Werner Jauch
20.02.2006

Spiel- und Theaterpädagogik multimedial

Diese CD-ROM liefert einen umfassenden Einblick in wesentliche Bereiche theaterpädagogischer Arbeit. Ein Schwerpunkt des multimedialen Materials liegt auf der Arbeit mit Theatergruppen im schulischen AG-Bereich.
 

Das Set von vier CD-ROMs liefert einen umfassenden Einblick in wesentliche Bereiche theaterpädagogischer Arbeit. Der Schwerpunkt des multimedialen Materials liegt auf der Arbeit mit nicht-professionellen Theatergruppen: sowohl im schulischen AG-Bereich als auch in der außerschulischen Jugendarbeit und in der Erwachsenenbildung. Gut verwendbar ist diese CD-ROM außerdem im Aus- und Fortbildungsbereich zur Theaterpädagogik. Die Fülle der visuellen und akustischen Darstellung und des umfangreichen Textmaterials lassen einen Einsatz sowohl im größeren didaktischen Kontext, als auch punktuell im Sinne von Unterrichtsmodulen zu.

Inhalt

CD-ROM 1 - Bewegungstheater
Grundlegende Körper- und Vertrauensübungen als Voraussetzung für jegliches theaterpädagogisches Arbeiten werden auf der ersten CD-ROM vermittelt:
Warm-ups mit Partner und in der Gruppe
einfache akrobatische Übungen
der Umgang mit Körper und Raum für elementares choreografisches Arbeiten auf der Bühne.
Gut sind die Kürze und die Überschaubarkeit vieler Übungen. Als besonders hilfreich für den genauen Ablauf erweisen sich die Filmsequenzen mit der Möglichkeit langsamen Vor- und Rücklaufs. Kleine Improvisationen und eine Straßen-Performance von Studentinnen und Studenten der Theaterpädagogik machen anschaulich, wie solche Übungen auch als Gestaltungselemente eingesetzt werden können.

CD-ROM 2 - Rolle im Alltag
Zentrales Thema der zweiten CD-ROM ist der Einsatz theatraler Mittel im Hinblick auf die Erlangung sozialer Kompetenzen. Die Persönlichkeitsbildung in der Tradition von Augusto Boal und seine szenische Verhaltensforschung für ein Theater der Unterdrückten spielen hier eine wesentliche Rolle. Video-Ausschnitte aus Boal-Workshops und zahlreiche Übungen und Theatertechniken zu Selbsterfahrung und Selbstbestimmung und dem Eingreifen der Zuschauer (Forum-Theater) grenzen diesen Bereich der Theaterpädagogik gegen ästhetisch-fiktionales Theater einerseits und Psychodrama-Methoden andererseits ab. Hierbei ergeben sich Ansatzpunkte für die Arbeit in Schule und Unterricht zur Förderung von Schlüsselkompetenzen (Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Präsentation), Ich-Stärkung als Gewalt- und Suchtprävention und Methoden szenischen Interpretierens im Deutsch- und Literaturunterricht.

CD-ROM 3 - Rolle im Theater
Im Unterschied zur vorhergehenden CD-ROM geht es in der dritten um den fiktiv-ästhetischen Bereich. Arbeitsmethoden zur Themen- und Rollenfindung sowie zur Gestaltung theatraler Formen werden vorgestellt. Spielerisch vermengen sich Eigenes und Fremdes unter den Als-Ob-Bedingungen der Theatervereinbarung. Am Beispiel des Pirandello-Stückes "Sechs Personen suchen einen Autor" werden Wege zur Auseinandersetzung mit der Thematik (Sein und Schein, Identitätskrise), zur Rollenfindung und der Gestaltung einer theatralen Figur aufgezeigt. Theater soll eine Gegenwelt entstehen lassen, von der aus die wirkliche Welt in Frage gestellt werden kann.

  • Für ein Theater der Spieler
    Der Fokus theaterpädagogischen Arbeitens liegt bei den Akteuren. Ihre Möglichkeiten und Besonderheiten sind der Ausgangspunkt, ihr Gestaltungspotenzial bestimmt die Darstellungsformen: Für ein Theater der Spieler, wider die Tyrannei des Textes! In diesem Sinne positioniert sich die Theaterpädagogik bei der Umsetzung literarischer Vorlagen eindeutig gegen eine enge Werk- und Texttreue zugunsten eines Verwertungspragmatismus. Das theaterpädagogische Methodenrepertoire sichert Verfahrensweisen, die den authentischen Zugriff in der Auseinandersetzung mit Theatervorgaben ermöglichen.
  • Autorentheater oder Eigenproduktion
    In der Unterscheidung zwischen Autorentheater und Eigenproduktion (Vom Chaos zur Gestalt) werden mithilfe zahlreicher Übungen und Trainingsformen Zugangsweisen zu beiden Formen theatraler Produktion aufgezeigt: zum Beispiel biografische Spurensuche, individuelle Einfühlung und Figurensplitting. Anhand von Techniken zur Freisetzung von Spielmaterial, Einbeziehung von Alltagserfahrungen, kreativem Schreiben und kreativem Umgang mit Requisiten, Materialien und Sprache werden in einem ergebnisoffenen Arbeitsprozess Bausteine für eine Spielvorlage gesammelt und wiederholbar gemacht.

CD-ROM 4 - Improvisation
Die letzte der vier CD-ROMs ergänzt zunächst die vorhergehende durch eine Reihe von einfachen Improvisationsübungen überwiegend aus dem Repertoire von Keith Johnstone. Sie zielt dann jedoch vor allem auf eine Vertiefung der Improvisationsfertigkeit der Spieler durch anspruchsvolles Gruppentraining und gibt schließlich einen Einblick in die speziellen Theaterformen des Impro-Theaters (Improshow und Theatersport) anhand einiger Videosequenzen von Aufführungen. Nützlich erscheinen hier vor allem die einfachen Improvisationsübungen, die sich für vielerlei Zwecke in der theaterpädagogischen Arbeit, gerade auch in der Schule, einsetzen lassen.

Einsatz im Unterricht

Darstellendes Spiel und fächerübergreifende Projektarbeit
Im Fach Darstellendes Spiel und in der fächerübergreifenden Projektarbeit lässt sich viel aus dem Übungsangebot verwenden und übertragen. Auch werden viele Anregungen gegegeben, die als methodischer Zugriff für die Fächer Deutsch, Fremdsprachen, Ethik, Geschichte und anderen dienen können. Dabei ist vor allem von Vorteil, dass sich nicht nur größere didaktische Einheiten, sondern auch kleinere thematische Sequenzen und einzelne Übungen losgelöst einsetzen lassen. Die kleinen Filmsequenzen bieten gerade bei Übungen, die sich verbal oft nur schwer und umständlich wiedergeben lassen, wertvolles und motivierendes Anschauungsmaterial. Die zahlreichen kurzen Statements der Studentinnen und Studenten der Theaterpädagogik zu ihren eigenen Erfahrungen mit den Übungen tragen sicher dazu bei, Skepsis und Vorbehalte bei Schülerinnen und Schülern abzubauen.

Materialien, Links und Glossar
Über den Index lassen sich aus jeder CD-ROM gezielt spezielle Inhalte herausgreifen. Gleichzeitig erhält man direkte Internetlinks. Außerdem gibt es umfangreiches Textmaterial als Druckvorlage, insbesondere eine ausführliche Bibliografie, die alphabetisch und thematisch geordnet ist, und ein Glossar zu allen Fachbegriffen.

Fazit

Übungen leicht und unmittelbar nachvollziehbar
Das umfangreiche Material ist inhaltlich gut strukturiert und meist ansprechend dargeboten, wenn auch die eine oder andere optische Spielerei verzichtbar erscheint. Gegenüber dem Medium Buch bieten die zahlreichen kurzen Filmsequenzen den unübersehbaren Vorteil, dass die Übungen leicht und unmittelbar nachvollziehbar sind. Dennoch gilt auch hier: Theaterpädagogische Arbeit setzt bei den Lehrenden praktische Erfahrung voraus. Es lässt sich ohne diesen eigenen Erfahrungshintergrund wenig 'vom Blatt' - oder hier 'vom Bildschirm' - umsetzen.

Erläuterungen teilweise zu knapp
Besonders bei der zweiten CD-ROM über die 'Rolle im Alltag' ist manches in der Darstellung zu knapp, so dass das Gesamtkonzept etwas verschwommen bleibt und kaum eine ausreichende Grundlage für die praktische Umsetzung geboten wird.

Außerschulischer und schulischer Einsatz
Für die Arbeit in der Theater-AG der Schule und für die Arbeit in außerschulischen Bereichen, wie freie Theatergruppen, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung, liefern die CD-ROMs für den theaterpädagogisch erfahrenen Gruppenleiter viele Anregungen und brauchbares Anschauungsmaterial. Im schulischen Unterricht muss genau darauf geachtet werden, unter welchen Voraussetzungen  sich der Einsatz empfiehlt. Lernziele, Zielgruppe und Vorkenntnisse müssen mit dem Einsatz der CD-ROMs abgestimmt sein.

Kurzinformation

TitelSpiel- und Theaterpädagogik multimedial
HerausgeberHerbert Tschamler, Elinor Lippert, Günter Frenzel
VertriebTheaterBuchVersand
Preis30,00 € (CD-ROM Serie 1-4)
SystemvoraussetzungenIBM-kompatibler PC: ab MS Windows 95, Pentium II, 350 MHz, Arbeitspeicher ab 64 MB, Grafiksystem min. 800x600, CD-ROM-Laufwerk min. 24-fach, Audio 16 bit, QuickTime ab Version 4

Informationen zum Autor

Werner Jauch unterrichtete 18 Jahre lang als Deutsch-, Französisch- und Theaterlehrer am Gymnasium. Seit 1995 arbeitet er als Theaterpädagoge und Schultheater-Referent für das Land Baden-Württemberg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Bereich Fremdsprachendidaktik mit Mitteln der Theaterpädagogik.

  • Mehr im Autorenverzeichnis
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