Arnd Zickgraf
10.09.2008

Berufs- und Studienorientierung: Kommunikation ist alles

Bei der Berufsberatung mit Schülerinnen und Schülern kann es auf jede Geste, auf jeden Satz, auf jedes Wort ankommen. Die Methode der Kollegialen Beratung kann helfen, in Beratungssituationen souverän zu agieren.
 

In Nordrhein-Westfalen werden derzeit rund 1.800 Lehrerinnen und Lehrer von allgemein bildenden Schulen auf ihre Aufgabe als Koordinatoren für die Berufs- und Studienorientierung (StuBO) vorbereitet. Durchgeführt wird die landesweite Qualifizierungsmaßnahme von der Stiftung Partner für Schule NRW. Unter anderem erfahren die Lehrerinnen und Lehrer, wie man erfolgreicher kommuniziert, wenn man die Methode der Kollegialen Beratung nutzt.

Die Kollegiale Beratung

Fallbeispiel: Problematischer Berufswunsch
Ein Beispiel schildert den Fall eines Schülers, der schon vier Praktika mit der Begründung abgebrochen hat, der Chef sei zu streng, die Stimmung im Betrieb schlecht oder die Vergütung zu gering. Er äußert einen Berufswunsch: Als der Schüler eines Tages auf ein Plakat der Bundeswehr aufmerksam wird, geht er zu seinem Verbindungslehrer und erklärt: "Ich möchte Offizier bei der Bundeswehr werden!". Kann der Lehrer dem Schüler offen sagen, dass er ihn zum gegenwärtigen Zeitpunkt dafür nicht geeignet hält? Jetzt geht es um alles oder nichts: Wenn eine Beratungsperson die Kommunikationstechniken nicht beherrscht, stößt sie den Schüler möglicherweise so sehr vor den Kopf, dass er nie mehr Beratung in Anspruch nehmen wird.

Lösungsfindung: Beratung im Kollegenkreis
Beratung in die Gruppe zu geben, also die Methode der Kollegialen Beratung nutzen - das bietet sich schon deswegen an, weil die Ressourcen zur Lösung eines Problems oft im Kollegium selbst liegen. Zudem ermöglicht die Kollegiale Beratung eine gleichberechtigte und recht schnelle Behandlung von Problemen.

Phasen der Kollegialen Beratung
Diese stark strukturierte Gesprächsform, bei der eine Lehrkraft die Moderation übernimmt und die anderen dem oder der Ratsuchenden Lösungen anbieten, durchläuft in der Regel sechs Phasen:

  • 1. Verteilung der Rollen
  • 2. Problembeschreibung
  • 3. Rückfragen der Kolleginnen und Kollegen
  • 4. Identifikation der Beratenden mit dem Fall
  • 5. Stellungnahme des Ratsuchenden
  • 6. Lösungssuche

Ablauf der Kollegialen Beratung

Interpretation des Falls
Die Gesprächsteilnehmer versetzen sich in die Rollen der am Konflikt beteiligten Personen. Mit dem Wunsch, Offizier in der Bundeswehr zu werden, drückt der Schüler vermutlich seine Unzufriedenheit mit der Schule aus. Für eine Lehrerin ist die Ursache für das Scheitern im Praktikum ein "Autoritätsproblem".

Lösungsvorschläge prüfen
In dieser Gesprächsphase der Kollegialen Beratung ist es die Aufgabe des oder der Ratsuchenden, sich zurückzunehmen und zuzuhören, welche Lösungen und Ideen die Kolleginnen und Kollegen anbieten. Nachdem diese ihre Sichtweisen dargelegt haben, äußert sich die Lehrkraft mit dem Beratungswunsch erneut zum Fall, diesmal mit einer weitaus differenzierteren Perspektive auf die Situation des Schülers. Letztendlich sah sich der Lehrer in diesem konkreten Fall darin bestärkt, das Gespräch mit der Freundin des Schülers zu suchen, um den Schüler davon überzeugen können, seine Kompetenzen noch einmal zu überprüfen.

Zusatzinformationen

Informationen zum Autor

Arnd Zickgraf ist als freier Journalist im Bereich der Bildungsberichterstattung tätig.

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