Sven Ludwig
01.07.2003

Hands on Europe

Vier Grundschulen - aus den Niederlanden, aus Spanien, Wales und Deutschland - haben von 2000 bis 2003 im Rahmen eines Comenius-Projektes sehr eng zusammengearbeitet. Der Schwerpunkt lag auf der Entwicklung einer europäischen Dimension bezüglich des Einsatzes der neuen Medien. Dabei wurde ein weites Experimentierfeld an (Inter-)Aktivitäten für Kinder abgedeckt.
 

Die Kinder arbeiteten in Projekten zu verschiedenen thematischen Schwerpunkten. Zur Kommunikation und Präsentation wurden neben herkömmlichen Medien der Computer und das Internet eingesetzt. Eine vielleicht eher seltene Variante der Verständigung war bei diesem Projekt die Videokonferenz, bei der sich Kinder zeitgleich über ein Thema austauschen konnten.

 

Projektplanung

Land und Leute kennen lernen
Die Finanzierung der Comenius-Projekte  wurde mit Mitteln der Europäischen Union abgewickelt und bot den beteiligten Schulen gute Planungsvoraussetzungen. So konnten sich die Lehrkräfte bereits im vorhinein in den jeweiligen Ländern treffen. Das erste Vorbereitungstreffen fand im Jahr 2000 in Wales statt. Es folgten weitere Treffen in Deutschland sowie in den Niederlanden und in Spanien. Ganz nebenbei eine gute Möglichkeit Land und Leute sowie neue Unterrichtsideen und andere Unterrichtsformen in den Schulen kennen zu lernen. Wie wichtig die Organisation dieses Projektes war und was dabei herausgekommen ist, wird beim Besuch der Projekt-Homepage deutlich.

Vorstellung der Projekte - Das erste Jahr

Story telling

Im ersten Projekt ging es um das Schreiben von Geschichten. Dabei waren die einzelnen Aktivitäten altersgerecht differenziert. Die sechs bis achtjährigen Kinder aller Schulen sollten eine Geschichte mit Bildern erstellen, die eine bekannte Legende ihres Landes vorstellt. Die Geschichten wurden in den jeweiligen Landessprachen und in Englisch verfasst und mit Bildern versehen. Außerdem bekamen die Geschichten einen "Audio-Untertitel", vorgelesen von den Kindern.

"Guess Who"
Ein Projekt im zweiten Term, das "Guess Who"-Spiel bezog Internet und E-Mail ein. Auf der Homepage konnte ein Bogen mit vorgegebenen Personeneigenschaften heruntergeladen werden. In diesen Bogen wurde jeweils das Foto eines Kindes eingefügt. Jedes Kind kreuzte seine individuell passenden Eigenschaften an und mailte oder faxte den Bogen dann an die Partnerschule. Die Kinder vereinbarten anschließend einen Termin im Chat-Room oder zur Videokonferenz. Beide Schulen suchten sich eine "mystery person" aus den Bogen, die erraten werden sollte. Durch das Abfragen der Eigenschaften sollten die Kinder die gesuchte Person herausfinden. Eine gute Möglichkeit um einander - auch ohne persönlichen Kontakt - kennen zu lernen.

Das zweite Jahr

Wetterbeobachtung
Im zweiten Jahr fanden Projekte zum Thema "Wetterbeobachtung" statt, die wiederum in verschiedene Phasen eingeteilt waren. Wetterdaten über die Temperatur oder den Wind sowie Niederschläge wurden ermittelt und verglichen. Anschaulich konnte das Wetter in Form von Jahreszeitenbildern der einzelnen Partnerschulen gegenübergestellt werden, bevor mit Hilfe von Messinstrumenten Niederschlagsmenge, Temperatur, Windstärke und Windrichtung ermittelt und in einer Tabelle festgehalten wurden. Die Wetterdaten wurden über mehrere Wochen per Mail ausgetauscht, die Jahreszeitenbilder per Postkarte verschickt. In einer Videokonferenz konnten die Messinstrumente präsentiert werden. Auf der Webseite sind die unterschiedlichen Wetterdaten in anschaulichen Grafiken dargestellt. In einem weiteren Projekt wurde eine landestypische Wetternachrichtensendung auf Video gedreht und an die Schulen gesandt.

Umweltthemen
In der zweiten und dritten Phase ging es um Umweltverschmutzung und Umweltschutz. In einer Videokonferenz wurden verschiedene Umweltbelastungen an den jeweiligen Schulen genannt und diese miteinander verglichen. Via E-Mail legten die Schülerinnen und Schüler gemeinsame Möglichkeiten und Ziele der Abfallvermeidung an ihren Schulen fest. Gemeinsam wurden Aufgaben zur Abfallvermeidung vereinbart und in den Schulen umgesetzt. Zur Halbzeit fand wieder eine Videokonferenz zum Austausch zwischen den Schulen statt, um Ideen und Tipps zur Verbesserung zu sammeln.

Präsentation der Ergebnisse
Zum Abschluss des Projektes wurde ein Artikel mit den Ergebnissen des Projekts erstellt, der - mit Fotos illustriert - ausgetauscht wurde. Ein "Umweltlied" in den vier Sprachen der teilnehmenden Schulen wurde eingespielt: Den von der walisischen Schule verfassten Text haben die Partnerschulen in die jeweilige Landessprache übersetzt. Die fertigen Songs wurden in Wales abgemischt. Den Song kann man jetzt von der Homepage herunterladen und anhören.

Das dritte Jahr

"HazweiOh"
"Wasser" war das Thema des dritten Projektjahres.  Ein Versuch zur Kohäsionskraft wurde durchgeführt: Dabei wurde die Flüssigkeit mit einer Pipette auf eine Euro-Münze aufgetragen. Die Schülerinnen und Schüler beobachteten, wie viel Wasser aufgetragen werden kann, bis es überläuft. In weiteren Versuchen wurden die Aggregatzustände (Erwärmung, Gefrieren) und die Löslichkeit von Stoffen (Zucker und Salz) durchgeführt. Die Ergebnisse und Erfahrungen der Schulen wurden wieder in einer Videokonferenz ausgetauscht und auf der Homepage veröffentlicht.

Schneller, größer, weiter
Erwähnenswert und interessant ist auch ein Versuch mit Osterglocken. Ein Päckchen mit Osterglockenzwiebeln wurde an alle Projektschulen verschickt und in Töpfe gepflanzt. Nun wurde beobachtet, welche Pflanze am schnellsten wächst und welche Pflanze am größten wird. Das Ziel dabei war, festzustellen, inwieweit das Klima beim Wachstum von Pflanzen eine Rolle spielt. Interessant ist dabei sicherlich auch der Abgleich mit den gemessenen Wetterdaten.

Was bringt ein solches Projekt?
An erster Stelle stand in diesem Projekt sicherlich der Ausbau interkultureller Kontakte zwischen den unterschiedlichen Ländern. Mithilfe von E-Mail, Postkarten, Homepage und Videokonferenzen konnten die Schüler und Schülerinnen etwas über Gemeinsamkeiten und die Verschiedenartigkeit der europäischen Kulturräume lernen. Dabei boten die neuen Medien besondere Vorteile, wie die zeitgleiche und relativ persönliche Kommunikationsmöglichkeit einer Videokonferenz oder aber auch der schnelle Austausch via Mail und Homepage. Neben diesen Hauptzielen spielte sicherlich auch der eher "beiläufige" Umgang mit verschiedenen Medien eine Rolle. Die Kinder erhielten in praktischen, um die Themen herum, und  nicht "künstlich" erzeugten Lernsituationen Kompetenzen sowohl im Umgang mit Computer, Internet und der Videokamera als auch in den curricularen Lernfeldern.

Internetadressen

Informationen zum Autor

Sven Ludwig ist Lehrer an einer Grundschule in Pulheim-Stommeln.

  • Mehr Infos im Autorenverzeichnis
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