Im direkten Vergleich mit anderen Ländern liegen wir in Sachen Lesen auf den hinteren Plätzen. Das hat uns PISA schmerzlich vor Augen geführt. Und dabei ist der gesellschaftliche Konsens in der Frage, wie wichtig Lesen ist, unangetastet. Wer Tag für Tag als Lehrkraft in der Schule steht, weiß, wie schwierig - oder besser gesagt: nahezu hoffnungslos - es ist, Kinder für das Lesen zu begeistern. Lassen Sie mich dennoch eine neue Methode vorstellen, die auf genial-einfache Weise Kinder zum Lesen, einige sogar zum Verschlingen von Büchern bringt. Für diesen Weg, der eine Verbindung zwischen neuem und altem Medium darstellt, steht der Begriff Antolin.de.
Antolin ist eine Lesesoftware, die seit drei Jahren im Internet verankert ist und immer mehr Lehrerinnen und Lehrer, Schulämter, Eltern und vor allem Kinder in ihren Bann zieht. Antolin wurde vom Autor zusammen mit Eltern, Lehrkräften und Kindern der Volksschule Ruderting in Bayern entwickelt. Inzwischen arbeiten mehr als 200.000 Kinder in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich mit Antolin. Die Stiftung Lesen, das Bayrische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die Stiftung Partner für Schule NRW und das Aktionsprogramm n-21: Schulen in Niedersachsen online unterstützen die Leseförderung mit Antolin.
Das System, das hinter Antolin steckt, ist schlicht: Jedes Kind, das bei Antolin.de über seine Schule angemeldet ist, bekommt ein eigenes Konto im Internet. Zu jedem Buch, das es gelesen hat, beantwortet es online fünf bis fünfzehn Inhaltsfragen per Multiple Choice. Entsprechend der Leistung wird das Kind mit Punkten belohnt.
Die Erfolge sind geradezu fantastisch. So lasen die Kinder einer vierten Klasse beispielsweise mit Hilfe des Programms Antolin.de im Zeitraum eines halben Schuljahres 54 Bücher im Schnitt, manche Kinder brachten es auf bis zu über 100. "Lesen" stieg in seiner Wertigkeit um ein Vielfaches, die Lesestunden mit Antolin sind für Kinder und Lehrkräfte die Lieblings-Unterrichtsstunden geworden. Wichtig ist dabei die richtige Buchauswahl. Im Idealfall stellt die Lehrkraft den Kindern die richtigen Bücher zur Verfügung. Grundsätzlich gilt: Es sind die aktuellen, die gut aufgemachten, nicht zu dicken Bücher, die Kinder motivieren.
Mehr als 6.000 BücherJeden Tag wächst die Zahl der Bücher und Quizfragen bei Antolin. Bereits mehr als 6.000 Bücher, von Romanen über Sachbücher bis hin zu Nachschlagewerken, finden Schülerinnen und Schüler online. Dazu gehören auch Englisch- und Französisch-Bücher. Die Literatur wird für Klassenstufen empfohlen, von Klasse eins bis sechs.
Schwierigkeitsstufen beim Quiz wählbarBei Antolin haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich den Schwierigkeitsgrad der Fragen auszusuchen. Ein Buch mit dem Symbol "Blaue Kappe" besagt, dass die Fragen sich mit dem Inhalt des Buches befassen. Diese sind relativ leicht, wenn man die Geschichte gelesen und verstanden hat. Traut ein Kind sich jedoch mehr zu, wird es die "Rote Kappen-Version" wählen. Hier wird es nach Charaktereigenschaften der einzelnen Figuren, nach Aufbau und Struktur der Geschichte, nach historischen Zusammenhängen und nach Bedeutungen von Fremdwörtern gefragt.
Nachschlagewerke per QuizEntzogen sich bisher Lexika und detaillierte Sachbücher dem Zugriff von Antolin, so gilt dies seit kurzem nicht mehr. In den speziell als "Zum Nachschlagen" deklarierten Büchern können sich die Schülerinnen und Schüler, am besten in Partnerarbeit, mit dem Lexikon vor dem Bildschirm im Nachschlagen zu üben. Auch hierfür gibt es Punkte.
Rabatte für SchulträgerWeil Antolin immer mehr Kinder, Eltern und Lehrkräfte begeistert, bietet der Verlag Schroedel nun Lizenzen zu Sonderkonditionen an. Dabei bestellt der Schulträger für alle seine Grundschulen eine Lizenz für Antolin.de.
Albert Hoffmann ist Schulleiter an einer Grundschule in Bayern. Er ist der Initiator von Antolin und an der Entwicklung maßgeblich beteiligt.
Kinderliteratur, Leseförderung