In der 4. Klasse der Berliner Grundschule findet die Radfahrprüfung statt. Im Vorfeld der eigentlichen Prüfung versuchen die Lehrerinnen und Lehrer immer, sowohl theoretische Inhalte der Themenbereiche Verkehrs- und Mobilitätserziehung (Verkehrszeichen und -regeln, Umweltschutz) als auch praktische Inhalte (sicheres Radfahren) zu vermitteln. Für die Vermittlung theoretischer Inhalte stehen in der Regel verschiedene Unterrichtsmaterialien und -medien zur Verfügung. Hier kann der kommunikative Austausch über eine Web 2.0-Applikation, das Weblog (= Web-Logbuch), kurz Blog, den Unterricht sinnvoll ergänzen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen
KurzbeschreibungEin Blog bietet den Beteiligten die Möglichkeit zum Austausch. In schriftlichen Beiträgen, die sich inhaltlich aufeinander beziehen, können Fragen formuliert und beantwortet sowie Meinungen ausgetauscht werden. Die Schülerinnen und Schüler können ihre Lernfortschritte auf dem Weg zur Radfahrprüfung dokumentieren (Besuch in der Jugendverkehrsschule, Unterricht mit dem Verkehrpolizisten) und den Eltern veranschaulichen. Außerdem können für fachliche Fragen auch außerschulische Expertinnen und Experten (zum Beispiel der zuständige Verkehrspolizist) befragt werden, die zu dem Blog eingeladen werden.
Eltern und UnterrichtDie meisten Eltern sind interessiert an einem "Blick in den Klassenraum". Im Blog können sie die Dokumentation des Unterrichts in Text- und Bild verfolgen. Zusätzlich können sie Kommentare dazu schreiben und so zeitversetzt auch in einen Austausch mit den Kindern im Unterricht treten.
Experten hinzuziehenDie Hinzuziehung von außerschulischen Expertinnen und Experten kann den Unterricht bereichern und die Kinder motivieren. Da die Verkehrspolizisten nur einige wenige Unterrichtsstunden übernehmen können, kann man nach Wegen suchen, außerschulisches Expertenwissen in den Unterricht einzubringen. Neben den "üblichen" Methoden (Lesetexte, Interviews) bietet sich hier das Blog an.
Die Schülerinnen und Schüler können im Blog ihre Erfahrungen und Erlebnisse im Verkehr und bei der Verkehrserziehung aufschreiben und durch Bilder ergänzen. Leitfragen oder -gedanken der Lehrkraft lenken die Beiträge. Abb. 1 (Platzhalter bitte anklicken) zeigt einen Screenshot des Blogs zur Radfahrprüfung der Klasse 4a der Berliner Maria-Montessori-Grundschule. Auf Wunsch der Eltern ist dieser passwortgeschützt und somit für Externe nicht zugänglich.
ElternEltern stellen die Verkehrsproblematik aus ihre Sicht als Eltern (sie machen sich Sorgen um ihre Kinder) und eventuell aus ihrer Sicht als Autofahrer (Rücksicht auf Radfahrer oder Konflikte mit ihnen) dar.
Expertinnen und ExpertenExpertinnen und Experten können und sollten auch Personen von außen sein: Die mit der Verkehrserziehung beauftragte Lehrkraft des Bezirks oder der Verkehrspolizist, der auch die Übungen in der Jugendverkehrsschule leitet. Sie können die Fragen der Kinder, die im Unterricht entstehen, im Blog beantworten, denn sie stehen der Klasse ja persönlich nicht ständig zur Verfügung. Mit dem zuständigen Verkehrspolizisten kann beispielsweise abgesprochen werden, während eines bestimmten Zeitraumes öfter im Blog Eintragungen zu machen und Fragen zu beantworten.
In einem eventuell vorhandenen Schul-CMS oder über einen kostenlosen Blog-Anbieter im Internet wird ein Blog eingerichtet. Passwortgeschützt kann sich jeder trauen, Beiträge zu erstellen. Im Rahmen des Unterrichts (Schulkinder) oder in der außerunterrichtlichen Zeit (Eltern, Experten) werden die Beiträge erstellt.
Thomas Seidel ist Lehrer und IT-Betreuer an der Maria-Montessori-Grundschule, Berlin. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dem Computereinsatz im Unterricht und in der Lehrerfortbildung.
Web 2.0, Weblog, Verkehrserziehung, Elternarbeit, Wiki