Der Kurs, der sich über drei Monate erstreckt, befasst sich mit der altersgerechten Vermittlung des Holocaust in der schulischen und außerschulischen Bildung. Nach zwei Einheiten zum pädagogischen Ansatz und Konzept Yad Vashems werden in insgesamt sechs Einheiten Unterrichtsmaterialien für die Jahrgangsstufen 4 bis 10 vorgestellt. Alle Unterrichtsmaterialien werden Ihnen vor Beginn des Kurses zugeschickt oder können im Rahmen des Online-Kurses heruntergeladen werden. Die teilnehmenden Lehrkräfte haben die Möglichkeit, in einem Forum in einen fachlichen Austausch zu treten und sich kennenzulernen. Der Leiter des Kurses regt mit gezielten Fragestellungen immer wieder intensive und sehr offen geführte Diskussionen über methodische und didaktische Aspekte der Holocaust-Erziehung an.
AblaufIn der ersten Woche erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Materialpaket, das Dokumente, Bücher und Bilder enthält und das im Verlauf des Kurses gemeinsam bearbeitet wird. Im Abstand von zwei Wochen werden Aufgaben zum Materialpool online gestellt und von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bearbeitet. Darüber hinaus bietet die entsprechende Kursseite Informationen und Links zu weiterführenden Seiten von Organisationen und Institutionen. Die durchaus anspruchsvollen Aufgaben verlangen eine intensive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik, eröffnen aber gerade dadurch auch neue und aufschlussreiche Perspektiven. Nach der jeweils zweiwöchigen Arbeitsphase stellen die Kursteilnehmer ihre Ergebnisse online und erhalten darauf ein sehr differenziertes und fundiertes methodisches Feedback - fast wie bei einer Lehrprobe!
Eine Lektion: Fritz TaussigEine Lektion hat mich besonders beeindruckt: "Das Bilderbuch, das der tschechische Künstler Bedrich Fritta (eigentlich: Fritz Taussig, 1906-1944) im Ghetto Theresienstadt für seinen Sohn Tommy zu dessen dritten Geburtstag gestaltet hat. Das Bilderalbum "Tommy" kann als ein Vermächtnis des Vaters an seinen kleinen Sohn Tommy verstanden werden. Fritta selbst glaubte offensichtlich nicht daran zu überleben. Daher ist das Buch die Essenz dessen, was der Vater seinem Kind für dessen Leben mit auf den Weg geben möchte - auf einen Weg, den sie nicht gemeinsam gehen konnten. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass der Vater an das Überleben seines Sohnes glaubt und damit ein Moment der Hoffnung aufscheint." (Zitat aus der Zusatzinformation der International School for Holocaust Studies zur entsprechenden Lektion).
Fächerübergreifende VorteileDer Vorteil gerade auch dieser Lektion ist, dass die Bilder, die im Materialpool enthalten sind, in den verschiedenen Klassen- und Jahrgangsstufen bis hin zur Oberstufe einsetzbar sind und dass sie einen fächerübergreifenden Ansatz ermöglichen. Der Kurs, das soll in methodischer Hinsicht besonders positiv hervorgehoben werden, fordert geradezu die Zusammenarbeit mit anderen Fächern - insbesondere Deutsch, Kunst und Religion.
Sekundarstufe IEbenfalls sehr positiv empfand ich das Konzept, das Yad Vashem zur Vermittlung der Shoa entwickelt hat - gerade auch vor dem Hintergrund des Verschwindens der letzten Zeitzeugen. In spiralförmiger und altersangemessener Weise werden die Kinder und Jugendlichen behutsam an das schwierige Thema Holocaust herangeführt. Vor allem im Material für die Sekundarstufe I - der Kurs setzt mit den Klassenstufen 3 und 4 an - haben die Geschichten ein Happy End und eröffnen den Kindern damit einen letztlich hoffnungsvollen Blick auf das Handeln der Menschen, ohne sie mit allzu schrecklichen Tatsachen zu schockieren. Erst langsam gewinnen die Schülerinnen und Schüler einen immer differenzierteren und genaueren Zugang.
Konzentration auf das Schicksal einzelner Menschen"Entscheidende Grundlage dieses Konzepts ist die Konzentration auf das Schicksal einzelner Menschen. Anstelle einer anonymen und ungreifbaren Zahl gesichtsloser Opfer rückt dieses Konzept das Individuum ins Zentrum. Durch die Nennung von Namen und Lebensgeschichten sollen die Ermordeten des Naziregimes damit vor der Auslöschung aus dem Gedächtnis der Welt ("Gedächtnismord") bewahrt werden. Die Beschäftigung mit wenigen Einzelpersonen in all ihren Facetten soll den Schülern den historischen Zugang zum Thema erleichtern und die Entwicklung von Interesse und Empathie unterstützen. Diese Grundidee kann in vergleichbarer Weise auch auf andere Opfergruppen, also auf Sinti und Roma, Homosexuelle, Euthanasieopfer und so weiter übertragen werden." (Zitat aus dem pädagogischen Konzept der International School for Holocaust Studies)
Voraussetzung, um am Ende des Kurses die Teilnahmebestätigung zu erhalten, ist auch, dass insgesamt zwei Unterrichtseinheiten zu zwei frei wählbaren Lektionen entwickelt werden, das heißt die Lehrkräfte können entsprechend ihrer Schulart und Jahrgangsstufe auswählen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Teilnahmegebühr sich in vielfacher Hinsicht gelohnt hat.
Dr. Matthias Schickel ist Lehrer am Katharinen-Gymnasium Ingolstadt für die Fächer Deutsch, Geschichte und Sozialkunde.
Nationalsozialismus, Shoah, Faschismus, Judentum, Zweiter Weltkrieg, Ethik, Kommunikation