Ready, Steady, Go - ein biografisches Planspiel

Vielen Jugendlichen fällt es schwer, den Übergang von der Schule in den Beruf zu meistern. Besonders Hauptschülerinnen und Hauptschüler brauchen intensive Unterstützung bei der Überwindung der so genannten ersten Schwelle.
 

In den letzten Jahren ist die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt nicht einfacher, sondern eher komplizierter geworden. Die Anforderungen aus der Wirtschaft steigen, die Berufsbilder sind vielfältiger, der Weg von der Schule - insbesondere von der Hauptschule - in den Beruf ist unübersichtlicher geworden. Diesen Herausforderungen hat sich der Bezirk Baden-Württemberg des DGB gestellt und ein Planspiel entwickeln lassen, um diesen Übergang zu begleiten und zu unterstützen. Das Spiel kann nur mit einer Gewerkschaft des DGBs durchgeführt werden. Das Planspiel wird in Baden-Württemberg mit der DGB-Jugend durchgeführt. Interessenten aus anderen Bundesländern sollten sich bei Jeanette Klauza per E-Mail über die Teilnahmemöglichkeiten informieren.

Grundideen des Planspiels

"Ready, Steady, Go" ermöglicht Schülerinnen und Schülern, ihre berufliche Zukunft zu entwerfen und im Laufe des Spiels darauf hinzuarbeiten. Eigene berufliche Wünsche und Träume werden vorab in einem Wunschlebenslauf festgehalten. In der nach dem Spiel stattfindenden Auswertung werden Wünsche und Träume mit der im Spiel erreichten "Lebensrealität" verglichen. Es geht daher weniger um Wettbewerb als um das Ausschöpfen der individuellen Möglichkeiten. Jede(r) wird nur mit sich selbst verglichen. Hauptintention des Planspiels ist das Erreichen größtmöglicher Realitätsnähe durch Einbindung von Fachleuten aus Betrieben und Kammern (Ausbilder/innen, Personalleiter/innen, Betriebsräte), Pädagog/innen, Lehrkräften, Schulsozialarbeiter/innen, Gewerkschaftsvertreter/innen und der Berufsberatung, die im Idealfall anwesend sind. Das Planspiel ist für eine Beteiligung von circa 20 Jugendlichen konzipiert.

Durchführung des Planspiels

Für die Durchführung des Planspiels schlagen die Autoren zwei Modelle vor:

  • Variante 1:
    Das Planspiel wird mit einer Schulklasse in Form einer in den Schulunterricht integrierten Lerneinheit durchgeführt. Das biografische Planspiel beinhaltet Bausteine des Lehrplans und lässt sich fächerübergreifend einsetzen. Vorgeschlagener Zeitrahmen: längere Vorbereitungsphase und Durchführung des Planspiels an einem Tag in einem Umfang von mindestens 3-4 Stunden.
  • Variante 2:
    Das Planspiel wird in der Jugendhilfe und der Jugendarbeit durchgeführt. Zeitrahmen: Kompakte Vorbereitungsphase von maximal 2 Tagen und Durchführung des Planspiels an einem Tag.

Die drei Phasen des Projektes

Erste Phase: Wünsche
In der Vorbereitungsphase erstellen die Jugendlichen ihre Bewerbungsmappe mit allen erforderlichen Dokumenten, für die Vorlagen angeboten werden. Planspielspezifisch ist die Erstellung eines Wunschlebenslaufs, der nicht nur berufsbezogene Aspekte, sondern auch persönliche Lebensziele wie zum Beispiel Partnerschaft, Kinder, Wohnort, Freizeit und Geld umfasst.

Zweite Phase: Stationen
Am Planspieltag selbst durchlaufen die Jugendlichen verschiedene Stationen:

  • die Berufsberatung der Agentur für Arbeit
  • eine Firma (Einreichung von Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch)
  • die Schule (Überblick über schulische Qualifizierungen bis zum Studium, Online-Bewerbungstraining)
  • die Gewerkschaft, Teststation (Durchführung unterschiedlicher Eignungstests)
  • einen Checkpoint (mit Spielleitung und Ausgabe der Ereigniskarten)
  • eine Beratungsstelle (Besprechung der im Spielverlauf auftretenden Probleme sowie Ausarbeitung möglicher Lösungswege)

Die Jugendlichen können unterschiedlich viele Stationen durchlaufen. Der Gesamtumfang der Stationen ermöglicht ihnen, die beruflich entscheidende Lebens- und Entwicklungsphase von circa 15 bis 26 Jahren zu simulieren. Zur Spielbegleitung erhalten die Jugendlichen einen Laufzettel, auf denen sie ihre Aktivitäten während des Planspiels festhalten sowie Ereigniskarten, die sie mit einschneidenden Lebenserfahrungen und -krisen konfrontieren. Beispiel: "Du hast von deinem Chef einen Vorschuss von 4.000 Euro für den Führerschein und einen Gebrauchtwagen bekommen. Du warst leider in einer Kurve zu schnell. Kein Personenschaden, aber Führerschein und Auto sind weg". Kommen die Jugendlichen mit den Ereignissen alleine nicht klar, können sie sich in der "Beratungsstelle" professionelle Hilfe holen. Wenn möglich, sollten die Stationen räumlich getrennt sein. Dies erhöht die Realitätsnähe. Sowohl die "Fachleute" als die Spielenden sollten auf ein angemessenes Outfit und Auftreten achten, um eine größtmögliche Authentizität der Abläufe zu erreichen.

Dritte Phase
Nach dem Planspiel werden die Erfahrungen ausgewertet und versucht, realistische Szenarien für die persönliche Berufs- und Ausbildungsplanung zu entwerfen.

    Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

    Im Rahmen des Planspiels bieten die Materialien und in die Spielunterlagen eine gute Grundlage für authentisches, handlungs- und problemorientiertes Lernen.

    • Eingebettet in "Stationen" bieten die Materialien gute Ansatzpunkte für Binnendifferenzierung in einer größeren Gruppe. Je nach persönlichen Interessen und Leistungsvermögen können die Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger Stationen absolvieren. Es lassen sich auch kleinere "Runden" drehen, wobei der didaktische Ansatz des Planspiels sicherstellt, dass die Jugendlichen die wesentlichen Elemente/Stationen für die Berufswahl-Orientierung durchlaufen.
    • Auch wenn das Planspiel durch die Phasen Einführung - Durchführung - Nachbereitung aufwändig erscheint, bietet diese didaktische Absicherung gerade die Möglichkeit und die Chance, das Thema "1. Schwelle" nachhaltig und für die Jugendlichen effektiv zu gestalten.

    Fazit

    Sowohl was die Spielidee, die sehr guten didaktischen Begleittexte als auch die Fülle an Materialien und Kopiervorlagen angeht, ist das Planspiel empfehlenswert. Die ins Planspiel eingebrachten biografischen Bezüge bieten gut Anknüpfungspunkte, um die Jugendlichen anzusprechen und sie zu motivieren, sich frühzeitig mit ihrer Berufsorientierung und Lebensplanung zu befassen. Die Idee, das Planspiel als Stationenlernen durchzuführen und die Stationen mit Experten zu besetzen, ist sehr attraktiv und bietet gute Ansatzpunkte für authentisches Lernen. Die Einbeziehung der Experten aus der Wirtschaft und der Berufsberatung kann zudem die vorhandenen lokalen und regionalen Netzwerke stärken und die engere Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft  stärken. Hier ist der DGB-Jugend in Baden-Württemberg ein gutes Konzept gelungen.

    Zusatzinformationen

    Informationen zum Autor

    Herr Schmitt-Kölzer ist Lehrer und Erwachsenenbildner und seit 1987 in der außerschulischen beruflichen Bildung in Wittlich (Rheinland-Pfalz) tätig.

    • Mehr Infos im Autorenverzeichnis
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