Albert Einstein erregte 1905 mit der Veröffentlichung seiner Speziellen Relativitätstheorie schnell auch populärwissenschaftliche Aufmerksamkeit. Das Interesse galt vor allem der Zeitdilatation. Wie sich seine Theorie auf das auswirkt, was ein mit Fast-Lichtgeschwindigkeit Reisender sehen würde, war dagegen weniger gefragt. Entsprechende Betrachtungen fehlen bis heute in der populärwissenschaftlichen Literatur meist ebenso wie in den Schulbüchern. Dieser Artikel schließt diese Lücke und stellt eindrucksvolle Animationen vor, mit denen Sie den experimentarmen Unterrichtsstoff der Relativitätstheorie aufpeppen können. Zudem regt er dazu an, solche Animationen von den Schülerinnen und Schülern in fächerverbindenen Projekten (Informatik, Mathematik, Physik, Kunst) selbst herstellen zu lassen.
Mit der kostenfrei zugänglichen Software POV-Ray können dreidimensionale Bilder erzeugt werden. Dabei komponiert man eine Szene aus den gewünschten Objekten, platziert mindestens eine Kamera und eine Lichtquelle - und lässt dann POV-Ray die Arbeit erledigen. Das Programm berechnet das Bild gemäß den Vorgaben des Regisseurs und stellt die gewünschte Szene dreidimensional dar. Die Software arbeitet mit dem Raytracing-Verfahren, das mithilfe der linearen Algebra und den physikalischen Gesetzen der geometrischen Optik die Bildpunkte der Szene berechnet. Mit POV-Ray lassen sich auch Filme herstellen. Deutschsprachige Gebrauchsanleitungen gibt es im Internet. Die wohl beste findet sich - zusammen mit eindruckvollen Galerien von Bildern und Animationen - auf der Website Computer Graphics by Lohmüller.
Das Standard-Programm POV-Ray "weiß" nichts von Albert Einsteins Spezieller Relativitätstheorie. Es geht davon aus, dass die Lichtgeschwindigkeit unendlich ist und stellt daher ein bewegtes Objekt genauso dar wir ein ruhendes. Um relativistische Effekte aus der Perspektive eines sich sehr schnell bewegenden Beobachters mit POV-Ray darstellen zu können, mussten dem Programm einige neue Regeln beigebracht werden. Leo C. Brewin von der Monash University in Australien hat aus den Quelltexten von POV-Ray 3.5 eine entsprechende "relativistische Variante" für Unix/Linux erzeugt (Sammlung von C- und C++-Dateien sowie anderer Dateien, mit denen unter Verwendung eines Compilers eine Unix/Linux-Version generiert werden kann). Aus den von Brewin bereit gestellten Quelltexten hat der Autor dieses Artikels unter Beachtung der Lizenzbestimmungen der POV-Ray-Entwickler in C++ eine unter Windows lauffähige Version der Software generiert, die Sie bei Lehrer-Online herunterladen können (siehe unten). Außer dem Doppler-Effekt und der Intensitätsänderung berücksichtigen die hier vorgestellten Raytracing-Animationen alle Effekte der Speziellen Relativitätstheorie, die sich bei hohen Geschwindigkeiten bemerkbar machen (Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit, Unabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit vom Bezugssystem, Zeitdilatation, Längenkontraktion, Aberration).
Unterrichten Sie Relativitätstheorie in einem Grund- oder einem Leistungskurs? Wegen der wenigen möglichen Experimente erweist sich dieser Stoff als etwas trocken. Eine Belebung des Unterrichts erreichen Sie zum Beispiel mit der Demonstration von relativistischen POV-Ray-Filmsequenzen per Beamer. Gebrauchsfertige Animationen können Sie bei Leher-Online herunterladen. Ideal wäre natürlich, wenn die Schülerinnen und Schüler in selbstständiger Arbeit entsprechende Filme herstellen könnten. Physikalisch und philosophisch bedeutsam ist dabei die Diskussion der Begriffe "Beobachten" und "Sehen". Auch eine Facharbeit zur Relativitätstheorie wäre durch die Benutzung des relativistischen Raytracers erheblich interessanter. Wenn der normale Unterricht Ihnen keine Zeit für die Einbindung von POV-Ray lässt, so wären - gerade im Einsteinjahr - fächerverbindende Projektwochen oder -tage (Physik, Informatik, Mathematik, Kunst) wunderbar geeignet, um mit interessierten Schülerinnen und Schülern ab Klasse 10 die Möglichkeiten des relativistischen Raytracers auszuloten.
Neben der relativistischen POV-Ray-Variante (lauffähig unter Windows) finden Sie in dem ZIP-Ordner eine "Lies mich"-Datei mit Hinweisen zur Installation der Software und Tipps zur Erstellung der Animationen. Gebrauchsfertige Filme (Windows Media Player erforderlich) einschließlich der jeweiligen POV-Ray-Dateien können Sie in der Galerie herunterladen.Dateigröße: 10716 KB
Rainer Wonisch (seit August 2008 pensioniert) unterrichtete am Westfalen Kolleg Bielefeld die Fächer Mathematik, Physik und Informatik. Auf seiner Homepage finden Sie Informationen zum Einsatz der Programme Derive und DPGraph im Mathematik- und Physikunterricht.
Relativitätstheorie