Zeichenstunden am Teleskop

"Altmodische" Zeichnungen sind mehr als nur eine preiswerte Alternative zur Astrofotografie: Objekte werden besonders intensiv beobachtet und die naturwissenschaftlichen Grundtechniken des genauen Beobachtens und Protokollierens geübt.
 

Beim Beobachten astronomischer Objekte entsteht schnell der Wunsch, das Gesehene zu dokumentieren. Dies dient nicht nur dem Aufbau eines eigenen "Beobachtungsschatzes", sondern ist auch die Grundlage für die Beobachtung und Auswertung dynamischer Vorgänge am Nachthimmel (zum Beispiel Jupiteratmosphäre und -monde, Sichtbarkeit der Saturnringe, Entwicklung von Kometen). Das Zeichnen ist in diesem Zusammenhang eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zur aufwändigen und nicht ganz trivialen Astrofotografie, für die nicht an allen Schulen die technischen Grundlagen vorhanden sind. Zeichnungen können eingescannt und auf der Homepage der Astro-AG veröffentlicht werden. Die Digitalisierung der Bilder bietet auch die Möglichkeit, Zeichnungen auf weißem Papier mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen in "Negative" umzuwandeln. Dies ist zum Beispiel bei der Darstellung von Nebeln oder Sternhaufen sinnvoll.

 

Warum Zeichnen?

Bei der Nutzung computergesteuerter Teleskope, mit denen man eine vorprogrammierte "Guided Tour" am Himmel abfahren kann, sorgt das Zeichen für eine Entschleunigung der Himmelsbeobachtung. So sinnvoll und hilfreich computergesteuerte Teleskope sind - das Zeichen eröffnet eine ganz andere Facette astronomischer Beobachtung, die man Schülerinnen und Schülern einer Astro-AG nicht vorenthalten sollte.

  • Beim Zeichnen beschäftigen sich Beobachterinnen und Beobachter für eine lange Zeit intensiv mit einem Objekt - es wird ihnen vertraut.
  • Durch Wiederholung der Beobachtung unter wechselnden Bedingungen können immer mehr Details erkannt werden. Die Protokollierung macht eigene Beobachtungsfortschritte erkennbar. Die Erfolgserlebnisse machen den Entwicklungsprozess der eigenen Wahrnehmung bewusst.

Schülerinnen und Schüler auf Galileis Spuren

Monddarstellung von Galileo Galilei
Abb. 1: Monddarstellung von Galileo Galilei

Der Mond ist immer ein lohnendes Objekt. Im Internationalen Jahr der Astronomie 2009 hat das Beobachten und Zeichnen des Erdtrabanten noch einen besonderen Aspekt: Vor 400 Jahren richtete Galileo Galilei (1564-1642) ein Fernrohr auf den Himmel - und entdeckte und zeichnete "Mondberge", die Bewegung der Jupitermonde, die Phasen der Venus und Sternhaufen. Seine Ergebnisse veröffentlichte er im "Sidereus Nuncius" ("Sternenbote", 1610). Eingescannte Seiten oder sogar ganze Exemplare wurden bereits im Internet veröffentlicht. Seine Jahrhunderte alten Darstellungen (Abb. 1 zeigt einen von Galilei wohl bewusst "idealisierten" Kraterwall, der auf der der Mondoberfläche nicht zu sehen ist) können die Lernenden motivieren, in den Spuren des berühmten Astronomen selbst zum Zeichenstift zu greifen. Einfache Teleskope - sogar Feldstecher - zeigen bereits die Gipfel von der Sonne beschienener Berge, in deren Tälern noch die Mondnacht herrscht.

 
  • Vorbereitung und Zeichentechnik
    Was ist bei der Vorbereitung einer "Zeichensession", bei der Wahl des Materials und der Zeichentechnik zu beachten? Tipps & Tricks von Josef Cukas.

Tipps zum Zeichen am Schulteleskop

  • "Rotation" am Teleskop
    Ein Nachteil des Zeichens ist, dass lediglich eine Person das Objekt mit der nötigen Ruhe bearbeiten kann. Bei einem Beobachtungsabend mit einer Schülergruppe sollten daher zwei Teleskope zur Verfügung stehen, so dass die Rolle des Zeichners wechseln kann. Dabei sollten etwa 30 Minuten für einfache Zeichnung angesetzt werden. Eine Nachbearbeitung der Skizzen kann später am Schreibtisch erfolgen.
  • Ausrichtung des Zeichenblatts
    Die Himmelsmarkierungen auf dem Zeichenblatt sollen mit den "wahren" Himmelsrichtungen im Okular in Übereinstimmung gebracht werden (bevor man mit dem Zeichnen beginnt).
  • Zeichen, was man sieht
    Während des Zeichnens ist eine permanenter Abgleich mit dem Original im Okular erforderlich.
  • Helligkeiten kodieren
    Beim Skizzieren ist die Vergabe von Helligkeitsstufen für Flächen oder Sterne hilfreich, die in der Nachbearbeitung eine realitätsgetreue Wiedergabe der Helligkeiten ermöglicht.
  • Pausen einlegen
    Das Zeichnen erfordert eine hohe Konzentration - Pausen sind empfehlenswert!
  • Notizen
    Angaben zur verwendeten Optik, den Beobachtungsbedingungen und sonstige Bemerkungen sollten natürlich nicht fehlen.

        Informationen zu den Autoren

        Josef Cukas ist ist Hobby-Astronom. Eigentlich wollte er die Astrofotografie in Angriff nehmen. Dann hat ihm das Zeichnen am Teleskop so viel Freude bereitet, dass er auch andere - kleine und große - Amateurastronomen dazu motivieren möchte. Auf seiner Homepage finden Sie Zeichnungen ganz unterschiedlicher astronomischer Objekte.

        • Mehr Infos im Autorenverzeichnis
          Hier können Sie Kontakt mit Herrn Cukas aufnehmen. Zudem finden Sie hier eine Liste mit weiteren Lehrer-Online-Beiträgen des Autors.

        Dr. André Diesel ist Diplom-Biologe und Fachredakteur für Naturwissenschaften, Mathematik und Geographie bei Lehrer-Online.

        • Mehr Infos
          Hier können Sie Kontakt mit Herrn Dr. Diesel aufnehmen. Zudem finden Sie hier eine Liste mit weiteren Lehrer-Online-Beiträgen von ihm.
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