Rolf Monnerjahn
15.12.2008

MELENCOLIA I  - Dürers geometrische Offenbarung

Dürers Kupferstich MELENCOLIA I von 1514 gilt als "mathematischste" Arbeit des Renaissancekünstlers. Vielfach wird in Besprechungen des Werks das darin enthaltene Magische Quadrat in den Vordergrund gestellt. Beeindruckender aber ist die bis ins Detail gehende geometrische Planung der Graphik im Dienst zunächst verborgener weltanschaulicher und autobiografischer Aussagen.
 

Schon die Meraner Reformvorschläge (1905) nennen als anzustrebendes Ziel des Mathematikunterrichts "...endlich und vor allem die Einsicht in die Bedeutung der Mathematik für die moderne Kultur überhaupt." In den "Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Mittleren Schulabschluss" (BLK-Beschluss vom 4.12.2003) ist zu lesen: "Mathematikunterricht ... ermöglicht ... folgende Grunderfahrungen: technische, natürliche, soziale und kulturelle Erscheinungen und Vorgänge mit Hilfe der Mathematik wahrnehmen, verstehen und unter Nutzung mathematischer Gesichtspunkte beurteilen". Die hier vorgeschlagene Unterrichtseinheit gibt Gelegenheit, eine solche Grunderfahrung am Beispiel eines Künstlers aufzunehmen, der sich selbst mindestens ebenso sehr als Mathematiker wie als Maler betrachtete. Von Dürer stammt übrigens auch das erste deutschsprachige Mathematikbuch.

 

Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • Erkennen, wie Dürer mit geometrischen Methoden (Streckenhalbierung, Diagonalen, Goldenes Rechteck, Goldener Schnitt, Zentralperspektive) den Bildaufbau in MELENCOLIA I konzipiert hat.
  • Analysieren, wie er durch Anordnen bildwichtiger Elemente auf Geraden weltanschauliche und auf sich selbst bezogene Aussagen formuliert hat.
  • Geometrische Konstruktionsmethoden, die in MELENCOLIA I angewendet wurden, nachvollziehen.

Kurzinformation

ThemaMELENCOLIA I - Dürers geometrische Offenbarung
AutorRolf Monnerjahn
FachMathematik, Bildende Kunst, Religion
ZielgruppeSekundarstufe I
Zeitraum4-5 Stunden
Technische VoraussetzungenDynamische Geometrie-Software (zur Ausführung geometrischer Konstruktionen)

Didaktisch-methodischer Kommentar

Voraussetzungen
Eine erste Einführung in die Darstellungsmethode der Zentralperspektive sollte im Kunstunterricht vorausgegangen sein. Im Mathematikunterricht sollten im Rahmen der Themen "Zentrische Streckung" und "Ähnlichkeit" grundlegende Begriffe und Konstruktionsmethoden vermittelt sein.

Vorgehen
Die Unterrichtseinheit empfiehlt sich für eine fächerübergreifende Zusammenarbeit von Mathematik, Bildender Kunst und eventuell Religion mit projektorientierter Unterrichtsgestaltung. Schülerinnen und Schüler sollten angeleitet werden zu (beispielsweise) Recherchen zur Biografie Dürers, Grundeinstellungen des Humanismus, mathematischen Interessen und Aktivitäten Dürers, Ängsten und Konflikten im Zusammenhang mit historischen Ereignissen in Dürers Lebenszeit. Anschließend stellen sie die Ergebnisse ihrer Recherchen in Kurzreferaten oder in einer Wandzeitung vor.

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melencolia_materialien.zip
 

Internetadresse

Zusatzinformationen

Informationen zum Autor

Rolf Monnerjahn ist Realschullehrer für Mathematik, Physik und Informatik. Er ist Autor von Schulbüchern, Unterrichtshandreichungen und Lernsoftware und hat an Lehrplanentwicklung und an Modellversuchen zum computerunterstützten Unterricht mitgewirkt.

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