Xtimeline - Zeitleisten erstellen im Netz

Für die chronologische und überblicksartige Darstellung von Geschichte im Netz gibt es eine recht junge Web-2.0-Funktionalität: Xtimeline ermöglicht das unkomplizierte Erstellen einer Zeitleiste im Internet.
 

Spätestens seit dem Ende der achtziger Jahre hat sich das Prinzip der Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht durchgesetzt. Das Produkt der Schülerinnen und Schüler rückte immer stärker in den Mittelpunkt der Geschichtsdidaktik. Ein rein an der Chronologie wie am linearen Zeitstrahl orientierter Geschichtsunterricht - wie er noch in den fünfziger und sechziger Jahren üblich war - schien sich überlebt zu haben. Allerdings zeigte sich relativ schnell, dass ein Mindestmaß an Orientierung im historischen Raum zur Bearbeitung historischer Frage- und Problemstellungen unabdingbar ist. Die Zeitleiste erlebte eine Renaissance in Form eines Geschichtsfries im Klassenzimmer. Hierbei handelte es sich mit Bildmaterialien, Symbolen und informativen Texten um eine anschauliche Form der Chronologie, die den Schülerinnen und Schülern zahlreiche kreative Gestaltungsmöglichkeiten bot. Allerdings erforderte auch diese Methode Vorgaben: So muss ein  festgesetzer Maßstab auf der x-Achse eingehalten werden, bei synoptisch und multidimensional angelegten Geschichtsfriesen muss die y-Achse eine klare Gliederung aufweisen.

Zeitleisten - Nutzen und Umsetzung

Web 2.0 im Geschichtsunterricht
Im Zeitalter des Geschichtsunterrichts 2.0 ermöglichen nun auch Internet-Dienste, wie der in diesem Beitrag vorgestellte Dienst Xtimeline, die gemeinschaftliche Erstellung von Zeitleisten, die online orts- und zeitunabhängig verfügbar sind.

Zeitleisten im Unterricht
Aus Sicht der Geschichtsdidaktik erfüllen Zeitleisten unterscheidliche Funktionen. Je nach Konzeption können sie einerseits auf vielfältige Weise Beiträge zur Ausbildung von Geschichtsbewusstsein leisten. So erhalten die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel durch den Einsatz dieser Form visualisierter Chronologie eine anschauliche Vorstellung vom historischen Ort eines Ereignisses (Temporalbewusstsein) und können Entwicklungen in ihrem "Gewordensein" erfassen (Historizitätsbewusstsein). Zunächst unzusammenhängend erscheinende Einzelereignisse werden in eine Art Kontinuum gestellt. Andererseits kann der Nutzen von Zeitleisten ebenso durch den Ort in der Unterrichtspraxis bestimmt werden.

Ergebnissicherung und Erarbeitungshilfe
Zeitleisten erfüllen verschiedenste Funktionen im Unterrichtsgeschehen. Sie können mit entsprechenden Kommentierungen zur Ergebnissicherung sowie als methodische Hilfe zur Erarbeitung selbst, zum Beispiel im Rahmen einer Quelleninterpretation, herangezogen werden. Letzten Endes ermöglichen Zeitleisten auch ein Wiederholen und Zusammenfassen von größeren Zusammenhängen, zum Beispiel am Ende einer Unterrichtseinheit.

Funktionalitäten von Xtimeline

Ein Dienst zur Erstellung von Zeitleisten
In diesem Rahmen lässt sich der Web 2.0 Dienst Xtimeline ins Unterrichtsgeschehen einbinden. Auf der Startseite werden dem Nutzer die gerade in Bearbeitung befindlichen - englischsprachigen -Zeitleisten präsentiert. Xtimeline liefert verschiedene Möglichkeiten, für den eigenen Unterricht geeignete Zeitleisten aufzufinden. Rein formal können die Treffer zum Beispiel hinsichtlich der Sprache eingeschränkt werden. Aber auch ein themenspezifisches Auffinden von Zeitleisten ist möglich. Alle bei Xtimeline hinterlegten Zeitleisten können mit Hilfe einer Suchfunktion durchforstet werden. Die Abfrage sucht nach Ereignissen und Schlüsselwörtern. Die Kategorisierung erleichtert ebenfalls die Auffindung. Als Entscheidungshilfe und gegebenenfalls auch Qualitätsindikator kann das Rating (die Bewertung durch die Community-Mitglieder) herangezogen werden.

Zeitleisten erstellen
Auch das Erstellen eigener Zeitleisten gestaltet sich denkbar einfach. Nachdem sich der Nutzer eingeloggt hat, kann durch einen Klick auf den Reiter Create mit der eigenen Zeitleistenerstellung begonnen werden. Xtimeline wünscht zunächst einige Basisinformationen über die zu erstellende Zeitleiste. Die für die Unterrichtspraxis interessanten Einstellungen folgen im unteren Teil des Hauptframes. Hier können die Zugriffsrechte eingestellt werden: Wer hat noch außer dem Urheber das Anrecht, die Zeitleiste zu bearbeiten? Wer darf die Zeitleiste sehen? Sind Kommentare erlaubt oder nicht? Nachdem diese Grundeinstellung vorgenommen wurde, wird durch Klick auf "Create!" die Zeitleiste erstellt.

Zeitleisten berarbeiten
Nun kann endlich losgelegt und die Zeitleiste bearbeitet werden. Die Benuteroberfläche zeigt im Zentrum alle bisher vorhandenen Ereignisse der Zeitleiste mit Titel und Ereignisbeschreibung. Durch Klick auf Add Event können Ereignisse hinzugefügt werden. Notwendige Eingaben sind Titel, das Datum des Ereignisses beziehungsweise Zeitintervalls, einzubindende Medien (Fotos, Videos, Flashanimationen), Beschreibung, Quellenangabe und Schlagworte. Selbstverständlich sind alle Einstellungen nachträglich auch noch veränderbar. Zu den Ereignissen kann in der Zeitleiste mittels eines Scrollbalkens navigiert werden. Eine Erläuterung erscheint, sobald das Ereignis angeklickt wird, in einem eigenen Frame auf der rechten Bildschirmhälfte.

Einbindung der Zeitleiste
Die derart erstellte Zeitleiste lässt sich in den eigenen Blog oder die Schulhomepage einbinden. Ein entsprechender Kode wird ausgegeben. Des Weiteren kann die Zeitleiste insgesamt sowie jedes einzelne Ereignis kommentiert werden. Insofern bietet Xtimeline Feedbackfunktionalitäten, die zum Beispiel zum Peerassessment genutzt werden könnten.

Schwierigkeiten und Lösungen
Ein Wermutstropfen bleibt: Um diese Web 2.0-Applikation im Unterricht nutzen zu können, muss der Kreis der Zugriffsberechtigten definiert werden. Wie bei Web 2.0 Diensten üblich, beschränkt sich der Nutzerkreis auf die Mitglieder der Plattform, welche sich in der "Buddy-Liste", der Freundesliste des Urhebers befinden. Sie lässt sich über einen Klick auf das entsprechende Icon ansteuern. Um den Schülerinnen und Schülern das Editieren einer Zeitleiste zu ermöglichen, sind prinzipiell zwei Optionen denkbar:

  • Die Schülerinnen und Schüler melden sich mit ihrer Privatadresse an und legen sich selbst ein Nutzerkonto an, wobei dieses Vorgehen von Datenschützern, aber auch von Eltern als bedenklich eingestuft werden könnte.
  • Die Lehrkraft legt zum Beispiel zu Beginn des Schuljahres oder vor dem Anlauf des Unterrichtsprojekts für die Schülerinenn und Schüler selbst Nutzerkonten an. Die notwendigen Mailadressen können zum Beispiel über Google-Apps oder lo-net² verwaltet werden.

Kurzinformation

TitelXtimeline - Zeitleisten erstellen im Netz
Quellewww.xtimeline.com
ZielgruppeSekundarstufe I und II, Gesamtschule und Gymnasium

Fazit

Xtimeline ist ein äußerst komplexes Werkzeug, das hier nur in einem Ausschnitt vorgestellt werden konnte. Allein die Einarbeitung in diese Web 2.0-Applikation erfordert von der Lehrkraft einiges an Engagement und die Bereitschaft, Zeit zu investieren. Entlohnt wird sie durch eine virtuelle Lernumgebung, welche die Erstellung von Zeitleisten im Netz ermöglicht. Obwohl an einer Übersetzung - nach Aussagen der Anbieter - gearbeitet wird, sind gute Englischkenntnisse von Vorteil.

Zusatzinformationen

Im Netz

Literatur
Sauer, Michael: Die Zeitleiste, in: Pandel, Hans-Jürgen / Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 2005, S. 197-208.

Informationen zum Autor

Alexander König ist Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium Sulzbach und Referent für E-Learning am Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) im Saarland.

  • Mehr Infos im Autorenverzeichnis
    Hier können Sie Kontakt mit dem Autor aufnehmen. Außerdem finden Sie eine Liste mit weiteren Lehrer-Online-Beiträgen von Herrn König.
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