Desktop-GIS im Unterricht

Geographische Informationssysteme (GIS) haben sich in der letzten Dekade zu einem zentralen Instrument der Geographie entwickelt und sind inzwischen weit über die Grenzen unseres Fachs hinaus erfolgreich im Einsatz. Endlich einmal wieder eine wissenschaftlich wertvolle - und für die Geographie als Fach werbewirksame! - Innovation, die maßgeblich in unseren Reihen entwickelt wurde und die wir nicht leichtfertig vernachlässigen sollten.
 

Aufgrund ihrer Vielfalt wurde die Geographie immer wieder Opfer lateraler Themen- und Methodenerosion, die schon oft dazu geführt haben, dass wichtige Kompetenzen an benachbarte Disziplinen abgetreten wurden. Diese Entwicklung droht auch in Bezug auf die geographischen Informationssysteme. Dem sollte bereits an den Schulen entgegengewirkt werden. Denn eines ist sicher: GIS-kompetente Geographielehrerinnen und -lehrer werden dem Ansehen des Fachs nicht zum Nachteil gereichen. So kann GIS dazu beitragen, unser "Nebenfächler-Image" deutlich zu verbessern. Es geht bei GIS also auch um die positive Darstellung der Geographie als Leitfach für ein modernes Wissensmanagement. Die Position unseres Fachs könnte in der Schule eine solche Kräftigung durchaus vertragen.

Bewertung von GIS aus fachdidaktischer Sicht

Ein GIS besteht aus einem Softwarepaket und einer Datensammlung. In dem datenbankbasierten System werden raumbezogene Informationen erfasst, gespeichert, verknüpft und die Ergebnisse grafisch ausgegeben. Konkret bedeutet dies die Umsetzung abstrakter Zahlenwerte in interpretierbare Karten. Aus fachdidaktischer Sicht müssten GIS zum methodisch-medialen non plus ultra des Geographieunterrichts avancieren, denn GIS

  • zentriert Informationen aller Nachbarwissenschaften und präsentiert diese auf einem geographischen Silbertablett.
  • ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die Analyse von Daten und hilft bei deren Interpretation.
  • generiert Karten, also die geographischen Urmedien schlechthin.
  • fördert die Kommunikation innerhalb einer Lerngruppe, regt zum kritischen Hinterfragen an und vieles, vieles mehr.

Zielgruppe und Unterrichtsorganisation

Leistungskurse der gymnasialen Oberstufe
Zugegeben - die auf dem Markt verfügbaren GIS-Softwarepakete zeigen unter den institutionellen Rahmenbedingungen der Schule leider Schwächen und Grenzen, die in erster Linie auf die Komplexität der Anwendungen zurückzuführen sind. Auswege liegen in einer Reduzierung der Funktionen - womit aber Einbußen der GIS-spezifischen Charakteristika hingenommen werden müssen - oder einer Begrenzung des GIS-Einsatzes auf bestimmte Schülergruppen. In erster Linie bieten sich hier Leistungskurse der gymnasialen Oberstufe an. Diese sollen schließlich die Studierfähigkeit der Schülerinnen und Schüler anbahnen. Da GIS zum elementaren geographischen Handwerkszeug gehört, sollte die entsprechende Methodik zumindest hier unbedingt eingesetzt werden.

Tipps zur Unterrichtsorganisation
Hinsichtlich des Unterrichtsablaufs erscheint es praktisch ausgeschlossen, im traditionellen 45-Minutentakt mit GIS zu arbeiten. Es empfiehlt sich daher, mit Kolleginnen und Kollegen Stunden zu tauschen, um so mindestens Doppelstunden zur Verfügung zu haben. Optimal ist ein Einsatz im Rahmen von Projektwochen. Eine gründliche Planung der Unterrichtsreihe, in der ein GIS genutzt werden soll, ist unerlässlich und erfordert insbesondere bei einer "Premiere" wesentlich mehr Zeit als die Planung nicht GIS-gestützter Unterrichtseinheiten. Da aber Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern ein neuer geographischer Horizont eröffnet wird, lohnt sich der Aufwand allemal.

Warum GIS in der Schule nicht fehlen darf

Zukunftsrelevanz
Ein starkes Argument für den GIS-Einsatz ist die hohe Zukunftsrelevanz für die Schülerinnen und Schüler, die von der Schule in eine Arbeitswelt entlassen werden, in der sich der Umgang mit dem PC längst zu einer basalen Kulturtechnik entwickelt hat. Nicht zuletzt die Kenntnis geographischer Informationssysteme wird den Absolventen vielfältige und interessante Berufsfelder öffnen können. Dabei geht es nicht um die Erschaffung von den wirtschaftlichen Notwendigkeiten angepassten Computerfreaks, sondern darum, jungen Menschen in der Schule Perspektiven aufzuzeigen und Grundkenntnisse zu vermitteln, mit denen sie sich auf dem zunehmend internationalisierten Arbeitsmarkt orientieren und behaupten können.

Motivation
Die Arbeit mit dem GIS stellt eine inhaltliche und methodische Bereicherung des Unterrichtsgeschehens dar und macht sich erfahrungsgemäß durch eine deutliche Motivationssteigerung der Schülerinnen und Schüler bemerkbar. Jugendliche, mit denen ich im Rahmen der Vorbereitung von Facharbeiten für Geographie-Leistungskurse GIS-Schulungen durchführe, äußern sich sehr positiv. Einhellig wird konstatiert, dass das Programm letztendlich - nach rund zehn Stunden Schulung - gut zu beherrschen sei. Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler geht jedoch bereits mit fundierten Computerkenntnissen in die Schulungen, was die Einarbeitung zweifellos erleichtert.

Vorurteile und Hemmschwellen überwinden

Schulung empfehlenswert
In den Schulen werden immer wieder kritische Stimmen laut, die den Einsatz von GIS aus verschiedenen Gründen ablehnen. Das Alter der Kolleginnen und Kollegen ist dabei nicht entscheidend. Denn gerade ältere und erfahrene Lehrerinnen und Lehrer empfinden Neuerungen als willkommene Abwechslung im beruflichen Routinezyklus. Vielfach steckt hinter der Ablehnung auch die Angst der Lehrenden vor einer vermeintlich unüberschaubaren Technik. Hier ist die Hemmung vor den neuen Medien zu überwinden. Ist dies einmal geschafft, bedeutet der GIS-Einsatz für die Unterrichtenden eine enorme Erweiterung ihres medialen und methodischen Repertoires. Um nicht bereits beim Erstzugriff frustriert zu kapitulieren, empfiehlt es sich professionelle Unterstützung durch ausgebildete "Trainer" in Anspruch zu nehmen, wie Sie zum Beispiel vom Westermann Verlag angeboten werden.

Erfahrene Schülerinnen und Schüler als Tutoren einsetzen
In der Regel verfügen zumindest einige Schülerinnen und Schüler eines Kurses über eine hohe Kompetenz im Umgang mit den neuen Medien. Mit deren Hilfe können sich auch weniger erfahrene Lehrerinnen und Lehrer durchaus auf das Experiment eines GIS-Projekts einlassen - vorausgesetzt einige Schülerinnen und Schüler bereiten dieses gründlich vor, indem sie sich mit der Software vertraut machen. In einem Tutorensystem können diese dann die unerfahrenen Schülerinnen und Schüler anleiten und den Lehrkräften zur Seite stehen.

Informationen zum Autor

Dr. Gregor C. Falk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachdidaktik am Geographischen Institut der Humboldt Universität zu Berlin.

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