werden.
Hilfsmittel im schülerorientierten, binnendifferenzierten UnterrichtDas Programm berücksichtigt häufige Fehlerquellen wie beispielsweise die Vokaldehnung, die Großschreibung oder den Unterschied zwischen einfachem und doppeltem s-Laut. Durch den einheitlichen Aufbau und die kurze Einarbeitunsgzeit motiviert es Schülerinnen und Schüler, jenseits von Arbeitsblättern und Schulbüchern ihre Orthographie-Kenntnisse zu überprüfen und auszubauen. Der Vorteil: Jeder kann sein Tempo selbst bestimmen und bekommt eine individuelle Rückmeldung, die im lehrerzentrierten Unterricht in dieser Form nicht möglich wäre. Das heißt allerdings nicht, dass die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler mit den Übungen allein lassen sollte. Selbstverständlich sind Rückfragen und Kontrollen nötig. Das Programm bietet in diesem Zusammenhang den eindeutigen Vorteil, dass es durch selbst erstellte Übungen oder Rückmeldungen ergänzt und an die Bedürfnisse der Lerngruppe angepasst werden kann.
Günther Neumann ist seit 1998 bayerischer Landesbeauftragter für den Computereinsatz im Deutschunterricht und Fachberater für das Fachportal Deutsch bei Lehrer-Online.
Rechtschreibung, Grammatik, Linguistik