Damit sind wohl nicht nur die Kaugummis unter und die Brotkrumen auf den Tischen gemeint. Vielmehr geht es um den Frust, den viele LehrerInnen schon erlebt haben, wenn sie in der Vorbereitung ihres Unterrichts die Nutzung der Computer eingeplant haben, aber dann bereits beim Start des Systems mit undefinierbaren Blue-Screens begrüßt werden oder die Hälfte der Klasse verzweifelt das Startmenü sucht ...Immer mehr Kolleginnen und Kollegen möchten gerne die inzwischen an vielen Schulen zahlreich vorhandenen PC nutzen. Sie wollen Geräte vorfinden, die nicht durch Schülerhand "verkonfiguriert" wurden. Aber auch die Gewissheit, die Computer nach Benutzung in einem definierten Zustand zu hinterlassen, sorgt für ein gutes und sicheres Gefühl bei Kindern und LehrerInnen.Übrigens wird jeder mit Administrationsaufgaben beauftragte Kollege daran interessiert sein, den Arbeitsaufwand für die Systempflege so gering wie möglich zu halten, denn nur in den seltensten Fällen wird diese Arbeit honoriert.
Wegen der ständig wechselnden Nutzer kann und sollte man das Kürzel PC in der Schule getrost mit "Public-Computer" übersetzen: Im laufenden Schulbetrieb werden häufig Änderungen am Desktop vorgenommen, Bildschirmschoner mit Passwort eingerichtet und über das Internet können Viren oder trojanische Pferde ins System gelangen. Oft werden Programme installiert oder gelöscht. Will man also vermeiden, dass die mit viel Geld und Mühe beschafften Geräte nutzlos werden, entstehen erhöhte Anforderungen an Sicherungsmaßnahmen.
Das Anlegen von Backups ist äußerst zeitaufwändig, da sie für jeden PC individuell erstellt werden müssen. Das System-Imaging ist zusätzlich teuer, denn in der Regel werden hierzu Programme wie "Norton Ghost", "BackMagic" oder "Drive-Image" benutzt, die für jeden Arbeitsplatz zu lizenzieren sind. Nur wenige versierte AdministratorInnen kennen die Tricks und Kniffe, mit Windows-Bordmitteln die zur Systemwieder-herstellung nötigen Dateien zu sichern. Die ab MS-Windows ME implementierten Sicherungs- und Wiederherstellungsmöglichkeiten bieten nur eine trügerische Sicherheit. Letztlich ist der Aufwand ab einer bestimmten Anzahl von PC einfach zu groß.
Die Einschränkung von Benutzerrechten passt überhaupt nicht in ein Konzept, das versucht, SchülerInnen sowie auch Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit des "try and error" einzuräumen. Wie sollen Kinder lernen, ein Betriebssystem zu bedienen, wenn es gesperrt ist?Diese Lösung kam für mich als Verantwortlichen für den Medienbereich einer Berliner Grundschule eigentlich nie in Frage. Lediglich, wenn beispielsweise an einem Tag der offenen Tür Computer bereitgestellt werden, bietet es sich an, die Nutzung einzuschränken.Wer es gerne ausprobieren will, dem seien Programme wie die "Hacker-Tools" oder "JDTricks" empfohlen, die zumeist kostenlos über das Internet zu bekommen sind.
Gerhard Seiler ist staatl. anerkannter Erzieher mit Schwerpunkt Medienpädagogik und seit 1984 Mitarbeiter an der Lenau-Grundschule. Als Leiter des Fachbereichs Medien ist er u.a. verantwortlich für die Homepage der Schule und die Administration des Schulnetzwerkes. Seit 1995 beschäftigt er sich intensiv mit der Nutzung von Computern in Grundschule und Freizeit.