Das Arbeiten und Lernen im Internet ist nicht unproblematisch. Denn Lernende verwenden Internetseiten oft nur als Materialienbörsen, um Texte aus diesen zu kopieren, einzufügen und dann aus Unwissenheit in Bezug auf die wissenschaftliche Praxis oder ganz bewusst als Eigenleistung dem Lehrer/Dozenten vorzulegen. Die Zusammenfassung der Informationen landet dann als Plagiat auf dem Pult der Lehrenden anstatt einer eigenständigen Bearbeitung, Gewichtung, Analyse und Hinterfragung des historischen Gegenstandes auf Basis des Onlinematerials. Bestehende wissenschaftliche historische Portale, Archive und Online-Bibliotheken werden kaum genutzt. Informationen werden von den Lernenden zu häufig auf Wikipedia recherchiert oder unsystematisch "ergoogelt". Es fehlt eine Vorstellung davon, welche Internetressourcen zuverlässige Quellen sind und welche Qualitätskriterien man für ihre Einschätzung anlegen muss.
Mangelhafte TextanalyseAndererseits wird die Arbeit mit Fachliteratur und Quellen von den Lernenden nicht mehr als elementar begriffen, weil einerseits leicht zugängliche Informationen im Internet inflationär zur Verfügung stehen und andererseits die Lernenden der Versuchung unterliegen, sich zu sehr auf Informationen aus dem World Wide Web zu verlassen. Die Quellenarbeit und die kritische Bearbeitung der Printmedien wird als vernachlässigenswert eingestuft. Dem unkritischen Gebrauch von Online-Darstellungen in Kombination mit mangelhafter Methodenkompetenz folgt die dürftige Herausbildung des historischen Bewusstseins. Der historische Gegenstand wird nicht mehr durchdrungen.
Historisches Lernen mit dem Internet professionalisierenHier soll nicht in den neuen Medien per se die Ursache des Übels erkannt oder gar dazu genötigt werden, deren Verwendung in Hausarbeiten zu verbieten. Das Internet ist aus dem Wissensmanagement und aus allen Lern- und Lehrprozessen nicht mehr wegzudenken! Es muss also darum gehen, das Lernen im und mit dem Internet zu professionalisieren und das World Wide Web so zu nutzen, dass es didaktisch wertvolle Erträge liefert.
Fähigkeit der kritischen Nutzung ausbildenAus unseren Beobachtungen hinsichtlich des Zusammenhangs von unkritischer Nutzung des Internets, mangelhafter Methodenkompetenz und unzureichender Herausbildung eines historischen Bewusstseins folgern wir, dass die Arbeit im und mit dem Internet so gestaltet werden muss, dass
Im Folgenden wird eine Möglichkeit dargestellt, wie die WebQuest-Methode eingesetzt werden kann, um die oben genannten Probleme zu lösen und die genannten Ziele zu erreichen. Es soll an dieser Stelle nicht erneut die WebQuest-Methode nach Bernie Dodge / Tom March vorgestellt werden. Dazu verweisen wir auf die Veröffentlichungen auch auf diesem Portal.
Thomas Hilmer arbeitet seit August 2005 als abgeordneter Studienrat am Seminar für Didaktik der Geschichte im Projekt Lehr@mt des hessischen Amtes für Lehrerbildung (AfL).
Daniel Gejic M.A. war Projektkoordinator des E-Learning-Projekts FAB@cht am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main.
WebQuest