Der hohe Zeit- oder Materialaufwand vieler "Realexperimente" im Physikunterricht lässt oft nur den Lehrerversuch zu. Gerade interessierte Schülerinnen und Schüler werden in solchen Fällen ihre Zuschauerrolle als wenig befriedigend, die Auswertungs- und Vertiefungsphase als abstrakt und unanschaulich empfinden. Hier kann "WinFunktion Physik ME 2" (im folgenden kurz "WinPhysik" genannt) Abhilfe schaffen. Ob Wellenmaschine, Gleich- und Wechselstromkreise, Konkav- und Konvexlinsen, isobare Zustandsänderungen, Zerfallsreihen und viele andere Themen: Bildschirmversuche und Simulationen unterstützen interaktiv die Stofferarbeitung und -vertiefung, Berechnungen zeigen verblüffende Ergebnisse, komplexe Vorgänge werden verständlich und durchschaubar. Der Bereich "Atomphysik" bietet bemerkenswerte Einsatzmöglichkeiten auch für den Chemieunterricht, während die Bereiche "Himmelsmechanik" und "Astrophysik" für entsprechende schulische Arbeitsgruppen und Projektarbeiten schlichtweg unverzichtbar sind.
Teile des Programms sind auch im Anfangsunterricht einsetzbar, die meisten Themen betreffen jedoch den Unterricht der Sekundarstufe II. Zur selbstständigen Stofferarbeitung ist WinPhysik allerdings nicht geeignet (dafür bieten sich eher die "WinLernen"-Programme aus dem gleichen Verlag an). Zitate aus dem vorzüglichen Handbuch: WinPhysik sei "kein Lernprogramm im eigentlichen Sinn", mit diesem Programm könnten "größere Lücken im naturwissenschaftlichen Wissen nur schwer oder gar nicht" geschlossen werden. WinPhysik verstehe sich vielmehr "als ein Bindeglied zwischen didaktisch aufbereiteten Lernprogrammen und reinen Nachschlagewerken". Voraussetzung ist also in jedem Fall die einführende Behandlung im Physikunterricht, wobei WinPhysik aber schon hier - in der Hand der Lehrkraft (per "Beamer") oder in angeleiteter Einzel-/Gruppenarbeit der Lernenden - wertvolle Dienste leisten kann. Den größten Nutzen entfaltet WinPhysik allerdings in der Vertiefungsphase (ebenfalls in Einzel- oder Gruppenarbeit am Computer). Hilfestellungen durch die Lehrkraft, zum Beispiel in Form detaillierter Arbeitsanweisungen, sind auch hier sinnvoll.
Manfred Amann unterrichtet Chemie und Physik an einer beruflichen Schulen in Baden-Württemberg. Er ist Autor des Buches "Chemie für Kids" (bhv-Verlag) und Administrator der Schulchemie-Website.