Jugendliche greifen immer früher zur ersten Zigarette. Auch wenn die Bundesregierung seit 2001 erstmals einen Rückgang der Zahl jugendlicher Raucher vermeldet, raucht fast ein Viertel der 12- bis 17jährigen. Die Thoraxklinik Heidelberg und das Internetportal www.drugcom.de beziehen neue Medien gezielt in ihre Präventionsarbeit ein und bereichern sie mit informativen und interaktiven Elementen.
Deutsche Jugendliche als Raucher in Europa SpitzeGerade unter Jugendlichen ist die Entwicklung des Rauchverhaltens Besorgnis erregend. Statistisch gesehen greifen sie inzwischen mit 13,6 Jahren zur Zigarette, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: Nach ihrer im Juni 2004 veröffentlichten Studie rauchen in Deutschland so viele Jugendliche wie in keinem anderen europäischen Land. Auch wenn die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, im September 2004 bekannt gab, die Zahl jugendlicher Raucher sei seit 2001 erstmals rückläufig und von 28 auf 23 Prozent zurückgegangen, ist das kein Grund zur Entwarnung.
Die Mädchen machen es nachVerschiedene bundesdeutsche Statistiken zum Rauchverhalten erfassen unterschiedliche Altersgruppe, unterscheiden sich daher in ihren prozentualen Angaben zum Anteil der Raucher an der Zielgruppe. Auffällig ist aber in allen Untersuchungen, dass immer mehr Mädchen rauchen. Während der Anteil der Raucherinnen und Raucher an der Gesamtbevölkerung in den vergangenen Jahren leicht zurückging (1999 lag er bei 28,3 Prozent, 2003 bei 27,5 Prozent, so das Statistische Bundesamt), stieg die Kurve bei Mädchen an. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nahm der Anteil der Raucherinnen im Alter von 12 bis 15 Jahren von 1993 bis 2001 von 12 auf 21 Prozent zu.
Informationen allein wirken nichtRauchprävention muss in der Schule und Jugendarbeit weiterhin einen festen Platz haben. In vielen Schulprogrammen ist sie ohnehin verankert. Das Problem: Selten fehlt es Jugendlichen an Informationen über die suchtfördernden, gesundheitsschädlichen Wirkungen des Nikotins. Info-Broschüren, kritische Schulbuchbeiträge, Diskussionen mit Lehrkräften oder Mitarbeitern der Drogenberatungsstelle vor Ort informieren zwar, ihre abschreckende Wirkung aber ist begrenzt, der pädagogische Zeigefinger ohnehin kontraproduktiv.
Individuelle Angebote mit InteraktionsmöglichkeitenDie Einbeziehung neuer Medien in die Präventionsarbeit bietet gleich mehrere Vorteile. Einerseits fördert die Affinität Jugendlicher gegenüber Internet und Co. ihre Motivation, sich über Online-Informationsangeboten mit dem Thema auseinander zu setzen. Sie lernen, das Internet nicht nur als Spaß-Medium zum Mailen, Chatten oder wahllosen Surfen, sondern gezielt als Informationsquelle zu nutzen. Andererseits bieten Online-Angebote interaktive Elemente wie Wissenstests, Tests zum Drogenkonsum oder anonyme Beratung, die besser auf individuelle Fragen und Gewohnheiten der Jugendlichen eingehen können als jedes Schulbuch.
Die Technik der neuen Medien ermöglicht sogar Einblicke, die weit über die Grenzen des Klassenraums hinausgehen, zum Beispiel bis hin zur Live-Übertragung einer Lungenspiegelung (Bronchoskopie) aus dem Operationssaal der Thoraxklinik Heidelberg, der größten Lungenfachklinik Deutschlands. Und auch die Hemmschwelle, Probleme in der anonymen Online-Beratung des Portals www.drugcom.de zu besprechen, ist geringer als bei einem Gespräch mit Mitarbeitern der Drogenberatung, bei dem nicht nur die gesamte Klasse, sondern auch die Lehrerin oder der Lehrer zuhören.
Die rauchfreie Schule ist ein wichtiges Signal, aber keine Garantie für einen Rückgang der Zahl jugendlicher Raucher. Zu einem gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinswandel gehört mehr.
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war Redakteurin für den Bereich Geisteswissenschaften bei Lehrer-Online.
Gesundheitserziehung, Sucht