Im Computerraum, an der elektronischen Tafel oder am heimischen Rechner können Lernende ihr fotografisches Gedächtnis in einem Experiment testen, mit dem eine japanische Forschergruppe die Fähigkeiten von Primaten untersucht. Das Ergebnis - der Mensch hat keine Chance gegen den Schimpansen - kann im Unterricht unter dem Aspekt der Evolution des Menschen und dem Vergleich von Mensch und Menschenaffe behandelt werden. Dabei kann auch der fortschreitende Verlust der fotografischen Eigenschaften unseres Gedächtnisses während der individuellen Entwicklung thematisiert werden. Ein Effekt, den man gut kennt, wenn man schon einmal mit kleinen Kindern Memory gespielt hat. Weitere Anknüpfungspunkte zu dem hier vorgestellten Experiment bietet die Neurobiologie des Lernens.
Die Schülerinnen und Schüler sollen
Dass Affen und Menschen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen, wissen wir spätestens seit 1871, dem Jahr der Veröffentlichung der Evolutionstheorie durch Charles Darwin. Von allen Tieren sind uns die Menschenaffen am ähnlichsten. Besonders im Verhalten der Schimpansen erkennen wir uns häufig wieder. In Bezug auf die Wahrnehmungsfunktionen der Tiere nahm man lange Zeit an, dass sie denen der Menschen unterlegen seien. In Experimenten stellte sich jedoch heraus, dass erwachsene Menschen viel länger brauchen, um sich die Anordnung verschiedener Ziffern auf einer Bildschirmseite zu merken, als Menschenaffen. Das Gedächtnis der Affen scheint geradezu fotografisch zu sein! Auch bei kleinen Kindern tritt dieses Phänomen auf. Das Talent lässt aber beim Menschen mit zunehmendem Alter nach - ein Effekt, den man beim Memory-Spielen deutlich zu spüren bekommt: Hier gewinnen meistens die Jüngsten. Der zunehmende Interpretationsaufwand (Bewertung und Selektion von Informationen), den die Gehirne der Erwachsenen betreiben, verbraucht möglicherweise die "Rechenkapazitäten" des Gehirns, die kleinen Kindern und Menschenaffen für ein speicherintensives fotografisches Gedächtnis zur Verfügung stehen.
Dr. Matthias Nolte studierte an der Universität zu Köln Biologie und Chemie auf Lehramt (Sek I und II) und promovierte 2005 in Anorganischer Chemie. Seit Sommer 2007 unterrichtet er Biologie, Chemie und Physik an der Erzbischöflichen Marienschule in Leverkusen-Opladen.
Evolution (Biologie), Neurobiologie, Verhaltensforschung