"Plagiarism-Finder" überführt Cyber-Schummler

Die Software "Plagiarism Finder 1.0" unterstützt Lehrkäfte, die bei der Korrektur von Referaten oder Facharbeiten sicher sein wollen, dass die eingereichten Texte auch wirklich von ihren Schülerinnen und Schülern stammen.
 

Aus dem Internet wird "abgekupfert", dass sich die digitalen Balken biegen. Getreu dem Motto: "Wenn du von einer einzigen Quelle abschreibst, ist es ein Plagiat, schreibst du hingegen von 200 Quellen ab, dann ist es eine respektable Doktorarbeit." Ganz egal, ob nun Untersuchungen Recht haben, die behaupten, dass 20 bis 30 Prozent der an deutschen Universitäten eingereichten Arbeiten aus dem Internet geklaut wurden, oder ob es ein paar Prozent mehr oder weniger sind: Lehrkräfte an Schulen und Universitäten wissen, dass es ein Leichtes ist, durch "Kopieren" und "Einfügen" einzelne Textpassagen in eigene Arbeiten zu integrieren oder gar komplette Referate beziehungsweise längere Arbeiten aus dem Internet als eigene Produktionen auszugeben.

Die Versuchung "Copy and Paste"

Abhilfe durch Medienkompetenz und Software
Eine Abhilfe gegen digitale Schummeleien dieser Art besteht zum einen in einer erhöhten Medienkompetenz der Korrigierenden. Sie müssen nicht nur das ganze Spektrum an Möglichkeiten des Plagiats kennen, sondern vor allem die Mittel, im Verdachtsfall ein Plagiat aufspüren und beweisen zu können (vergleichen Sie dazu die Hinweise auf den Lehrer-Online-Artikel zum "Schutz vor digitaler Mogelei" in den Zusatzinformationen unten). Andererseits stellt das digitale Zeitalter durch entsprechende Software selbst wieder eine "Waffengleichheit" zwischen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften her, da Software-Programmierer Hilfsmittel anbieten, mit denen Plagiate quasi automatisch aufgespürt werden können. Ein solches Hilfsmittel ist der "Plagiarism-Finder".

Das Funktionsprinzip: Abgleich mit Suchmaschinen
Das Prinzip, nach dem die Software arbeitet, ist relativ schnell erklärt: Die Lehrkraft lässt sich zusammen mit dem Ausdruck einer eingereichten Arbeit immer auch die entsprechende Datei geben (unterstützte Formate: doc, txt oder rtf ), um diese dann mit der Software analysieren zu lassen. Dies geschieht, indem der Text in jeweils einstellbaren Portionsgrößen von vier bis zehn aufeinander folgenden Wörtern und dazwischen liegenden Abständen von 8 bis 500 Wörtern vom Programm automatisiert in Internetsuchmaschinen abgefragt wird. Übereinstimmungen werden in einem Prüfprotokoll farblich hervorgehoben und die Fundstelle gleich als Link mitgeliefert.

Die Software im Praxis-Test

Die Suche nach dem Plagiat
Für einen Praxistest sollte der Plagiarism-Finder seine Fähigkeiten bei einer Datei unter Beweis stellen, die absichtlich um einen wortwörtlich aus dem Internet übernommenen Absatz ergänzt wurde. Bei der Testdatei handelte es sich um ein echtes Schülerreferat zu dem antiutopischen Roman "Brave New World" von Aldous Huxley. Die plagiierte Ergänzung stammte aus Novelguide.com.

Normale Prüfung liefert Fundstellen
Der Testlauf sollte mit der Standardeinstellung "Normale Prüfung" durchgeführt werden. Nach einem Klick auf den Button "Ergebnisse" war die Plagiatsquelle mit über 1.200 übereinstimmenden Zeichen im Prüfbericht prompt an erster Stelle gelistet - ein Volltreffer. Dieser Idealfall ließ sich aber bei Testläufen mit anderen Dateien nicht jedes Mal reproduzieren. Zwar wurden insofern immer gute Trefferquoten erzielt, als die eingebaute Plagiatsstelle tatsächlich fast immer irgendwo im Prüfbericht stand, aber eben irgendwo. Außerdem werden natürlich auch solche Übereinstimmungen als verdächtig aufgelistet, die der Autor oder die Autorin ganz ordnungsgemäß zitiert hat.

Verbesserungsmöglichkeiten
Für eine Topbewertung fehlt dem Plagiarism-Finder noch eine intelligente "Link-Lern-Funktion", das heißt, das Programm müsste eigentlich selbst "erkennen", dass ein Link zu einer gefundenen Übereinstimmung bereits irgendwo in der zu überprüfenden Arbeit - zum Beispiel in einer Fußnote am Ende der Seite  - völlig korrekt als Quelle angegeben wurde. Derartige Übereinstimmungen könnten dann zum Beispiel im Prüfbericht mit "gelb" gekennzeichnet werden, während andere Übereinstimmungen mit "rot" als hoch verdächtig eingestuft werden sollten, wenn die vom Programm gefundene Internetquelle in der gesamten Arbeit nirgends auftaucht. Eine solche Farbkodierung würde für die Korrigierenden eine erhebliche Vorentlastung beim Durchwühlen der vom Programm aufgelisteten Quellenübersicht darstellen.

Fazit

Gute Hilfe trotz verbleibender Kontrollarbeit
Der "Plagiarism-Finder" bedeutet ein gutes Stück "Waffengleichheit" im Kampf zwischen Korrektor und Plagiator. Die Scanleistung des Programms ist überzeugend, wenngleich für die Korrektoren wegen der zu einfach gehaltenen Bedieneroberfläche anschließend noch relativ viel vermeidbare Handarbeit übrig bleibt. Benutzerfreundlichkeit und Effizienz ließen sich noch erhöhen.

Abschreckende Wirkung
Insgesamt ist die Software durchaus empfehlenswert. Erstens ist das Programm in der vorliegenden Form auf alle Fälle schneller und gründlicher als eine völlig manuelle Plagiat-Prüfung und daher eine entsprechend Entlastung für Lehrkräfte. Und zweitens sollte man nicht die enorm abschreckende Wirkung vergessen, die sich einstellt, wenn Lehrerinnen und Lehrer ihre Klasse wissen lassen, dass sämtliche Arbeiten mit diesem Programm routinemäßig überprüft werden. Das könnte auf so manchen Möchtegern-Plagiator wirken wie eine weit sichtbare Radarfalle auf Autobahnraser.

Kurzinformation

TitelPlagiarism-Finder 1.0
BezugMediaphor Software Entertainment AG
SystemanforderungWindows 98 SE, Windows 2000 oder Windows XP.
Empfohlen wird ein Prozessor mit 600 MHz. Mindestens 64 MB Speicher. Eine schnelle Internetverbindung ist empfehlenswert; grundsätzlich funktioniert der Plagiarism-Finder aber auch mit einer Modemverbindung.
PreisEinzelplatzlizenz: 98,00 €
mobile Einzelplatzlizenz: 169,00 €
DemoversionEine Demoversion steht bei der Mediaphor AG in der Rubrik "Produkte" als kostenloser Download zur Verfügung.

Zusatzinformationen

Im WWW

Bei Lehrer-Online

Informationen zum Autor

Sebastian Schuhbeck ist Lehrer für Englisch und Katholische Religionslehre am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein.

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