Gabi Netz
21.07.2003

WIP - die Idee des WebQuests weitergedacht

Web Inquiry Projects (WIP) sind Weiterführung und Öffnung der WebQuest-Idee. Am Lehrstuhl von Bernie Dodge, dem "Erfinder" des WebQuest, wurde die Methode, bei der Lernende selbstständig am PC forschen, nun weitergehend formuliert.
 

"In welchem Jahr fand die Französische Revolution statt?" und "Wann wurde Mozart geboren?" - das sind nicht unbedingt Fragen, die eine selbstständige Recherche im Internet für Lernende attraktiv machen. Sie werden aber dennoch in inhaltlich abgewandelter Form zuweilen in WebQuests gestellt. Spannender und die Methode konsequenter verfolgend wären handlungsorientierte Problemstellungen wie "Entwickeln Sie eine Rundreise durch Andalusien" oder "Bedroht El Niño auch unser Klima?".

 

Forschungsprojekte im Netz

Bestandsaufnahme
Philip Molebash, der wie Bernie Dodge an der San Diego State University lehrt, erläutert im aktuellen Aufsatz die unterschiedlichen Herangehensweisen Lehrender an WebQuests. Bei Untersuchungen von WebQuests, die im Internet zu finden sind, stellte sich heraus, dass es verschiedene Vorstellungen dieser lernerzentrierten Forschungsprojekte und deren Umsetzungen gibt.

Molebash zeigt, dass sich Lernende bei ihrer Forschungstätigkeit im Internet in unterschiedlichem Maße frei bewegen. Er erkennt schlussendlich drei Stufen des Forschens im Netz:

  • structured inquiry
    Ähnlich gelenkter Fragen zum Text suchen die Lernenden auf dieser Stufe der Webrecherche nur die Antworten auf konkrete Fragen, die von der Lehrperson gestellt wurden. Ein freies Forschen findet praktisch nicht statt.
  • guided inquiry
    Bei dieser Art der Recherchereisen im Netz werden Lernende durch die Vorgaben der Lehrperson hinsichtliche ihrer Quellen und Rechercheprozesse relativ stark geleitet.
  • open inquiry
    Freier bewegen sich Lernende im Netz, wenn ihnen nur Hilfestellungen gegeben werden, die Ihnen aber auch Freiraum für kreative Exkurse und die Anwendung eigener Recherche-Prozesse lassen.

Forschen braucht Freiheit
Diese "Stufen der Freiheit" der Lernenden bei Web-Projekten sollten Lehrende bei der Planung eigener Unterrichtseinheiten mit dem Internet im Auge haben. Denn je nach Leistungsstand und Medienkompetenz der Lerngruppe können sich verschiedene Varianten anbieten. Die zweite und dritte Stufe sind aber die zu bevorzugenden Umsetzungen für sinnvolle Webprojekte.

WIP - Web Inquiry Projects

WebQuests haben sich in der unterrichtlichen Praxis mittlerweile etabliert. Die Aktivität der Lernenden wird dabei ganz unterschiedlich gefördert. Daher möchte Molebash mit dem Begriff WIP nun konkret die Projekte beschreiben, die eine "guided" oder "open inquiry" bedingen, die Schülerinnen und Schüler also in erhöhtem Maße organisieren und handeln lassen. Sie regen durch ihre Aufgabenstellung die Lernenden an, selbst Fragen zu einem Thema zu stellen, um dann wiederum selbst einen Lösungsweg zu finden und die Lösung zu präsentieren.

Aufbau eines WIP

Wenn Sie selbst ein Web Inquiry Project konzipieren möchten, können Sie sich an den von Molebash definierten sechs Phasen eines solchen Forschungsunternehmens orientieren:

  • Hook
    Geben Sie den Lernenden einen thematischen Aufhänger und damit einen Grund, sich auf das Unterfangen einzulassen.
  • Questions
    Lassen Sie die Lernenden Fragen stellen, die das Thema durchleuchten und bereits jetzt strukturieren.
  • Procedures
    Die Lernenden erkennen, wie sie an das Thema herangehen möchten. Sie wählen die Vorgehensweise und einigen sich auf Recherchequellen.
  • Data Investigation
    Nun suchen die Lernenden im Netz nach Antworten auf die von ihnen selbst gestellten Fragen und sammeln Fakten.
  • Analysis
    Das gefundene Material wird nun von den Lernenden selbst sortiert, reflektiert, eventuell ergänzt und ausgewertet.
  • Findings
    Über die gefundenen Lösungen sollen nun Antworten gegeben und argumentativ belegt, Begründungen formuliert und präsentiert werden.

Zusatzinformationen

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